Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 61 (1905)
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2555146-2555148--10323-2566566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hauptteil des zweibändigen Lukaswerkes, vor jenem Ereignis geschrieben. Das Evangelium nach Johannes, welches besonders viele Lobredner, aber auch besonders viele Gegner gefunden hat, ergänzt die 5 ersten Evangelien in mehr als einer Hinsicht. Zunächst erzählt es manches Neue. Johannes der Täufer, der hier nicht als Bußprediger, sondern nur in seiner Beziehung zu Jesus erscheint, gibt den Anstoß dazu, daß sich an diesen die ersten 5 Jünger anschließen. Bei einer Tempelreinigung, die Jesus nach dem Antritt seines Amtes vornimmt, weissagt er bereits von seinem Tode und seiner Auferstehung. In Jerusalem sucht ihn bei Nacht der Pharisäer Nikodemus auf. Im Lauf von 3 Jahren (vgl. Mat. 23,37) geschehen hier allerlei Wunder, und werden hier bedeutsame Reden gehalten. Zuletzt kommt der Heiland auch mit griechischen Tempelbesuchern in Berührung. Vor seinem Leiden wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße. Zu einer andern Zeit und an einein andern Ort hält er vor ihnen seine letzten Reden, und betet er das hohepriesterliche Gebet. Besonders die Auferweckung des Lazarus zeigt, daß die Geschichtsschreibung im Evangelium eine pragmatische sein, auf den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung hindeuten will. Aber die Hauptsache ist die eigentümliche Beleuchtung, welche der Held sämtlicher Evangelien hier empfängt. Im Anschluß an das Alte Testament und dessen Apokryphen, aber auch an Heraklit, Plato und philo redet der Verfasser von Jesu als dem persönlichen Wort und eingeborenen Sohne Gottes, in welchem das Licht der Menschen erschienen ist. Die % Teile unseres Evangeliums schildern den Aufgang des Lichtes, seinen Kampf mit der Finsternis, seinen Untergang und seine Wiederkehr. Wie seine Herrlichkeit (J, sich stufenweise offenbart, lehrt die Vergleichung von 2, \{ und m, HO mit \3, f. und \7, 5. Merkwürdig ist die Einfachheit der Darstellungsform. Gering ist der Wörtervorrat. Vom Glauben wird fast \00 mal, vom Erkennen mehr als 50 mal geredet. 80 mal wird das Wort Welt gebraucht. Zeugnis und Herrlichkeit kommen je fast 50 mal, Name und Wahrheit je fast 25 mal vor. Die Entwicklung der tiefsinnigsten Gedanken erfolgt kreisförmig. Der Verfasser denkt hebräisch, nicht griechisch. Er gebraucht auch gelegentlich hebräische Wörter, z. B. das Bestätigungswort Amen am Anfang eines Satzes. Da er einzelne übersetzt (Messias, Siloah) und auch jüdische Bräuche und palästinensische Ortsverhältnisse erklärt, so sind seine Leser keine Israeliten. Er selbst gehört dem religiösen und nationalen Verbände Israels nicht mehr an, da er ganz allgemein von „den Juden" berichtet. Er ist ein Augenzeuge von dem Auftreten des höchsten Offenbarere der von den Psalmen oft gepriesenen göttlichen Gnade und Wahrheit (\, ^H). Hierfür spricht auch die Gellauigkeit mancher Angaben. Er will durch seine Schrift zum Glaubell an dell Messias und hierdurch zunr wahren Leben führen (20, ,ZH. Das Nachwort läßt uns ill den: Verfasser den Lieblingsjünger Jesu, Johannes, erkennell (2\, 2H). Nach Irenäus gab Johannes sein Buch in Ephesus heraus, nachdem die anderen Evangelieli schon erschienen waren, und wünschte er mit demselben Irrlehren, wie die des Lerinth, zu bekämpfen. Nach Klemens von Alexandrien, der um das Jahr ^80 lebte, schrieb Johannes zuletzt ein geistliches Evangelium, als er sah, daß das Körperliche schon behandelt worden war, wobei er dell Bitten der Freunde und dem Antriebe des heiligen Geistes (vgl. ^,26) folgte. Aus späterer Zeit (von Eusebius) wird gemeldet, Johannes habe die Wahrheit der 3 ersten, überall, auch in Ephesus, verbreiteten Evangelien bezeugt, aber bemerkt, daß die Erzählung der zuerst vollbrachten Dinge fehle, und nun, einer Aufforderung gemäß, das H. Evangelium verfaßt. Nach Epiphanius war er damals bereits 90 Jahre alt. Anspielungen auf das Iohannisevangelium findet man bei Justin, Ignatius von Antiochien und Barnabas. Um M benutzte es der Gnostiker Valentin, dessen Schüler Herakleon den ersten Kommentar zu diesem Evangelium schrieb. Auch die Montanisten, christliche Schwärmer des 2. Jahrhunderts, kannten es. Später wurde es von dem Thristenfeind Telsus gebraucht. Also bestärken uns innere und äußere Gründe in der Überzeugung, daß der Lohn des Fischers Zebedäus und der Salome, einer Schwester der Mutter Jesu, der von dem Täufer zu dem Erlöser gewiesene Feuergeist, der ein samaritisches Dorf mit Feuer zu vernichten wünschte, einem Teufelaustreiber wehrte, einen Ehrenplatz im Gottesreiche erstrebte und dafür gerne Schweres leiden wollte, der bei der Auferweckllng eines Kindes, bei der Verklärung und beim Todeskampfe Jesu mit zwei andern Vertrauten zugegell war, der am Kreuz die Sorge für die Mutter des Herrn übernahm, der den Auferstandenen im Morgengrauell am galiläifchen Meere erkannte, der nach Pfingsten zu den Säulen der Argeineinde gehörte und im Jahre 67 Jerusalem verließ, um sich in Ephesus anzusiedeln, — daß dieser große Apostel das H. Evangelium geschrieben hat. Dasselbe war sein köstlichstes Vermächtnis für die Nachwelt: die reife Frucht eines von Gott ganz besonders ausgerüsteten Thristenlebens. Auf die Evangelien, bei deren Zahl Irenäus an die vier Himmelsrichtungen denkt, folgen die Taten der Apostel, wie der griechische Titel des fünften Geschichtsbuches lautet. Man kann diese Schrift als einen Siegespsalm zu Ehren des göttlichen Wortes ansehen und sie den in ihr hervortretenden Höhepunkten gemäß in vier Teile zerlegen (6, 7; \2, 2H; (9, 20; 28, 3\l Aber besser ist es wohl, die Weissagung \, 8 als das Thema zu betrachten, welches in zwei Hauptteilen ausgeführt wird, indem uns die Jünger Jesu als Zeugen ihres Meisters zuerst in Jerusalem, Judäa und Samaria ({---\2),