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Dibre Emeth · 1905-01-01 · 1 (1905) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
61 (1905)
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 hat (Eph. 6, 2). Da, wo er das zärtliche Verhältnis zu den Theffalonichern zum Ausdruck bringen will, das ihn mit jenen verbindet, sagt er, er sei mütterlich mit ihnen verfahren ({. Thess. 2, 7). Wenn ich recht zähle, sind es sechs Mütter, die im Neuen Testament unsere besondere Teilnahme und Aufmerksamkeit erregen. Allen voran steht Maria, die Mutter des Herrn, die reine Magd, wie sie in einem lieblichen Weihnachtsliede heißt. Luther hat in seiner Auslegung des Lobgesanges der Maria (Luk. \) die rechten Grenzen gesteckt, innerhalb deren Maria uns ein herzerquickendes Vorbild sein kann in Demut, Gottergebenheit und Reinheit. Welch ein keuscher Duft liegt über der Verkündigung durch den Engel Gabriel! Wie lieblich und anheimelnd ist die Familiengeschichte von der Geburt des Rindleins im Stall zu Bethlehem, wo eben doch Mutter und Rind im Mittelpunkt stehen! Denkwürdig ist die Schlußbemerkung: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewahrte sie in ihrem Herzen" (Luk. 2, (9). Wie vorbildlich ist ihr treues Suchen nach dem zwölfjährigen Iesusknaben, wie verständlich ihr stiller Vorwurf, wie ehrerbietig ihre Zurückhaltung vor ihrem wunderbaren Sohn! Und wiederum behält sie das Erlebte in ihrem Herzen (Luk. 2, 5h. Aber fällt nicht doch ein Schatten in das innige Verhältnis zu ihrem Sohn, nämlich auf der Hochzeit zu Rana (Ioh. 2)? Ganz und garnicht! In dem Worte Thristi, das uns so hart klingt, lag für einen antiken Menschen nichts Verletzendes. „Weib", so redete man auch Räniginnen an. „Was habe ich mit dir zu schaffen?" Darin liegt allerdings eine Zurückweisung, etwa dieses Sinnes: Ist meine Sache deine Sache? Daß aber nichts Rränkendes darin lag, ersieht man daraus, daß Maria gleich darauf zu den Dienern sagt: „Was er euch sagt, das tut!" Würde sie das gesagt haben, wenn sie sich beleidigt gefühlt hätte? Diese Erzählung bringt uns Johannes, der Jünger, den der Herr lieb hatte. Derselbe ist es auch, der uns das ergreifende Bild zeichnet: Maria unter dem Rreuz. Das war die Stunde, da das Schwert durch ihre Seele drang (Luk. 2, 35). Aber welcher Trost floß von den Lippen dessen, der sein ganzes Leben ein Tröster gewesen ist! „Weib, siehe, das ist dein Sohn!" Und zu Johannes sprach er: „Siehe, das ist deine Mutter!" (Ioh. (9, 26 f.) So sorgte der treue Sohn noch im Tode für seine Mutter, also lohnend treue Mutterliebe. Von dem Bilde eines zerrissenen Mutterherzens wenden wir uns zu einem Bilde strahlenden Mutterglückes. Jesus sitzt müde von der Wanderung und vom Predigen am Wegesrand. Da nahen sich ihm ein paar Mütter, um das Liebste, was sie haben, ihre Rleinen, unter die freundlichen Strahlen seines Segens zu stellen. Die Jünger wollen sie daran verhindern, da ihr Meister jetzt der Ruhe bedarf. Aber Jesus herzt und küßt die Rleinen: „Lasset die; Rindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, j denn solcher ist das Reich Gottes." (Mt. (Y, (3ff.) > Das ist das Beste, was Mutterliebe vermag: die! Rindlein denn großen Rinderfreund, den: Heilande, | zuzuführen. Der kann sie ja besser schützen und behüten, als auch die treueste Mutterliebe. Aber wehe, dreimal wehe der Mutter, die ihr Rind zum Bösen verleitet! Im Neuen Testament steht eine solche Fluchgeftalt, eine hochgestellte Frau, eine Rönigin. Es ist herodias, des herodes Antipas Gemahlin, vorher die Gattin eines anderen, und der andere, Philippus, des herodes Bruder, lebte noch. Eines Tages kommt Johannes der Täufer an den Rönigshof. Er tritt mit dem heiligen Zorn eines Propheten hin vor das ehebrecherische paar und sagt ihnen ins Gesicht: „Was ihr tut, das ist Sünde!" Von Stund an trachtet herodias nach dem Leben des unbequemen Mannes. Die Gelegenheit sindetsich. herodes verspricht im Sinnentaumel der Tochter der herodias die Hälfte des Rönigreiches. Die Tochter fragt die Mutter um Rat, was sie fordern soll. „Das Haupt des Täufers auf einer Schüssel!" Was weiter geschah, ist bekannt. (Mt. {% \ ff.) Das war auch eine Mutter. Von ihr gilt das Wort Luthers: „Sie hat sich an ihrem Rinde die Hölle verdient." Ihr steht eine andere gegenüber, die wollte ihren beiden Söhnen den Himmel erwerben, ja, noch mehr: zwei Ehrensitze rechts und links vom Herrn. Es ist Salome, die Mutter von Johannes und Iakobus. Jesus hat die Bitte zurückgewiesen mit dem Hinweis darauf, daß nur Gott Ehrenplätze im Himmel zu vergeben hat. Aber er hat doch die Mutter nicht gescholten. Er sah doch in der törichten Bitte wie hinter einer dünnen hülle das liebende Mutterherz, und das hat er stets geehrt. (Mt. 20, 20ff.) Und nun noch eine bittende Mutter. Jesus wandelt mit seinen Jüngern im einsamen Norden Palästinas, offenbar, um einmal allein zu sein. Aber das gelingt ihm nicht. Eine Frau, eine Heidin war's, erkennt ihn und schreit ihm nach: „Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!" Warum ruft sie denn so kläglich? Natürlich nur für ihr Rind. „Meine Tochter wird vom Teufel übel geplagt." Aber der Herr läßt sie schreien und stellt sich taub, ja, schließlich gebraucht er ein sehr scharfes Wort, so daß Luther sagt: „Da wäre ich stracks von dannen gelaufen." Die Frau läßt sich aber durch nichts abschrecken. Sie besteht die schwere Probe, und Jesus heilt ihre Tochter. Was hat denn das Weib so stark gemacht? Die Mutterliebe ist's gewesen und nur diese. Diese ließ sie alles glauben, alles hoffen, alles dulden. (Mt. (5, 2(ff.) Zum Schluffe noch eine betrübte und getröstete Mutter. Ein Trauerzug bewegt sich aus Nains Tor durch die blühende Landschaft. Sie tragen einen Toten heraus, den einzigen Sohn einer Witwe! „Das Lied, es folgt nicht weiter, des Jammers

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