Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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15 sei in allem, wie es ihn: gefällig ist." Von einem kurzen Schlummer erwachte er mit dem Ruf: „Mein lieber Vater!" Nach seinem Befinden gefragt, erwiderte er: „Gott wird ferner helfen. Meine Seele hat sich gefasset in ihm." Aus die Bitte eines Amtsgenoffen segnete er diesen. Er sagte: „So sei denn gesegnet dem £)ernt immer und ewiglich!" Als er schwächer wurde, fragte ihn seine Gattin: „Dein Heiland wird Dir doch nahe sein?" Er antwortete: „Daran ist kein Zweifel." Das war das letzte Wort, welches man von ihm hörte. 2. 3m Februar \857 entschlief in Ehristiansfeld in Schleswig Or. Niels Müller, ein frommer Arzt. Er hatte den Grundsatz, Sterbenden mit Vorsicht und Liebe zu sagen, um was es sich im Tode handele. Er wünschte es jedem zu ermöglichen, durch Reue und Glauben Vergebung zu empfangen. Er pflegte zu sagen: „In Frieden kann nur der sterben, dem die barmherzige Liebe des Heilands alle Sünden vergeben hat." In seinen letzten Stunden durfte er selbst diesen Frieden genießen. Am Abend vor seinem Tode bat er seinen Seelsorger, daß er ihn zu seinem bevorstehenden Heimgänge einsegne. Er sang mit, als man einige seiner Lieblingsverse anstimmte. Am andern Morgen sagte er zu seiner Frau: „Heute früh wird mich mein Heiland vollenden." Er dankte ihr für alle Liebe, die sie ihm erzeigt hatte. Dann pries er die Gnade des Erlösers, die ihn mit der Gewißheit der Vergebung aller seiner Sünden sterben lasse. Einen der Bekannten, von denen er sich hierauf verabschiedete, mahnte er: „Ergeben Sie sich Ihrem Heiland auf Gnade und Ungnade, und Sie werden Frieden erhalten." Zuletzt wandte er sich noch einmal an seine Gattin. Er sah sie freundlich an, ergriff ihre Hand und sagte: „Nun habe ich nur noch Dich und meinen lieben Heiland." Das war sein letztes Wort. 3. Am j(3. April MH starb in Aeta (Westafrika) der Uatechist Senare, der Sohn eines Fetischpriesters und Zauberers. Vor seiner letzten Arankheit predigte er über Mat. 2% \3. Eine Lwechristin schrieb, dies Wort habe an den Kerzen aller Airchenbesucher gearbeitet und besonders in ihr die Sehnsucht nach dem Fimmel geweckt. Die letzten Worte, welche dieser Heidenchrist auf dem Sterbebett sprach, waren die folgenden: „Ich kenne den Herrn Iesum. Ich glaube an ihn. Ich sehe Iesum." Die Trauer um ihn war nicht nur bei den Ehristen, sondern auch bei den Heiden groß. Zum Nachdenken. Anfechtung ist zweierlei: eine auf der linken Seite, das ist alles, was einem wehtut; eine auf der rechten Seite, das ist alles, was einem wohltut, diese ist die allerschädlichste Anfechtung. (Luther.) 2. wenn alle Bäume Schreiber und alle Zweige Schreibfedern und alle Hügel Bücher wären und alles Wasser in der Welt Tinte wäre, dann würde dies alles noch nicht ausreichend sein, um die Übel zu beschreiben, welche die Sunde vollbracht hat. Denn die Sünde hat dies Hans des hinnnlischen Lichtes zu einer Grube voll Dunkelheit und dies Haus der Freude zu einem Trauerhaus voll Jammer und Weh gemacht. Sie hat dies Haus aller Erfrischung mit junger und Durst erfüllt und hat diesen Wohnort der Liebe zu einem Gefängnis voller Feindschaft und Mißgunst und diesen Sit; der Sanftmut zu einer Räuberhöhle des Stolzes, der Wut und der Bosheit gemacht. Anstelle des Lachens hat die Sünde Schrecken gebracht, anstelle des Überflusses Bettelarmut und anstelle des Himmels die Hölle. (Joh. Jak. Böhme.) 5. wir wissen garnicht, wie oft wir Christen durch unser erbärmliches Wesen die nach Heimkehr verlangenden Weltkinder zu den Schweinen zurückjagen. Die Kirche Christi kann es ohne den Geist der Liebe nicht mit der Welt aufnehmen. wir aber haben den Christussinn noch nicht, der es versteht, gottentfremdeten Seelen das Vaterhaus angenehin zu machen, wir schätzen den Glauben und reden von unserer Hoffnung» aber wir vergessen, daß die Liebe größer ist als beide. Solange nicht die Welt von den Christen sagen kann: „Sie sind freundlich, sie lassen sich nicht erbittern, sie suchen nicht das Ihre," solange sind wir viel zu armselige Vertreter des Christentums, um auch nur einen Menschen fürs Himmelreich zu gewinnen. Die Seele wird nicht dadurch gesund, daß man die bösen Regungen aus ihr zu entfernen sucht, sondern dadurch, daß man etwas in sie hineinsenkt, nämlich eine reiche Liebe. Diese allein kann umwandeln, erneuern, heiligen. Sie löst die Leidenschaft auf, schmilzt harte Kerzen, öffnet verschlossene. Kraft dieser Arznei kann und wird einer gesunden; ohne sie ist er verloren. (H. Drummond.) Kfeme Wissionszeitung. In Düsseldorf bildete sich unter dem Namen „Ammiel" ein Verein, welcher judenchristliche Gemeinden ins Leben rufen will. Dem aus neun Mitgliedern bestehenden Vorstand gehört u. a. Prof. Ströter in Bonn an. — Der Leipziger Zentralverein übertrug dem P. von Harling das bisher von P. Anacker verwaltete Sekretariat als Nebenamt. Anacker trat in den Kirchendienst zurück. Die Arbeit in Galizien und Rumänien wird in der früheren weise fortgesetzt. — Linen treuen freiwilligen Mitarbeiter lernte ein Berufsarbeiter der Judemmssion in einem hessischen Orte kennen. Als der Missionar sich mit einem Gruß des Missionsfreundes bei einem Israeliten einführte, sagte dieser: „Dem lieben Manne bin ich vielen Dank schuldig. Lr erwies mir viele Liebe, tröstete mich in meinen Nöten und betete oft mit mir für meine schwerkranke Tochter. Ja, ich darf sagen, daß ich durch ihn Gott wiedergefunden habe." Der Israelit hatte von dem Christen auch ein Neues Testament erhalten und fleißig gelesen. „Nirgends," bekannte er, „kann man ergreifendere und herrlichere Lehren finden als in diesem Buche. Sie packen mit solcher Macht das ganze Herz, daß es fast unmöglich scheint, der Überzeugung zu widerstehen, daß Jesus der Messias ist." — Der Bericht des Londoner Missionsamtes in Wien für *904 weist 2270 Hausbesuche, 150 Reden, 10625 verbreitete Schriften (darunter 55^ verkaufte Neue Testamente) auf. von sieben Taufbewerbern wurde einer durch den Missionar getauft. — Am letzten versöhnungstage wurde in den Londoner Synagogen eine von dem Oberrabbiner und andern Führern der englischen Inden Unterzeichnete Warnung vor der Mission verlesen. Im Hyde Park trat Missionar Horowitz wieder bei einer Versammlung im Freien für das angegriffene Christentum ein. viele erhoben auf seinen Vorschlag die rechte Hand, um sich für Gott und die Bibel zu entscheiden. — Lin Missionar tu Leeds wurde von zwei polnischen Juden gefragt, ob er ein Jude oder ein Christ sei. Lr antwortete: „Ich bin in der glücklichen Lage, beides zu sein." Jene meinten, das sei unmöglich. Aber der Missionarerklärte: „was bei Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich." „wie wurden Sie denn geboren?" lautete die weitere Frage. „Ich wurde als ein Kind geboren," erwiderte der Christ. „Aber Ihr Vater war ein Israelit?" „Ja, daher bin ich ein Jude, was die Volkszugehörigkeit angeht. Aber ich bin ein Christ mit Bezug auf den religiösen Glauben." Die beiden