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Dibre Emeth · 1906-01-01 · 1 (1906) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
62 (1906)
Issue
1 (1906)
Date
1906-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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An vielen Orten wurden Taufen vollzogen, z. B. in Jerusalem 7, in Wandsbek 1(0, in London und Warschau je 2\. Au den in London Getauften gehörte ein junges Mädchen, welches als Aind eine Missionsschule besucht hatte. Als sie erkrankte, brachte man sie in ein Spital. Hier erschien eines Tages ihre ehemalige Lehrerin an ihrem Schmerzenslager. Im Laufe der Unterredung erinnerte die Christin die Aranke daran, daß diese einst geäußert habe: „Die evangelische Geschichte scheint mir zu schön und zu wunderbar zu sein, als daß ich sie für wahr halten könnte." hieran knüpfte die Lehrerin die Frage an: „Nicht wahr, Sie kennen die Sache jetzt besser?" Da richtete sich die Aranke auf, sah ihre Besucherin ernst an und sagte feierlich: „Ich glaube, daß Jesus für mich gestorben ist." Auf ihren Wunsch empfing sie kurz darauf die Taufe. Schon zwei Tage später starb sie, nachdem sie noch ein herrliches Zeugnis von ihrem Glauben vor allen anderen Aranken, die in demselben Raum lagen, abgelegt hatte. Der Lebensgang eines rumänischen Iudenchristen kann überschrieben werden: „Schritt für Schritt." Als der Missionsgehilfe Altmann vor Jahren eine strenggläubige Iudengemeinde besuchte, fand er in einem Hause einen Jüngling, welcher im Thalmud las. Derselbe war zunächst über die Störung sehr ungehalten, ließ aber dann doch mit sich reden und nahm endlich eine Missionsschrift an. Zwei Jahre später traf Altmann wieder mit ihm zusammen. Jetzt hatte der Jude schon seine besondere Tracht abgelegt. Er hörte zu, als der Christ ausführlicher mit ihm redete. Wieder vergingen einige Jahre. Da sahen sich die beiden abermals. Der Israelit hatte einen Kosten als Beamter gefunden. Obwohl er sich immer noch zur Partei der Altgläubigen zählte, kaufte er jetzt ein Neues Testament und hatte nichts dagegen, als ihm die Lehren desselben noch gründlicher als früher vorgetragen wurden. Im Frühling $0^ begegneten Christ und Jude sich wieder. Dieser erzählte jenem: „Ich habe mich taufen lassen, muß aber um meines Glaubens willen viel Verfolgung erleiden." Merkwürdig ist auch die Geschichte eines palästinensischen proselyten. Eines Tages bemerkte ein Jude in Safed, daß ein im Missionsspital behandelter Aranker auf der Straße in einem Buche las. Er fragte diesen: „Was für ein Buch ist das?" Der Aranke suchte es zu verbergen, konnte sich aber von dem Neugierigen nicht so leicht befreien. Der letztere entdeckte bald, daß es sich um ein Neues Testament handelte. Er erwarb nun das Buch von dem Besitzer, dem es im Arankenhause geschenkt worden war. Die Beschäftigung mit dem Neuen Testament öffnete ihm die Augen. Er forschte weiter nach der Wahrheit, wozu ihm der Verkehr mit einem dänischen Missionar Gelegenheit gab. Von diesem wurde er später im Galiläischen Meere getauft. Auch er hatte viele Verfolgungen zu erdulden. Seine Frau und drei Ainder wurden gezwungen, ihn zu 5 verlassen. Aber er steht fest und trotzt aller Feindschaft. Eine der in Jerusalem stattgehabten Taufen betraf eine Schülerin der dortigen Missionsschule, die schwer erkrankt war und gerne getauft werden wollte. Als man erkannte, daß an ihre Wiederherstellung nicht zu denken war, entsprach man ihrer dringenden Bitte. Nach der heiligen Handlung sagte sie mit leuchtendem Angesicht: „Jetzt bin ich wirklich eine Christin." Zugleich sprach sie dem Täufer nnd den Taufpaten ihren Dank aus. Auch in der Nacht, welche der Taufe folgte, gedachte sie derjenigen, die bei derselben zugegen gewesen waren, mit Dankbarkeit. Sie trug ihrer Pflegerin Dankesgrüße an alle auf. Bald darauf schied sie von hinnen. Die Zahl der Angestellten der L. I.-M. stieg auf 262, wobei 39 Missionarsfrauen mitgerechnet sind. 88 Angestellte sind jüdischer Abstammung. Die Zahl der Arbeitsplätze betrug 4*8. Hinsichtlich der Schriftenverbreitung zeichnete sich auch $0^ Rumänien aus. Es wurden 1(205\ Schriften abgefetzt und dafür 67 £ 7 s. eingenommen. Aus der ärztlichen Mission in Jerusalem liegen diesmal folgende Zahlen vor: 1(2^ Hospitalkranke, 1(3806 Besucher der Poliklinik, 61(00 Hausbesuche, 58755 Rezepte. Eine außerordentliche Veranstaltung der Mission war die Weihnachtsfeier, die am 22. Dezember in Rotterdam stattfand. 300 Juden wohnten derselben bei. Die Armen empfingen warme Aleider für die Reise nach Amerika, die sie am 23. Dezember antreten wollten. Christliche Freunde hatten diese Gaben dargereicht und auch für Lhokolade, Auchen und Orangen gesorgt, so daß die Gäste bewirtet werden konnten. Natürlich wurde den letzteren auch das Beste geboten, woran wir uns zu Weihnachten erfreuen können: die nie veraltende Geschichte von der Offenbarung der Liebe Gottes in der Sendung seines Sohnes. Die heil. Schrift ein Wunderwerk des heil. Geistes. O, welch ein Bau, der sich hier uns darstellt I Mehr als 1(000 Jahre gingen über seiner Vollendung hin. Dennoch welche Einheit des Plans, der ihm zu Grunde liegt, des Geistes, der ihn durchhaucht, der Gedanken, Anschauungen und Lehren, die er in sich birgt I Man trete nur gesammelten Gemütes ein, und bald wird man sich gedrungen fühlen, mit dem Erzvater auszurufen: „Wie hehr ist die Stätte! Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus und die Pforte des Himmels." Allen niederen Lebenssphären ist man hier entrückt. Man atmet eine Luft, wie sie sonst nirgends uns entgegenweht. Wie feierlich wird uns hier zu Sinne! Man fühlt sich in Tempelstimmung versetzt, dem Throne Gottes nahe. Und nun trete man an dies wunderbare Buch mit den großen Lebensfragen der Menschheit heran und vernehme die ebenso einleuchtenden, als das Herz befriedigenden Antworten, die es darauf zu erteilen hat. Woher das Weltall? Gott schuf's aus nichts.

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