Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 4 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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Neuen Testaments. Auch manche spätere jüdische Lehrer haben sich zu ihr bekannt. Jonathan Eibeschütz, der \76^ als Oberrabiner in Hainburg starb, erklärte mit nicht ganz zutreffenden Worten: „Der höchste Gott, die erste Ursache, steht mit dem Weltall in keiner unmittelbaren Verbindung, sondern eine zweite Person in der Gottheit, der Gott Israels genannt, hat die Welt erschaffen, das Gesetz geoffenbart" usw. Ein Freund von Eibeschütz aber, der Kabbalist Nehemia Ehajon, trat öffentlich für die Dreieinigkeitslehre auf. — Gegen diese Lehre werde ich immer ankämpfen. — Tun Sie das nicht I Im Buch Esther (8,8) heißt es: „Die Schrift, die in des Königs Namen geschrieben und mit des Königs Ring versiegelt worden, durfte niemand widerrufen." Dort handelte es sich um den Perserkönig Ahasveros (^erxes). Am allerwenigsten aber darf man es wagen, sich gegen die Schrift zu erheben, welche der König aller Könige, der allmächtige Gott, in seinem Namen hat verfassen und mit seinem Ringe hat beglaubigen lassen. 2. Die Mission befaßt sich nur mit unserm Abschaum. Es sind nur jüdische Landstreicher, an denen sie arbeitet. — Wäre dies wirklich der Fall, so könnte man sich auch dann ihrer Tätigkeit nur freuen. Ist es nicht herrlich, wenn ein verkommener, Liefgesunkener Mensch wieder zu einem ordentlichen Mitglied dermenschlichenGesellschaftgemachtwird? — Aber der Eharakter solcher Leute ändert sich ja nicht, wenn sie übertreten. — Jeder rechte Missionar sucht eine wirkliche Änderung herbeizuführen. Einer derselben sagte im Einblick auf die Rettung Verlorener: „Das Ehristentum ist der wahre Stein der Weisen, der wertlose Stoffe in Gold verwandelt, der den Bettler aus dem Staub erhebt, um ihn unter die Fürsten zu setzen, daß er den Thron der Herrlichkeit ererbe." Aber Sie irren sich mit der Annahme, daß nur solche Personen, die sonst nichts erreichen können, zum Ehristentum übertreten. — Nennen Sie mir geistig hervorragende Konvertiten! — Ich kann Ihnen eine ganze Anzahl nennen, und wenn Sie mich mit Ihrem Besuch beehren, kann ich Ihnen ein ausführliches Verzeichnis von denkenden Israeliten vorlegen, die durch lautere Beweggründe geleitet wurden und ein inneres Bedürfnis befriedigten, als sie sich der Kirche anschlossen. — Von diesem Bedürfnis habe ich noch nie etwas verspürt. — Es gibt ja auch Menschen, die kein Bedürfnis haben, sich leiblich zu waschen. Sie werden aber nicht behaupten wollen, daß ein Freund der Unsauberkeit ein Mensch in seiner Vollendung sei. So ist man auch ein unvollständiger Mensch, solange man einer geistigen Abwaschung nicht zu bedürfen meint und die Reinigung, die uns der Messias darbietet, verschmäht. — Wer fragt heutzutage noch nach dem Messias? — Von Safed, wo etwa \5 000 Juden leben, und in dessen Nähe (nach Westen hin) sich der Dschebel Dschermak, der höchste Berg Palästinas, erhebt, las ich, daß dort bei manchen Altgläubigen eine heiße Sehnsucht nach dem Messias zu Tage trete. Dieser wird nach ihrem Glauben bei Safed erscheinen. Morgens öffnen sie ihre Fenster nach der Seite hin, von welcher er erwartet wird, um dann besondere Gebete, in denen von ihn: die Rede ist, zu sprechen. ff— Aber ich rede nicht von Palästina. Ich denke an Österreich. — Auch in Österreich fehlt es nicht an Israeliten, die einen Sonnen.hunger haben, die sich nach der von Maleachi geweissagten Sonne der Gerechtigkeit und des Heils, dem Messias, sehnen. — Woher wissen Sie das? — Aus dem Verkehr mit Gliedern der Synagoge und aus den Mitteilungen anderer. Es sind ja zwei Bücher da, welche jene Sehnsucht inmitten Israels wecken und nähren. —- Was sind das für Bücher? — Das Alte Testament und das jüdische Gebetbuch. Kennen Sie denn diese Bücher so wenig, daß Sie von ihren hindeutungen auf den Messias nichts wissen? — Das Leben stellt jetzt so viele Anforderungen. Da bleibt für religiöse Dinge keine Zeit übrig. — Abe-r von der Religion hängt Ihr Lebensglück ab. Nehmen Sie sich die Zeit, vor allem in der Bibel, im Alten, aber auch im Neuen Testament, zu lesen! — Dann müßte ich mich für die Bibel interessieren. Dies ist aber nicht der Fall. — Lesen Sie die Bibel, auch wenn Sie jetzt noch kein Interesse für dieselbe hegen! Das Interesse kann kommen, wenn Sie sich erst einmal mit dem Buch der Bücher beschäftigen. Aber lesen Sie betend! Nur den Demütigen gibt Gott Gnade. Der demütige Beter dringt immer tiefer in die Geheimnisse des Wortes Gottes ein. — Verstehen würde ich die Bibel wohl auch ohne Gebet. — Nein, das würde Ihnen nicht möglich sein. Wenn Sie mit einer Laterne in die Nacht hinausgehen, so wird diese nur in Ihrer nächsten Umgebung ein wenig erhellt. Anders ist es schon, wenn Mond und Sterne vom„Himmel ihre Strahlen senden. Aber die völlige Überwindung der Nacht führt erst die Sonne herbei. So reicht das natürliche Geisteslicht gegenüber? der Bibel nicht aus. Wir verstehen diese erst, wenn Gott uns mit seinem Geist erleuchtet. Diesen Geist sollen wir uns erflehen. Wer ist Jesus? \. In einem verborgenen Erdenwinkel, im Auellgebiet des Jordans, hat Jesus selbst im Kreise seiner Vertrauten die Frage gestellt: „Wer saget ihr, daß ich sei?" Aber sie ist dann an die Öffentlichkeit gedrungen, und sie dringt immer wieder auf den Markt des Lebens. Für alles andere muß man Reklame machen, die Trommel rühren. Die Frage nach der Person Jesu Lhristi bedarf es nicht, daß sie durch menschliche Macht in den Vordergrund gerückt werde. Sie hat in sich die Kraft, daß sie im Geistesleben der Menschheit an die entscheidende