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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 3 (1904) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
3 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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21 zerstreut. Unsere Aufgabe ist es, sie zu besuchen, mit dem Worte Gottes und Gebet zu bedienen, damit sie nicht unter dem Ginfluß der abessinischen Priester an ihren Seelen Schaden leiden und in die Irrtümer der abessinischen Airche verflochten werden. Leider gibt es unter den proselyten auch solche, die Gott und uns nicht gefallen. Die Priester hassen uns und unsere protestantische, biblische Lehre. Weil viele unserer proselyten nicht lesen können, fehlt es ihnen an Schriftkenntnis und gesunder Urteilskraft. Wenn ich auch nicht von allen sagen kann, daß sie sich freuen, wenn wir sie besuchen, so darf ich es doch von dem größten Teil rühmend anerkennen. Sie lieben Gottes Wort und führen einen guten Wandel unter den toten abessinischen Christen. Die proselyten in zwei oder drei Gemeinden zu sammeln, ist unmöglich. Jeder muß wohnen, wo er seine Familie mit seinem Verdienste ernähren kann. In unfern drei Schulen werden die Rinder unserer proselyten regelmäßig unterrichtet. Wir baten die eingeborenen Christen, ihre Rinder in unsere Schulen zu senden. Sie hätten es gerne getan, aber es wurde ihnen durch ihre Priester verboten. Diese wollen ihre Leute in der Unwissenheit erhalten. Sie lieben die Finsternis mehr als das Licht. Debtera Ain Alam ist ein tüchtiger Lehrer und ein begabter, geistesstarker Evangelist. Gr versteht die äthiopische Sprache gründlich, was ihm vor Christen und Falascha große Achtung verschafft. Wan nennt ihn ein Zelt, in dem alle Gelehrsamkeit wohnt. Dabei ist er in seiner Bibel zu Hause und hat Leben aus Gott. Die Brüder machten in den letzten acht Monaten Missionspredigtreisen in den Provinzen Tschelga, Sakalt, Dagusa, Bagemeder und Gorgora. Auf diesen Reisen werden die proselyten und die Falascha besucht. Letzteren wird Christus, der Gekreuzigte, gepredigt, und mit den ersteren wird das Neue Testament gelesen und erklärt. Oft müssen unsere Brüder mehrere Tage am selben Orte bleiben und Versammlungen halten. Die Falaschapriester sind neben den christlichen Priestern unsere größten Widersacher. Sie haben sich untereinander verschworen, ihrer Väter Glauben treu zu bleiben. Sie weigern sich, unsere amharische Bibel und andere Bücher zu lesen und verbieten es den Falascha. Sie sagen: „Gs ist eine Zauberkraft darin. Wer die amharische Bibel und die Missionsschriften liest, kann nicht widerstehen und muß ein Christ werden". Die christlichen Priester hassen die paulinische Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben. So befinden wir uns täglich zwischen zwei Feuern. Wenn sie dürften, schafften sie uns am liebsten aus der Welt. Aber solange sie uns den Ropf nicht abfchlagen, wird unsere Zunge bekennen, daß in keinem andern das Heil ist, daß auch kein anderer Name den Menschen gegeben ist, darinnen sie sollen selig werden, als allein der Name Jesus.! Wahrheitsuchende Falascha und abessinische! Christen besuchen uns auf unseren Stationen fleißig, j Die proselyten bleiben mehrere Tage. Sie wollen! sich, wie sie sagen, satt essen am Worte des Lebens. Unsere Frauen lernen hierbei gastfrei sein ohne Murren. Gs ist für sie keine leichte Aufgabe, die vielen Gäste zu speisen. Oft stehen sie beim Hahnenj schrei auf (um vier Uhr früh), um die nötige Frucht j für den Tag zu mahlen. Auf Ihre Anfrage erwidere ich: Rönig Menilek wird keinem europäischen Missionar erlauben, tm Lande zu wohnen. Wir, als Eingeborene, werden geduldet; wie lange noch, wissen wir nicht. Gehaßt werden wir fast von jedem. Oft will mir der Mut entfallen, daß ich Gott bitte, er möchte mich zu sich nehmen. Wieviel wurde seit Gobats Zeit bis auf unsere Tage an unserm Volke gearbeitet! Welche große Anzahl von heiligen Schriften und Traktaten wurde verbreitet I Aber eine Reformation kam nicht. Hat Gott Abessinien verstoßen? Die vielen hundert proselyten, die wir haben, machen uns Freude. Seit \860, wo Sie die Falaschamisfion anfingen, sind schon 2000 Falascha getauft worden. Von diesen starben viele als Märtyrer. Andere gingen im Glauben heim. Viele aber lassen heute noch durch Wandel und Wort ihr Licht leuchten. Fahren Sie fort, für uns und unser Volk zu beten, daß Gottes Wort nicht leer zurückkomme, sondern ausrichte, wozu es gesandt ist, und daß wir, wenn der Heiland uns heimholt, mit unfern Pflegebefohlenen proselyten als treu erfunden und durch seine Gnade gerecht und selig werden. Möge er dann zu uns sagen können: „Ihr seid über wenigem getreu gewesen. Ich will euch über viel setzen. Gehet ein zu eures Herrn Freudei" Ihr dankbarer Mohrensohn Michael Argawi. Djenda, den 2% Januar $0^. Bekenntnisse eines Manischen Christen. Um das Christentum gerecht zu beurteilen, muß man einen scharfen Unterschied machen zwischen dem reinen, einfachen und dem durch seine Bekenner mit allerlei dogmatischem und sonstigem Beiwerk aufgeputzten Christentum. Ich glaube nicht, daß ein vernünftiger Mensch das Christentum selbst schlecht zu machen wagt. Nachdem ich alle kritischen Schriften, die mir unter die Hände kamen, gelesen hatte, fand ich, daß Jesus selbst unberührt geblieben ist von all den Angriffen, die auf die Anhänger seines Namens gernacht wurden. Wenn das Christentum das ist, wofür ich es jetzt halte, so steht es so fest wie der Himalaja selbst. Wer es angreift, tut es zu seinem eigenen Schaden. Nur Toren stürmen gegen Felsen an. Wir wollen nicht alle andern Religionen schlecht machen, uni zu beweisen, daß überhaupt nur das Christentum einen Wert als Religion habe. Aber mir ist es viel, viel rnehr als

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