Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 62 (1906)
- Issue
- 1 (1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2555141-2555142--10352-2566597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4 Heimat redete, sagte der UTaim: „Ich bekümmere mich um die irdische nicht besonders, dagegen ernstlich um die himmlische." Die Frau aber fügte die Klage hinzu: „In der Synagoge hören wir hierüber sehr wenig. Da werden wir nur zum Tun und Geben aufgefordert." Beide Gatten lauschten nun mit der größten Aufmerksamkeit den Worten der Lhristin, die sie zum Verständnis der biblischen Lehre vorn Jenseits anleiteten. In der Missions- Buchhandlung in Jerusalem erschienen manche Wahrheitssucher. An einem Sonnabend waren ^5 im Laden versammelt, um sich die heilige Schrift erklären zu lassen. Da rief ihnen von der Straße her ein Fanatiker zu: „Ich werde Tuch bei dem Lhakham Baschi anzeigen, wenn Ihr den Laden nicht sofort verlaßt." Aber nur ein einziger entfernte sich infolge dieser Drohung. Die übrigen blieben noch lange im Laden. Gin regelmäßiger Besucher der Buchhandlung wurde durch Träume zur Erforschung der Wahrheit angeleitet. Als er darüber beunruhigt war, daß sein Bruder sich hatte taufen lassen, träumte ihm, er sehe ein schönes, glänzendes Kreuz und lese auf ihm die Mahnung: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir!" Gr fragte nun einen Rabbiner nach der Bedeutung des Traums, wurde aber von dessen Erklärungsversuch nicht befriedigt. Jetzt fing er an, das Neue Testament zu studieren. In diesem Buche fand er die Kreuzesinschrift seines Traumes wieder. Drei Tage später erschien ihm das leuchtende Kreuz noch einmal. Er eilte im Traum auf dasselbe zu und umarmte es. In demselben Augenblick fühlte er sein Herz von einer Bürde befreit. Seither glaubt er an Iesum als den Messias. Leider treten nicht alle Israeliten, die Iesum ehren und lieben, mit einem ehrlichen Bekenntnis an die Öffentlichkeit. „Ich denke oft an die christliche Religion," sagte eine irische Jüdin. „Es muß ein großes Glück sein, wenn man gewiß sein darf, daß einem die Sünde von Gott vergeben und abgewaschen ist. Aber ich fürchte mich, hieran zu oft zu denken. Was würden andere, auch meine besten Freunde, sagen, wenn sie wüßten, was mich in Unruhe versetzt?" Ein alter Lhasid in Warschau, der jahrelang in London gelebt und dort verschiedene Missionshallen besucht hat, erklärte: „Ich und viele andere sind dem Lhristentum zugetan. Aber ein öffentliches Bekenntnis zu Lhristo würde in vielen Fällen eine Trennung von unseren Frauen und Familien herbeiführen." Wie feindselig die Gesinnung der Ungläubigen gegen die Gläubigen oder auch nur Halbgläubigen sein kann, zeigt der Bericht an mehr als einer Stelle. In Jerusalem wurden viele Missionstraktate zerrissen. Einem dortigen Missionsarbeiter wünschte ein Jude: „Mögen Ihr Name und die Namen derjenigen, die bei Ihnen sitzen, ausgelöscht werden!" Einzelne jüdische Freunde Ehristi nahmen den Kampf mit seinen Feinden mutig auf. Ein Jüngling in London besuchte zwei Jahre lang jeden Sonnabend den Missionsgottesdienst. Einmal brachte er ein Neues Testament mit nach Hause. Seine Eltern zankten deswegen mit ihm und vernichteten das Buch. Als er trotzdem seinem Heiland treu blieb, verstießen sie ihn. Sie erlaubten ihm nicht einmal, seinen Mantel mitzunehmen. Aber weder Kälte noch Hunger erschütterten seinen Glauben. Und derselbe wurde bald belohnt. Als Vater und Mutter den Jüngling verlassen hatten, nahm sich der Herr seiner an. Er fand bei christlichen Freunden Hilfe. In Liverpool bekannte eine junge Frau freimütig ihren Glauben an den Messias, den sie durch die Mission kennen gelernt hatte. Sie ging in die Häuser, um anderen Frauen die Bibel vorzulesen und zu erklären. Als sie nach Amerika reiste, wohin ihr Mann schon früher aufgebrochen war, sagte sie: „Ich werde nicht nur meinen Mann bitten, daß er mir den Übertritt zum Lhristentum erlaubt, sondern ihm auch zureden, daß er selbst ein Lhrist wird." Der Sohn eines Warschauer Juden, der im geheimen mit seinem Vater an Iesum glaubte, aber aus Rücksicht auf seine Mutter in der Heimat seinen Glauben verschwieg, reiste nach Hamburg, um die christlichen Lehren näher kennen zu lernen, nachdem er diesem Wunsche eine gute Stelle in Warschau geopfert hatte. Er trat dann zum Lhristentum über und fand jetzt den Mut zuni Bekenntnis. Er schrieb an mehrere seiner Bekannten und teilte ihnen mit, daß der Eintritt in die Gemeinschaft Lhristi eine Wendung zum Besseren bei ihm bewirkt habe. Ein Besucher der Missionsgottesdienste in Konstantinopel pflegt in den Gasthäusern vor den Gästen die gehörten predigten zu wiederholen und aus seiner Bibel, die ihn dorthin begleitet, den Beweis zu führen, daß die predigten mit der heiligen Schrift übereinstimmen. Ein kranker jüdischer Lehrer in derselben Stadt sagte zu Missionar Weinberger: „Ich zweifle nicht daran, daß Jesus mein Heiland ist. Er ist für mich gestorben und lebt für mich. Sobald ich wieder gesund bin, werde ich mich taufen lassen." Aber der Mann entschlief, ehe sein Verlangen nach der Taufe gestillt wurde. In Jaffa kam ein Jude dem Missionar zu Hilfe, als dieser bei seinem Hinweis auf messicmische Stellen von anderen Juden heftigen Widerspruch erfuhr. Jener erhärtete die Wahrheit der gehörten Worte und erklärte: „Ich glaube nicht an die jüdischen Kommentare. Das einfache Wort Gottes ist das Beste." Er hatte zehn Jahre in London gelebt und dort durch die Mission christliche Überzeugungen erlangt. Von einem jüdischen Knaben, der seinen Glauben an Iesum bekannte, erzählt Fräulein Galka in Bukarest. Der Heiland erfüllte des Kindes Herz. Wenn es von ihm redete, merkte man, daß es ihn wirklich liebte. Als der Kleine gestorben war, tröstete seine Schwester die bekümmerte Mutter mit den Worten: „Gott hat ihn zu sich genommen. Wie glücklich muß er jetzt im Himmel sein!" Beide Kinder waren Zöglinge der Missionsschule.