Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 3 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 ein alle 27 aufzählender Brief des Athanasius und der sog. Kanon von Hippo, ein Verzeichnis der fänltlichen Bücher, welches von einer im Jahre 593 zu Hippo abgehaltenen Kirchenversammlung herrührt. Die ältesten Handschriften unseres Sammelwerkes sind leider verloren gegangen. Auch die Urschriften der einzelnen Bücher sind nicht inehr vorhanden. Zur Zeit der Apostel schrieb man auf dünnem Papyrus oder auf feinen! Pergament. Erst später wurden Stoffe benützt, die eine größere Haltbarkeit besaßen. Von den uns erhaltenen Handschriften stammt die älteste, vollständige, die erst \8^, bez. 1859 im Sinaikloster entdeckt wurde, aus der Zeit Konstantins des Großen, welcher 337 starb. Dieselbe befindet sich jetzt in Petersburg. Auf eine etwas spätere Zeit scheint die lückenhafte Handschrift hinzuweisen, welche im Vatikan zu Rom aufbewahrt wird. Eine dritte, ebenfalls lückenhafte wurde erst um ^50 in Egypten angefertigt und befindet sich jetzt im Britischen Museum zu London. Gesegnet seien die Hände, welche die einzelnen Bücher des Neuen Testamentes geschrieben, aber auch diejenigen, welche diese Bücher zu einer Einheit verbunden haben! U)ie hoch ragt das Neue Testament über das ganze sonstige Schrifttum empor I So sehr sich der Ozongehall der Alpenluft von demjenigen der Stadtluft unterscheidet, so groß ist der Unterschied zwischen den: Lebensbuch des neuen Bundes und allen übrigen Büchern der U)elt. Auch am Schluß unserer Ausführungen soll das Lob des Neuen Testamentes erschallen. Aber wir bitten zugleich jeden Leser, an der Verbreitung dieses herrlichen Buches mitzuwirken. Der heilige Geist, der Stellvertreter Ehristi auf Erden, durchdringt es, wie das Feuer in der Schmiede ein Eisen durchdringt. Dieser Geist liefert mittelst des Neuen Testamentes den Beweis, daß der Ehristenglaube wohlbegründet ist, daß insonderheit der Glaube an den vom Tode auferstandenen Heiland eine feste Grundlage besitzt. Dieser Geist zeugt von der Wahrheit der z. T. wörtlich übereinstimmenden, z. T. bei mancherlei Unterschieden die Einheit in der Hauptsache um so mehr erhärtenden Berichte. Und dieser Geist kann davon überzeugen, daß jeder in Granit beißt, welcher die im Neuen Testament niedergelegte Wahrheit bestreitet. Helfen wir darum, daß das beste Buch der Welt in aller Menschen Hände gelange! Bernhard non Clairvaux und die Juden. Als der fanatische Mönch Radulph i. I. am Rhein eine Judenverfolgung hervorgerufen hatte, schrieb Bernhard von Llairvaux, der größte Mann seiner Zeit, an den Erzbischof Heinrich von Mainz: „Siegt die Kirche nicht weit herrlicher über die Juden, wenn sie sie täglich widerlegt oder bekehrt, als wenn sie sie alle auf einmal mit dem Schwert vertilgt? Soll vergeblich sein jenes allgenieine Gebet der Kirche, das von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang für die ungläubigeil Juden gehalten wird, daß Gott der Herr die Hülle von ihren Herzen nehinen, daß er sie aus ihrer Finsternis zum Licht der Wahrheit erheben möge? Denn ohne die Hoffnung, daß die Ungläubigen eiilst zürn Glauben gelailgeil werden, würde es überflüssig und vergeblich scheinen, für sie zu beten. Aber sie weiß, daß Gott den Blick seiner Gnade auf diejenigen wendet, welche Böses mit Gutem, Haß mit Liebe vergelten. Wo bleiben beim die Worte Röm. \{, 26: „Wenn die Fülle der Heiden wird eingegangen sein, dann wird | auch ganz Israel selig werden," uuö ps. \j7, 2: | „Der Herr baut Jerusalem und bringt die Verjagten j in Israel zusammen?" Bist du der, der die pro-! pheten zu Lügnern machen und den gallzell Schatz i der Liebe und Barnlherzigkeit Jesu Ehristi ausleeren will? Doch ist das nicht bciue Lehre, sondern die; Lehre deines Vaters, der dich gesandt hat. Denn! der war ein Mörder voll Anfang an. Wahrlich,; eine höllische Lehre, die abscheulichste Ketzerei, den Prophetell und Apostelll entgegell, der Liebe und der Gnade widersprechend! Die Worte und Werke dieses Menschen zeigell, daß er sich einen Namen zu machen sucht, gleich den Großen der Erde, daß es ihm aber an Mitteln fehlt, dies zu bewirken." Bernhard reiste dann selbst nach Deutschland und dämpfte durch seinen persönlichen Einfluß den Aufruhr. Nachdem er Kaiser Konrad bewogen hatte, einen Kreuzzug ins heilige Land zu unternehmen, verfaßte er einen Aufruf an die Deutschen, in welchem sich folgende Worte finden: „Ihr müßt die Juden nicht verfolgen, nicht ihr Blut vergießen, auch nicht eininal sie vertreiben. Widerlegt sie durch die heiligen Schriften! Sie sind für ullS lebendige Bilder, welche das Leiden des Herrn uns vor Augen stellell. Darum sind sie in alle Gegenden zerstreut, daß sie, die gerechte Strafe eines so großen Frevels erleidend, unserer Erlösung Zeugen seien- Doch wenn ihre Stunde gekommen ist, wird Gott auch auf sie seinen Blick wenden. Es ziemt der christlichen Liebe, wie die Übermütigen zu bekämpfen, so die Unterworfenen zu verschonen, zumal diejenigen, denen die Verheißungen gegeben wurden, und von denen die alten Väter und Ehristus dein Fleische nach herstammten. Ich will nicht erwähnen, daß, wo die Juden fehlen, die christlichen Wucherer ärgere Juden sind, wenn anders sie Ehristen und nicht vielmehr getaufte Juden genannt zu werden verdienen." In, seinen! dein Papst Eugen HI. gewidmeten Buch „Über die Selbstbetrachtung" verglich Bernhard die dem Papst durch weltliche Händel aufgebürdete Last mit dem Druck, unter welchem die Juden seufzten. Hierüber bemerkte er: „Es gibt keine schimpflichere und drückendere Sklaverei als die Sklaverei der Juden. Sie führen dieselbe mit sich, wohin sie nur gehen, indem sie überall ihre Herren finden." Kurz vor seinen! Tode, der ^55 eiutrat, wandte er sich an