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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 4 (1904) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
4 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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28 bitterste Not gebracht, heute aber sind wir glücklich wieder beisammen, ja, glücklicher als je zuvor. Und nun willst Du heute abend hier in öffentlicher Versammlung diese Religion, die den Gefallenen nachgeht und sie wieder aufrichtet, die den Verzweifelnden neuen Mut und neue Hoffnung einflößt, die auch leiblicher Not nach Kräften steuert, verwahrlosten Rindern ein heim, einem armen, vergrämten Weibe ihren Mann und Ernährer zurückgibt, diese göttliche Religion willst Du verdächtigen und in den Staub ziehen? Und was bietest Du statt ihrer?" Dies Schreiben erreichte seinen Zweck. Der angekündigte Vortrag fand nicht statt. Oberst Zngersoll verlas vor den Leuten, die ihn hatten hären wollen, den Brief des Juristen und fügte dann nur noch folgende Worte hinzu: „Meine Damen und Herren! Gegen eine Religion, die solches ausrichtet, habe ich nichts zu sagen". — Wenn jeder, der den Christenglauben als eine Gotteskraft kennen gelernt hat, hiervon Zeugnis ablegen würde, dann müßte mancher freche Mund verstummen, und manche gottlose und antichristliche Rede bliebe ungehalten. Aus Moga-or. Zn allen Mellahs (Zudenvierteln) von Marokko wird der 53. Omertag als das Fest von Rabbi Simon Bar Zochai seit alter Zeit in lärmender Weise gefeiert. Abends versammeln sich seine Verehrer, um einige Bände des Soharbuches in buntfarbige, seidene Tücher zu wickeln, mit Federn zu schmücken und durch die Straßen zu tragen. Andere nehmen an diesem Umzuge als Laternenträger teil. Noch andere tragen bei demselben Blumensträuße. Auch eine Musikbande gehört zum Zuge. Frauen begleiten die Menge mit dem Freudenruf: „Zo, jo!" An den Straßenecken macht man halt. Die Freunde Simons tanzen mit ihren Büchern umher und machen hierbei ein Geschrei, als wenn sie von bösen Geistern besessen wären. Die Bewohner der Häuser bringen ihnen Mahia (Branntwein) und Geld zu Ehren von Rabbi Simon. Dieser Umzug dauert bis spät in die Nacht. Zn derselben Zeit des Zahres werden Pilgerfahrten an die Gräber berühmter Rabbiner unternommen. Die Zuden von Mogador wandern zu dem Grabe von Rabbi Nessim in Alt Baiud; die von der Stadt Marokko erweisen dem Rabbi Salomo Ben Lahmesch, der im Atlas begraben liegt, die gleiche Ehre; die von Tasablanka und Mazagan besuchen das Grab von Rabbi Ben Zineru in Saffi; die von Fez, Mequinez und Tangier (Tandscher) feiern das Gedächtnis der Rabbiner von Wazzan. So beherrscht der Aberglaube ganz Marokko. Zsrael betet nicht zu Gott, sondern zu toten Menschen (Zes. 6, ]?)). Zn einem Gespräch über den Götzendienst dieser Wallfahrten sagte Missionar Zerbib in Mogador seinen jüdischen Zuhörern: „Sooft Zhr Eure toten Rabbiner auruft und ihre Gräber beleuchtet, zieht Zhr Flüche auf Euch herab". Er berief sich hierfür auf Zer. .(7, 5. Derselbe Missionar mußte kürzlich Zeuge davon sein, daß auch die Nähe des Todes nicht den Bann des falschen Glaubens zerriß. Ein Zude, mit den: er oft über das Evangelium geredet hatte, wurde gefährlich krank. Als Zerbib ihn besuchte, rief der Kranke: „Zch habe kein Verlangen, die Geschichte von Zesu oder vorn Kreuz zu hören". Der Missionar konnte ihn nur in stillem Gebet der göttlichen Barmherzigkeit empfehlen. Zwei Tage später starb der Sohn Zsraels. Zurzeit werden die Wege in Marokko von Räubern unsicher genracht. Die Statthalter sind nicht imstande, diese Banden zu unterdrücken. Einzelne wurden sogar selbst ermordet. Das widerfuhr z. B. dem Gouverneur von Demnat, den ein Fanatiker in der Moschee tötete, und dessen Haus von den Aufständischen geplündert wurde. Trotz alledem kommen auch jetzt einzelne Zuden aus dem Znnern nach Mogador, wenn sie sich einer großen Karawane anschließen können. Einem solchen, dessen Heimat Sus war, legte Zerbib ein Neues Testament vor. „Sie sollten sich dies Buch kaufen und lesen", sagte er, „damit Sie den Messias, den Sohn Davids, kennen lernen und ihm Zhr Herz schenken". Der Mann erwiderte: „Sie sind kein Zude und sprechen doch wie ein Rabbiner aus Zerusalem". Zerbib bemerkte hierauf: „Zch spreche wie ein Zünger des Messias. Zch würde mich freuen, wenn Sie Zesu von Nazareth, dem Sohne Davids, dem Heiland der Sünder, angehören würden". Der Zude hatte schon von dem Missionar gehört und freute sich, dessen Bekanntschaft zu machen. „Zch habe lange gewünscht, etwas von diesem neuen Glauben zu erfahren", sagte er. Aber Zerbib antwortete ihm: „Unser Glaube ist nicht ein neuer. Er stammt aus der Zeit Abrahams, Zsaaks und Zakobs. Vielmehr habt Zhr Euch mit Euren Rabbinern von Mose und den Propheten entfernt und verirrt". Der Zude gab schließlich zu, daß die christliche Religion keine neue ist, und daß die Bibel und die Wahrheit auf ihrer Seite stehen. Er kaufte dann ein Neues Testament und versprach, es aufmerksam zu lesen und mit dem Alten Testament zu vergleichen. Zu Jolj. 3, 3 ff. Der bekannte Engländer Georg Whitefield, gestorben \770, schrieb einst an seinen Freund Benjamin Franklin: „Zch finde, daß Sie immer berühmter in der Welt werden. Da Sie große Fortschritte in bcn Mysterien der Elektrizität gemacht haben, so möchte ich Zhrem fleißigen, vorurteilsfreien Streben und Forschen das Mysterium der neuen Geburt deinütig anempfehlen. Es ist ein sehr wichtiges

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