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Dibre Emeth · 1905-01-01 · 3 (1905) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
61 (1905)
Issue
3 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 einen Freund mit den ihn kennzeichnenden Worten: „Betet zu dem Heiland, der den Tod der Sünder nicht will, daß er mein Ende nicht verzögere und es unter seinen Schutz nehrne l Unterstützet den, dem eigenes Verdienst fehlt, mit eurem Gebet, daß der, welcher dem f)eile der Menschen nachstellt, keine stelle finde, wo er mich verwunden könnte!" Der Fürsprecher der Juden begehrte hier für sein Ableben die Fürsprache seiner Glaubensgenossen bei dein, von dem die heilige Schrift ({. Ioh. 2, j) lehrt: „Mir haben einen Fürsprecher bei dem Vater, Iesum Christum, der gerecht ist." Friedrich Wilhelm Blum wurde \858 in Jerusalem geboren. Seine Litern, strenggläubige Israeliten, wünschten ihn zu einem Rabbiner zu machen. Als er \3 Jahre alt war, übergaben sie ihn dem in Jerusalem bestehenden Rabbinerseminar. Linst stand er mit einem Freunde in der Nähe des Iaffators, als man einen Sarg aus der Christuskirche trug. Der Freund sagte: „Laß uns warten, bis der Leichenzug vorüber ist!" Aber Blum, der damals den Heiland als einen Irrlehrer und als einen Urheber der Leiden Israels verachtete, gab zur Antwort: „Laß uns weitergehen I Meinetwegen können die Christen morgen weitere zehn beerdigen." Diese Aeußerung hörte der alte Iudenmissionar £>. £). Stern. Derselbe wandte sich an den jüdischen Schüler mit folgenden Worten: „Wie kann man so unfreundlich reden? Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns erschaffen? War nicht der Messias ein Sündopfer für alle Menschen? Blums Freund spottete. Lr selber aber wurde durch diese Worte tief ergriffen, besonders als er wahrnahm, daß dem alten Manne Tränen übers Antlitz rollten. Von dem Messias wußte er sogut wie nichts. Weder sein Vater noch sein Lehrer hatte je mit ihm über denselben geredet. Lr sehnte sich aber jetzt darnach, weiteres von dem zu hören, den Stern als ein Sündopfer für alle Menschen betrachtete. Da er nicht wagte, zu dem Missionar zu gehen, flehte er Gott um Erleuchtung an. Einige Zeit darauf erkrankte er an Typhus. Man brachte ihn ins Missionskrankenhaus, wo er von den beiden Missionsärzten, Chaplin und Iliewitz, behandelt wurde. Der letztere, ein Iudenchrist, machte den jungen Mann mit dem Christentum näher bekannt. Nach seiner Genesung kehrte Blum ins Seminar zurück. Aber er fühlte sich hier fortan nicht mehr befriedigt. Früher hatte er täglich dreimal gebetet und wöchentlich zweimal, ain Montag und Donnerstag, gefastet. Er war so, wie er selbst sagte, ein echter Pharisäer geworden. Jetzt aber nahm er eine andere Stellung zum rabj binischen Gesetz ein. Natürlich blieb das nicht verj borgen. Man beobachtete ihn und sah, daß er das j Neue Testament las. Dies Buch wurde ihm wegj genommen und seiner Mutter eingehändigt. Die letztere verbrannte es. Bald darauf verließ Blum die Anstalt. Stern, den er eines Tages am Zionstor traf und mit seinen Lrlebnissen bekannt machte, erbot sich, ihn zu unterrichten. Aber als er einst abends das Haus des Missionars verließ, wurde er von zwei starken Männern ergriffen und zu dem Rabbiner geschleppt. Dieser verurteilte ihn zu 16 Rutenhieben und gab ihm außerdem zwei Ohrfeigen, weil er nicht versprechen wollte, seine Besuche bei Stern einzustellen. Der Rabbiner bot dann alles auf, um den V? jährigen Jüngling wieder fürs Judentum zu gewinnen. Als seine Bemühungen vergeblich waren, veranlaßte er Blums Vater, welcher sich in Rußland aufhielt, denselben zu sich zu nehmen. So folgten für den jungen Mann elf Jahre, in denen er in geistlicher Finsternis gehalten wurde. Aber er tröstete sich mit der Verheißung: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich erretten." Als sein Vater f886 gestorben war, ließ er sich in Aischinew von dem lutherischen Pastor Faltin unterrichten und laufen. Seine Mutter verstieß ihn deshalb. Später, als sie erblindet war, nahm sie seine Unterstützungen an und duldete es sogar, daß er bei ihr wohnte. Nach ihrem Tode wurde er in Leipzig für den Missionsdienst ausgebildet. Lr wirkte dann in verschiedenen Missionsstellungen, bis er $01 von der L. I.-M. nach Alexandrien gesandt wurde. Hier bemühte er sich treulich, dem Evangelium bei den Israeliten Eingang zu verschaffen. Am 8. Januar d. I. entschlief er in dieser Stadt nach einer Operation, welcher er sich hatte unterziehen müssen. Lr hinterließ eine Witwe und zwei Töchter. Zu Jesaia 53. Das 53. Aapitel des Jesaia gehört zu den wunderbarsten der Bibel. Da stehen wir plötzlich wie vor einer dunklen Grotte, in welche alle Schrecken und Dualen der Finsternis uni Line Gestalt, die des Anechtes Gottes, sich lagern; auf diese Martergestalt aber senkt sich von oben ein Lichtstrahl, welcher von ihr zurückfällt auf die Gemeinde, die am Eingang sich anbeiend niedergeworfen hat und das göttliche Geheimnis verkündet, welches zu schauen sie gewürdigt worden. Denn der bekehrten Gemeinde der Lndzeit hat der Prophet diese Rede in den Mund gelegt, jenem Israel, das einst mit Verachtung und Grausen sich abwandte von diesem leidenden Gottesknecht, aber dann voll Ehrfurcht und heiligen Verlangens sich ihm zuwenden wird, wenn es verstanden, was es mit diesem Leiden für eine Bewandtnis hat. . . Abgeschattet ist der Leidensgrund schon im Opferdienste des alten Heiligtums. Was die Tiere als unzureichende Vorbilder leisteten, das mußte Liner vollgültig leisten, der mit Lammes-Unschuld und -Geduld anstatt der Sünder den Aelch des Leidens willig trank. Von einem Schuldopfer redet der Prophet,

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