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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 4 (1904) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
4 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 solange durch jene StiicFc papicr zugleich der Reichtun: und die Ehre der Regierung dargestellt werde". Den zweiten Bekannten traf der Erzähler an dem gleichen Tage in einem Armenhause. Auch er rühmte sich, ein Millionär zu sein. Er sagte: „Die Leute nennen mich einen Bettler, aber ich besitze Millionen". Mit diesen Worten hielt er in seiner abgemagerten und zitternden Hand eine Bibel empor, welche offenbar viel gebraucht worden war. „In diesen: Buch", fuhr er fort, „sind mehr als 5000 teure Verheißungen enthalten. Ich würde nicht eine derselben für 50 000 Dollars in Regierungsbonds umwechseln. Die Bonds müßte ich in einigen Jahren doch zurücklassen. Diese Verheißungen aber werde ich mit mir nehmen, wenn ich sterbe, und sie in jenem Lande einlösen, in welchem es keinen Tod inehr gibt. Diese Bonds sind von dem ausgegeben worden, der nicht nur die Erde, sondern alle Sterne des Fimmels und alle Welten des Universums besitzt". Beim Rückblick auf die beiden Besuche kam der Erzähler zu dem Schluß, daß er lieber der Millionär im Armenhause als der im Palast fein möchte. Beide waren im Glauben reich. Aber der Glaube ruhte bei dem einen auf menschlichen Versprechungen, bei dem andern auf göttlichen Verheißungen. Man kann doch tausendmal mehr Gott vertrauen als der besten Regierung. Gottes Reichtum ist unbegrenzt, | seine Macht unbeschränkt, sein Wort unumstößlich, seine Liebe unendlich. Was schadet es, daß ich ein Bettler genannt werde, wenn ich reich bin in Gott? Der ist bei allem irdischen Reichtum der größte Bettler, dessen Seele diesen Reichtun: entbehrt, der keinen Besitztitel hat auf ein Erbe jenseits des Todes und des Grabes, der von der Hoffnung auf die Herrlichkeit nicht erleuchtet und erwärmt wird. Unter den Abschnitten aber, in denen die Bibel von dieser Herrlichkeit handelt, stehen die neutestamentlichen oben an. Wie köstlich sind insonderheit die Verheißungen aus dem Munde Jesu, die uns hier mitgeteilt werden I Er, der erhabenste von allen Gesandten Gottes, verkündigte auch die allerglaubwürdigsten Zusagen des himmlischen Vaters. Wäre bei den andern Aussprüchen ein Zweifel berechtigt (tatsächlich ist er auch bei ihnen nicht berechtigt), so hätte er jedenfalls keine Spur von Berechtigung bei den Worten Jesu, des göttlichen Messias. Niemand kann zu schänden werden, der auf diese Worte sein Vertrauen setzt. Jnt Psalm 2, 4. In Bruckberg bei Ansbach lebte von \857— 60 der Philosoph Ludwig Feuerbach, von dem seine Anhänger nach seinem Tode rühmten, er habe die Gottheit gestürzt, den Himmel in Scherben geschlagen und die Hölle mit den Trümmern ausgefüllt. Er selbst erklärte: „Das Beste an Bruckberg ist, daß es hier keinen Pfarrer und keine Kirche gibt." Heutzutage wirken an diesen: Ort evangelische Diakonissen, und ihre Arbeit übt einen segensreichen Einstuß aus. Als vor einigen Jahren eine von Feuerbach benutzte, morsch gewordene Bank in: Walde durch eine neue ersetzt wurde, stimmte man hierbei das Lied an: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'!" Dieser Gesang ertönte wie ein Siegeslied des Glaubens gegenüber dem Unglauben. Jtt Jes. 28,10 (U. 118,22). Nach einer chinesischen Sage mußte die Göttin Ny-fo einmal den Himmel ausbessern. Hierzu waren 56 500 Steinblöcke erforderlich. Lin weiterer Stein, den die Göttin ausgewählt hatte, wurde nicht mehr benutzt. Weil er aber durch ihre Hände gegangen und für den Himmel bestimmt worden war, verwandelte er sich in ein lebendes Wesen. Als ein solches wanderte der Stein umher. Er klagte über sein trauriges Los und rief: „Warum wurde ich allein als unbrauchbar erfunden, während alle andern Steine einen herrlichen Beruf empfangen haben?" Ein Buddhist versah ihn mit einer Inschrift, um seinen Wert zu erhöhen. Endlich erreichte der Stein die Wohnungen der Unsterblichen. Diese nahmen ihn freundlich auf und wiesen ihm ein rotes Gemach als Wohnung an. Am Strome der Unsterblichkeit fand der Stein eine rote Blume. Er erquickte sie täglich mit süßem Tau, so daß sie immer schöner wurde und endlich ihre Pstanzennatur abstreifte, um sich in ein herrliches Weib zu verwandeln. Aber jetzt verbarg sich der Stein vor ihr. Vergeblich suchte sie ihn an der Himmelsquelle und im Himmelsgarten. „Ach, wenn er doch auch ein Mensch würde!" seufzte sie. „Dann würde ich zu ihm gehen und an seinem Herzen mein Leben ausweinen". — Auch der Islam kennt einen lebendigen Stein. Die Kaaba in Mekka birgt einen Stein, der nach dem Glauben der Muhammedaner eigentlich ein Engel ist. Daß der von Gott in Zion gelegte Grundstein lebt, wird Petri 2, ff. gelehrt. In Jes. 41, 6. Vermutlich lehnt sich an diesen Vers der Brauch an, daß man in den Synagogen bei der Vorlesung der 5 Bücher Moses am Ende eines jeden derselben dreimal ruft: „Cliasak!" Auch die im Pentateuch erzählten göttlichen Offenbarungen können uns stärken und ermutigen. Aber noch viel lauter ruft uns die von Iefaia geweiffagte und nun schon längst geschehene messianische Erlösung zu: „Sei stark! Sei getrost!" __ 3u »out. 6, 3—10. Welche tiefgreifende Bedeutung die christliche Taufe hat, schildert Eyprian, der Bischof von Karthago, der i. I. 258 den Märtyrertod erlitt,

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