Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 3 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Are uz Lhristi vereinigte Juden und Heiden. Der römische Statthalter Pilatus fällte das Todesurteil auf Verlangen des Kaiphas und des Hohenrats. Ein jüdischer Räuber, der au dem einen der beiden andern Areuze hing, flehte: „Gedenke au mich, wenn du in dein Reich kommst!" Der heidnische Hauptmann aber bezeugte: „wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!" Das jüdische Volk gab unter Gottes Leitung der Welt jenes herrliche Evangelium, welches die Heiden jetzt weithinaus verbreiten dürfen. (The J. Miss. Advocate.) Meter Rosegger über die heilige Schrift. Das Volksleben vieler Gegenden Deutschlands utld der Schweiz hat eine Eigentümlichkeit, die wir nicht kennen. In Bauern- und Bürgerhäusern kommt es dort vor, daß des Abends die Familie sich zusammeusetzt, und aus der Bibel vorgelesen wird, wo man diese Sitte nicht kennt, hat man keine Ahnung davon, wie sehr diese Lektüre in den verschiedenen Lagen des Lebens das Herz stärkt. Manche Airche ist auf das Bibellesen nicht sehr erpicht, weil sie stets fürchtet, daß es nicht in ihrem Sinne verstanden werden könne. Ich kann aber nicht müde werden, mein Leben lang auf das Evangelium hinzuweisen. Wir in Österreich, wo dies heiligste aller Bücher brach liegt, ahnen nicht, was darin enthalten liegt, wie es die leidenden, ringenden, trostlosen Menschen ermutigt, erhebt, befreit, wir legen uns nach des Tages Arbeit sorgenvoll zu Bette; deun was wir wollten und sollten, haben wir selten erreicht, und morgen beginnt neuerdings die Hetze, der Kampf ums Dasein. Wie, wenn uns einfiele, abends zu jenem unsterblichen Buche zu greifen, das das Neue Testament heißt, um ein oder das andere Kapitel daraus zu lesen, laut im Kreise der Unfern zu lesen und darüber zu sprechen? Wie würde das so manche finstere Wolke zerstreuen, wie würden wir unser Sein und Sollen mit anderen Augen ansehen, wie würden wir über das Geschick herrschen, anstatt von ihm beherrscht zu werden! Ich weiß Familien, die auf meinen Rat es sich angewöhnt haben, allabendlich ein Kapitel aus der heiligen Schrift im Kreise zu lesen und darüber zu reden. Einer dieser Hausväter schrieb mir, man glaube garnicht, wie sehr der ganze Mensch in diesem Buch enthalten sei, wie sehr dies alte Buch den weltblick auch heute schärfe, wie sehr es ruhig und kraftvoll mache, wie sehr das Neue Testament das Buch sei, das uns in allen Religionswirren erleuchte. Freilich müsse man sich nicht in den Kopf setzen, immer just alles verstehen zu wollen. Dieser Mann hat mir mit wenigen Worten viel gesagt und meine Meinung bestätigt, daß trotz aller reichen Litteratur es kein Buch gibt, das eine so gewaltige, fittigende Kraft hat, wie das Evangelium. Die Lesehungrigen, die nie und von nichts mehr befriedigt werden können, wie wäre es, wenn sie einmal zu diesem Buche greifen würden? Für die einen wäre es eine selige Erinnerung aus der Kiuderzeit, für die andern eine — Novität! Und sie würden staunen, zu finden, daß die Bibel der Brennpunkt aller alten und neuen Literatur ist! Jüdische Hhronik. In Berlin wurde am 24. April der schon lange geplante Verband der deutschen Juden gegründet. Derselbe will alle den letzteren gemeinsamen Interessen vertreten. — In Bonn besteht seit kurzem unter dem Ehrenvorsitz des Rabbiners Vr. Kalischer ein „Israelitischer Jünglingsverein", welcher hauptsächlich den Zweck verfolgt, unter der reiferen Jugend Bibelkeuutnisse zu verbreiten. — Bei der Beerdigung des Generalmusikdirektors Lassen, eines Israeliten, fand eine eigentümliche Leichenfeier auf dem Friedhof zu Weimar statt. Der Opernregiffeur des dortigen Hoftheaters hielt am Grabe zunächst eine Gedächtnisrede und betete hierauf das Gebet, welches Jesus seine Jünger gelehrt hat. Lassen hatte ausdrücklich gewünscht, daß nur dies Gebet bei seiuer Beisetzung,gesprochen werden möchte. — Eine kinderlose jüdische Witwe in (Österreich wünschte wieder in die Ehe zu treten. Sie zahlte deshalb dem überlebenden Bruder ihres Mannes auf sein verlangen 8000 Kronen für die Lhaliza (die Heiratserlaubnis). Als sie später den Betrag gerichtlich zurückforderte, wurde sie von den beiden untern Instanzen abgewiesen, vom obersten Gerichtshof aber zugelaffen. Der letztere erklärte das Verfahren des Schwagers für unsittlich, die Bereicherung, die ihm zu teil wurde, für grundlos. — Der böhmische Rabbinerverband erstrebt eine Verbindung aller Religionsdiener der 200 Synagogengemeinden des Landes. — In der ungarischen Stadt Kazi hielt ein katholischer Geistlicher die Trauerrede beim Leichenbegängnis eines frommen Israeliten. — Beim zweiten Prozeß wegen der Unruhen in Kisch in ew erschienen 68 Angeklagte. Über einen Teil derselben wurden Freiheitsstrafen verhängt, aber viele wurden freigesprochen. Ebenso verlief der dritte Prozeß. Für die Opfer jener Unruhen gingen in Kischinew * 0*0 343 Rubel ein. Die Gaben kamen aus 663 russischen und 65 nichtrussischen Orten. — Die jüdische Bevölkerung von Kairo nahm in den letzten Jahren infolge starker Einwanderung (des. aus Palästina und Rumänien) erheblich zu. Man zählt jetzt 450 aschkenasische Familien. Unter ihnen herrscht teilweise große Armut, während bei den alteingesessenen arabischen oder sephardischen Juden mehr der Reichtum zu finden ist. Jene besitzen nur eine, diese aber mehrere Synagogen, von denen die neueste erst vor drei Jahren von dem österreichischen Architekten Herz Bey gebaut wurde. Leider ist das Judentum in Kairo sowohl beim Wucher als auch bei der Prostitution stark vertreten. — Das Iudeuviertel von Stat in Marokko wurde voll Kabylen überfallen. Etwa 700 Flüchtlinge retteten sich nach dem 50 Km. entfernten Lasablanca. Die Stater Gemeinde zählte *500 Glieder. — Der *893 begründete verband jüdischer Frauen in den vereinigten Staaten Nordamerikas zählt jetzt 7* Ortsgruppen und *0 000 Mitglieder. Er sucht nicht nur der Wohltätigkeit, sondern auch der Wissenschaft, insonderheit der biblischen, zu dienen. Zur Statistik. Nach IX Warneck gibt es jetzt in der ev. Heidenmission *6^ aussendende Gesellschaften (in Deutschland 24), 7500 Missionare (darunter 5*0 Ärzte), 4000 Missionsschwestern (darunter 220 Ärztinnen), 65000 eingeborene Hilfskräfte (darunter 4*00 ordinierte Prediger), 2*500 Schulen (Volks- und höhere Schulen, auch akademische Lehranstalten) mit **00000 Schülern, *80 Industrieschulen mit 9000 Lehrlingen, 247 Waisenhäuser mit *7000 Pfleglingen, 50 Blinden- und Taubstummenanstalten mit 600 Insassen, *56 Rettungsanstalten mit 7000 Zöglingen, 380 Hospitäler und 780 Polikliniken mit jährlich 2 Millionen Kranken. Die Zahl der Heidenchristen beträgt mit Einschluß der christianisierten Neger in Amerika \\1/2 Millonen (in Asien *%, in Afrika *, in Ozeanien 7y Mill.), die Höhe der Missionsgaben 68 Mill. Mark. _ Antworten. Dem verlangen nach einem kurzgefaßten Werk über die Bibel kommt das Langbeinsche „Bibelbüchlein" entgegen. Es enthält eine Bibelkunde (Belehrungen über die Bibel als Ganzes und über ihre einzelnen Teile), einen Wegweiser durch die heil. Schrift (Bibelstellen für besondere Fälle und Lagen des Lebens und die wichtigsten Äbschnitte der Bibel) und einen Abriß der biblischen Geschichte, Geographie und Altertumskunde. Dem dritten Teil des Buches sind Abbildungen und Karten beigegeben. — In dem Werk von R. Travers Herford „OhristianitH' in Talmud and Midrasli“ (London 1903, 18 s.) werden aus dem alten jüdischen Schrifttum 26 auf Jesum bezügliche und **2 seine Nachfolger betreffende Stellen angeführt. — Bei religiösen Handlungen der Juden werden nur hebräische Namen gebraucht. Daneben führt man aber profane, und zwar mit Vorliebe solche, die den hebräischen innerlich oder äußerlich ähnlich sind, z. B. Benno (Benjamin), Dagobert (David), Isidor (Isaak), Julius (Elia, Jakob, Israel), Ludwig (Leib, Lewin), Martin (Michaelis, Machol), Max (Meyer), Moritz (Moses, Meyer), Ernst (Israel), Siegfried (Simon). Zu den erlaubten nichthebräischen Namen gehört Alexander als der Name desBefreiers der Israeliten. Herausgeber: Prediger W. Becker, Wien III/*, Hainburgerftr. 2*. — Schriftleitnng und Verlag: J. windolff, Berlin SW, *2. Lharlottenstr. 88. — Jahrespreis: 60 Pf. oder 72 H. ö. w. Druck von J. windolff, in Berlin SW., Lharlottenstr. 63.