Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13 soll auch das Leben der Einzelnen beherrschen. So findet sich denn Kol. 5 ebenso wie Eph. 5 f. eine Haustafel. Beide Briefe entstanden gleichzeitig. Das beweisen die vielen Übereinstimmungen in Inhalt und Form. Kol. H,f6 wird auf ein leider verlorenes Schreiben hingedeutet. Der kürzeste von allen paulinischen Briefen ist der auf den Titusbrief folgende, aber zu den Gefangenschaftsbriefen gehörige p hilemonbrief. Der Adressat war ein angesehener christlicher Mann in oder bei Kolossä. Ein ihm entlaufener Sklave, Onesimus mit Namen, hatte in Rom von Paulus das Evangelium gehört und sich der Kirche angeschlossen. Der Apostel sandte ihn aber zu seinem Herrn zurück. Das ebenso wie der Galaterbrief von Paulus eigenhändig beschriebene Papyrusblatt oder Pergament sollte dem Onesimus die Rückkehr erleichtern. Gewiß täuschte der Briefschreiber sich nicht, wenn er annahni, daß philemon an dem nunmehrigen Glaubensgenossen mehr tun werde, als Paulus gebeten hatte. Der philemonbrief, der noch vor dem Philipperbrief geschrieben wurde, löst die Sklavenfrage nicht in stürmischer Weise, sondern setzt voraus, daß da, wo Ehristi Geist herrscht, die Sklaverei von selbst aufhören werde. Die dritte Gruppe der Paulusbriefe besteht aus den ältesten Schreiben des Apostels: den beiden T h es s alonicherbriefen. Auf seiner zweiten Missionsreise hatte Paulus im jetzigen Saloniki eine Gemeinde gegründet. Nach seinem Abgang war dieselbe durch den Gedanken, die Wiederkunft Ehrististehe unmittelbar bevor, aufgeregt worden. Deshalb bedurfte sie einer Aufklärung und Beruhigung. So entstand der erste Brief, dem dann zur Ergänzung der zweite folgte. Beide zeigen, daß der Apostel in der mazedonischen Handelsstadt ebenso wie in Athen (Apg. Ehristum nicht nur als den Weltheiland, sondern auch als den Weltrichter gepredigt hat. Er wollte durch den Hinweis auf das Gericht die schlafenden Gewissen erwecken und erschrecken, um so der Botschaft von der gläubigen Annahme Ehristi, die vom Zorne Gottes errettet und zu einem heiligen Leben führt, den Weg zu ebnen. Der Abschnitt Thess. *(.,J(3 ff. verbreitet ein Helles Licht über die Nacht der Gräber. 2. Thess. 2 macht mit dem antichristlichen Vorläufer des Weltrichters bekannt. Vers 2 hören wir von gefälschten Briefen des Apostels. Die Abfaffungszeit unserer beiden Schreiben ist das Jahr 55, der Abfassungsort Korinth. Die vierte und letzte Gruppe der paulinischen Briefe bilden die Hirtenbriefe. Die beiden Briefe an Timotheus betreffen die gesunde christliche Lehre, das offene Bekenntnis des Glaubens und die Ämter, welche in der Einzelkirche zum Segen für die Gesamtkirche verwaltet werden. Der erste ist lehrhafter als der zweite, in welchem die Person des Briefschreibers inehr hervortritt. Der zweite gleicht einem angesichts des Todes abgefaßten Testament. Paulus war vordem Juli des Jahres 6\ aus seiner römischen Gefangenschaft entlassen worden unb hatte wieder weite ReisenzurAusbreitnng des Evangeliums unternonimen. In Ephesus hatte er als seinen Stellvertreter Timotheus zurückgelassen. An ihn schrieb er von Mazedonien aus im Jahre 66 den ersten, von Rom aus, wo inan ihn abermals gefangen gesetzt hatte, im Jahre 67 den zweiten Brief. Der Titusbrief, der dritte Hirteilbrief, hat einen ähnlicheii Inhalt wie der erste Timotheusbrief. Titus war auf Wunsch des Apostels bei dessen letzter Reise auf Kreta zurückgeblieben. Der an ihn gesandte Brief sollte ihn zu treuer Amtsführung anhalten und auch auf die Reise nach Nikopolis vorbereiten. In dieser von Kaiser Augustus zur Erinnerung an den Sieg von Aktium (3l v. Ehr.) erbauten Stadt am Ionischen Meer verfaßte Paulus den Titusbrief im Jahre 66. An dem Selbstzeugnis der Hirtenbriefe bezüglich der Verfasserschaft zu zweifeln, liegt kein triftiger Grund vor. Wenn die Sprache sich hier von derjenigen der übrigen Briefe unterscheidet, so bringt dies der Inhalt mit sich. Jeder Universitätslehrer, der über die Glaubenslehre und über das Kirchenrecht Vorträge hält, wird durch den verschiedenartigen Stoff in seiner Darstellungsweise beeinflußt. Bei Paulus sind aber auch äußere Umstände zu berücksichtigen: die Einwirkungen des zweijährigen Aufenthaltes in Rom und der ihm folgenden Reisen. Wie verschieden ein und derselbe Mensch in verschiedenen Zeiten feines Lebens schreiben kann, lehren z. B. Schiller und Göthe, wenn wir die Räuber mit der Braut von Messina, oder Götz von Berlichingen mit Iphigenie vergleichen, Äußere Zeugnisse. Anführungen aus dein Inhalt seitens der sog. apostolischen Väter oder ihrer unmittelbaren Nachfolger, stehen den Hirtenbriefen ebenso zur Seite wie den übrigen paulinischen Schreiben. ____ (Schluß folgt.) Pastor Adolf Zzneß, ein treuer Freund der Sache, welcher die D. E. dienen, wurde am \5. Dezember zu Düsseldorf geboren. Er besuchte das Gymnasium in Trier, wo sein Vater seit \8^ als Pfarrer, später als Regierungs- und Schulrat wirkte. Nachdem er in Tübingen und Bonn Theologie studiert hatte, bestand er in Koblenz \863 die erste, \865 die zweite theologische Prüfung. Dann brachte er p/4 Jahre im Wittenberger Predigerseminar und einige Monate in einem Lehramt in Paris zu. Hierauf war er an verschiedenen Orten als Hilfsprediger tätig, ehe er als dritter Prediger an der Hofkirche in Breslau angeftellL wurde. Am April \870 erhielt er die zweite Pfarrstelle in Traben an der Mosel, wo er die Kriegsunruhen miterlebte. Sechs Jahre später siedelte er nach Friedrichsthal bei Saarbrücken über. Ostern J886 wurde er zweiter Prediger an der Breslauer Hofkirche. Mit seiner Rückkehr nach Breslau entsprach er den Bitten der Freunde, die er bei feinem