Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 3 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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23 reden, Hab ichs sehr gerne, daß solcher Art Bücher wider mich geschrieben werden, denn es tut mir nicht allein im Herzen, sondern auch in der Aniekehle und Fersen sanft, wenn ich merke, daß durch mich armen, elenden Brenschen Gott der HTrr beide, die höllischen und weltlichen Fürsten, also erbittert und unsinnig macht, daß sie vor Bosheit sich zerreißen und zerbersten wollen und ich dieweil unter des Glaubens und des Vaterunsers Bchatten sitze und lache des Teufels und seiner Bchuppen in ihrem großen Zorn, jDlerren und Zerren, damit sie doch nichts ausrichten, ohn daß sie ihre Bache täglich ärger und meine (das ist Gottes) Bache fördern und bester machen. Und wenn sie es können leiden und verstehen, wollte ich ihnen dafür gedankt haben und bitten, daß sie ohn Unterlaß solche Bücher wider mich schrieben, solch Zerren und jDlerren trieben samt allen Teufeln in der Hölle. Wie könnt ich sie besser plagen? Denn davon werde ich jung und frisch, stark und fröhlich. Luther. Zum Nachdenken. Ich habe mich auf allen Gebieten der Wissenschaft, der Geschichte, der Natur wie der Kunst umgesehen und darin das Eitle, Törichte und haltlose erkannt. Die heilige Schrift aber hat mir allein wahrhaftiges und Reales geboten, weshalb ich mich auch von nichts anderem bestechen und blenden ließ; sie bildet und veredelt den Menschen für die Ewigkeit. Ich hätte auch den Verstand gehabt, es zu einer wissenschaftlichen Größe zu bringen, habe mich aber in solchen Bestrebungen beschnitten, worin andere sich kultivieren, um sich einen Namen zu machen. Viele haben auf mich herabgesehen, ich aber habe sie im Licht göttlicher Weisheit übersehen. (I. T. Beck.) 2. Unter vieler Mühe muß der Glaube alle vier Spezies lernen. Zuerst Addieren, indem er zu jeder Not und Verlegenheit den allmächtigen Gott hinzuzählt. Da kommt eine Summe heraus, daß das b)erz ruhig wird. Line Hauptkunst ist das Subtrahieren, das der Glaube lernt. Denn in jeder Trübsal zieht er ab den morgenden Tag, der für das Seine sorgen wird. Und wenn der Christ nur fünf Brote und zwei Fische hat, und er multipliziert sie int betenden Glauben mit dem Segen Gottes, so kommt allemal heraus: „Sie wurden alle satt." Endlich muß er auch Dividieren lernen, wenn nämlich der Glaube in alles, was ihm widerfährt, hineindividiert mit der Stelle: „Eins ist not", so kommt heraus die selige Wahrheit, daß ihm alle Dinge zum Besten, zur Seligkeit dienen müssen. (M. Fromme!.) 3. Damit der Mensch eine erhabene Gesinnung sich erhalte, seine Gedankett von dem Zeitlichen auf das Ewige richte, mit einem Worte, damit das bessere Bewußtsein rege sei, ist ihm Schmerz, Leidet: und Mißlingen so notwendig, wie dem Schiffe der es beschwerende Ballast, ohtie welchen es keitte Tiefe erreicht, ein Spiel der Wogen utld der Winde wird, keinen bestimmtett weg geht und leicht umschlägt. (A. Schopenhauer.) Aus Miefen von WWonsfrennden. Auch ich lebe der Hoffnung, daß die Juden noch den weg zum Vater im Fimmel werden zurücksinden; Gott darf, Gott will, Gott wird sie it'ibt lassen. Sie sind doch auch unsterbliche Seelen, berufen, ins Reich Gottes einzugehen. Gelegentlich meines Aufenthalts in Deutschland lernte ich einen ehemals jüdischen, jetzt chriftlichell Missionsarzt aus Lottdon, vr. G., feit nett und mußte staunen, wie tief ihn Gott in die Wahrheit des Evangeliutns geführt hat. Nur Gott selbst kantt Israel erlösen, indettt Er Sich seiner erbarmt, die Kerzen durch Seinen heiligen Geist erleuchtet und bekehrt. wenn nur unsere Evangelischett selber mehr vom heiligen Geist erfüllt wäretl und so schon durch ihr Dasein den Juden eine lebendige predigt sein könnten! Daran fehlt es leider zu sehr. Unsere evattgelische Kirche kennt in der Gegenwart leider zu wenig den Geist der Wiedergeburt und Bekehrung, zu wenig deti heiligen Geist, wie er im mettschlichen Herzet! wohnen und von diesem aus das ganze Leben durchdringen will. Die meistett Ehristett haben ihr Herz zwischen Gott und der Welt geteilt und können daher keine Tempel des göttlichen Geistes werden. Daß dieses bald geschehe und dadurch atrch die Mission unter Israel mehr Segensfrucht schaffe, das ist mein herzliches Gebet. Jeden Morgeti von 1/2C) bis 9 Uhr bewege ich Siefen Gedanken mit einigen anderen Brüdern weit und breit, die die gleiche Sehnsucht haben, im Gebet. Besonders erwartett wir auch für (Österreich einen ettgeren Zusammenschluß aller bewußten Gotteskinder, wie er z. B. in Deutschland in Gestalt der Gemeinschaften schon lange im Segen wirkt. M. M. wie gerne möchte ich ntehr in der Iudetrmissiott tätig sein, aber die Diasporaarbeit und die Sorgen um die materiellen Nöte ließen es wenig zu. Ich verteilte die „Dibre Emeth", wenn ich fuhr, im Zuge. Einmal hatte ich eine interessante Unterredung mit einem Mediziner aus Wien, den: ich mit einem ganzen Jahrgänge dienen konnte, und den ich auf Sie verwies. Er war ein Materialist, gab aber zu, daß die religiöse Frage nicht aus der Welt geschafft werden wird, solange es noch einen Menschen geben wird. Der Mensch hat ein Seelenbedürfnis und kann nicht eher ruhen, als bis er in Gott ruht. In unfern Bibelstunden besprechen wir dieses Jahr alttestamentliche Männer und Frauen Gottes. In f>. besucht diese Bibelstuuden regelmäßig eine jüdische Frau, die herzliches Interesse kundgibt. Ich gab ihr ein Neues Testament und „Israels Hoffnung". Mit der Bitte um eine neue Nummer kam sie zum letztenmal. Dürfte ich für sie um „Dibre Emeth" oder ein anderes Schriftchen für Juden bitten? F. p. Zur Iudenfrage. In den kürzlich veröffentlichten Lebenserinneruttgen des früheren preußischen Kultusministers Vr. R. Boffe sindeti sich folgende Urteile aus dem Jahre j(880 über die antisemitische Bewegung: „wohinaus soll es eigentlich mit der unter Stöckers Führung in Szene gesetzten Antijudenagitation? Was soll und kann damit schließlich erreicht werden? Die Juden werden dadurch schwerlich bescheidener werden, und in dem ganzen antisemitischen Treiben fehlt das Beste, nämlich Gerechtigkeit und wirklich erbarmende Menschenliebe gegen die Juden. Die politische Emanzipation der Juden ist nicht rückgängig zu macheti. Der einzige Weg zu einer Lösung der Iudenfrage wäre doch nur eine Massenbekehrung Israels. Das weist auf die Iudenmission hin. Aber für große geschichtliche Erfolge ist jetzt, soweit Menschenaugen sehen, die Zeit noch nicht gekommen." „Auch wenn man von dem jetzt üblichen, sittlich und christlich garnicht zu rechtfertigendett Fanatismus der Antisemiten absieht, sind deren Forderungen uugeschichtlich, unpreußisch, politisch utterfüllbar. Stöcker hätte das Hauptgewicht auf die von ihm zuerst an die Juden gerichteten beiden Aufforderungen legen sollen: Etwas bescheidener und etwas toleranter!" Juden und Keideu. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß Gott Juden und Heiden zusammettführte, sooft Israel etwas besonders Wichtiges erlebte. Die Stiftshntte hätte ohne das Gold und das Silber der Egypter nicht gebaut werden können. Rahab, die Kanaaniterin, half Israel bei der Eroberung Jerichos und wurde wie Ruth, die Moabiterin, der königlichen Linie Judas ^eiuverleibt. Mhne die Arbeiter des Königs von Tyrus hätte der Tempel nicht gebaut werden können. Auf die Aufforderung des Perserkönigs Eyrus begannen die Juden vott ihrer 70 jährigen Knechtschaft in Babzllon zurückzukehreu. Auf Befehl des egyptischett Königs ptolemäus philadelphus gäbet: die jüdischen Schriftgelehrtet: der Welt die griechische Übersetzung des Altet: Testamentes, die als die Septuaginta bekannt ist. Auch das