Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 3 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Einsenders, daß diese aus der Tiefe des Herzens kommende Bitte Notkers und Luthers an uns allen erhört und uns dereinst im Tode reicher Trost und Friede durch Lhristi bittern Tod bescheert sein möge, mögen diese Zeilen ihr Ende finden. F. Seebaß. Dr. Theodor Herzls Leichenfeier. Am 3. Zuli d. Z. starb in Edlach infolge einer Lungenentzündung der berühmte Führer der Zionisten. Die Leiche wurde nach Men geschafft und am 7. Juli von dem im Eottageviertel des f8. Bezirks, Haizingerstraße 29, liegenden Haufe aus, in welchem der Verstorbene gewohnt hatte, beerdigt. Die Beisetzungsfeier verlief in einfacher, aber würdiger Weise. Sie war eine z. t. rührende Aundgebung der Liebe, welche Herzl sich bei vielen seiner Glaubensgenossen erworben hatte. Schon früh strömten von allen Seiten her Leidtragende vor dem Trauerhause zusammen. Nur wenige konnten zu dem Zimmer des ersten Stockes, in welchem der Sarg aufgebahrt war, Zutritt erhalten. Zn den Gärten der Nachbarschaft ließen sich gefiederte Sänger vernehmen. Mit ihrem Frohsinn stimmten die Gefühle der Menschen nicht überein, die hier zusammenkamen, um dem großen Toten die letzte Ehre zu erweisen. Geduldig warteten die Scharen im Sonnenbrand und Straßenstaub, bis die zehnte Morgenstunde beendet war. Tiefes Schweigen breitete sich über die ungeheure Versammlung aus, als jetzt in dem Zimmer, in welchem die entseelte Leibeshülle lag, die Stimme des Vorbeters laut wurde und dann ein Männerchor den Gesang desselben fortsetzte. Nach etwa 20 Minuten wurde der einfache, schmucklose Sarg aus dem Hause getragen und auf den ebenso einfachen Leichenwagen gehoben. Dr. Herzl hatte in seinem Testament ein Leichenbegängnis der ärmsten Masse verlangt und bestimmt, daß keine Blumen dabei verwandt werden dürften. Als sich der Zug in Bewegung setzte, drang aus dem Trauerhause ein wahres Zammergeschrei hervor. Zch wurde lebhaft an ein muhammedanisches Leichenbegängnis erinnert, dem ich einst in Alexandrien beiwohnte. Weder der Zslam noch das Judentum kann die Schrecken des Todes völlig verscheuchen: das vermag nur der Ehristenglaube. Während der Wanderung nach dem im $. Bezirk liegenden Friedhof suchten zionistische Studenten das aus Armen und Reichen zusammengesetzte Leichengefolge, welches sich in Reihen von je 6 Personen fortbewegte, in guter Ordnung zu erhalten. Endlich war die eine weite Umschau gewährende Höhe, auf welcher sich der Döblinger Friedhof ausdehnt, erreicht. Zn der Leichenhalle wurden nochmals Gebete gesprochen. Dann nahm das Grab der Familie den Toten auf. Eine Bestimmung des Testamentes lautet: „Zch wünsche in der Gruft bei meinem Vater beigesetzt zu werden und dort zu liegen, bis das jüdische Volk meine Leiche nach Palästina überführt." Wie Zoseph, so wollte auch Herzl* seine Ruhestätte int heiligen Lande haben. Nachdem am Grabe nur ein Freund des Verewigten geredet hatte, fand JO Tage nach der Beerdigung eine vom zionistischen Aktionskomitee in einem Wiener Saal veranstaltete große Trauerfeier statt, bei welcher zahlreiche Reden in 6 verschiedenen Sprachen einander folgten. An dem Schmerz der Zionisten nahmen viele Ehristen teil. Auch der Großherzog von Baden und der Aönig von Ztalieit bezeugten ihr Beileid. Dr. Herzl war ein edler Mensch, welcher den Zammer seines Volkes tief empfand und die Beseitigung des äußeren und inneren Notstandes, unter dem Zsrael daniederliegt, mit ganzer Selbsthingabe erstrebte. Millionen, denen er aus dem Kerzen gesprochen hatte, jauchzten ihm zu. Und doch war sein Wirken ein verfehltes. Wann erscheint der Prophet, welcher nicht nur die Hoffnung auf die Wiederherstellung der untergegangenen nationalen Herrlichkeit Zsraels, sondern auch den Glauben an den größten Davidssohn entzündet? Nur dieser eine, der Messias Zesus, der von den Menschen Gekreuzigte, von Gott Erhöhte, ist dazu berufen, Zsraels Hoffnung zu erfüllen. Za, er wird noch mehr tun, als man hofft. Neues aus Abessinien. AuszügeauseinemBriefeanMissionarFlad. Zm Zuni kam unser Bote Zegesau mit allem, was Sie uns sandten, Gehalt, Hemden, Scheren, Messern, Tintenpulver, Papier, amharischen und äthiopischen Büchern, wohlbehalten bei uns an. Wir versammelten uns und hielten einen Dankgottesdienst. Der Gefahren, denen unsere Boten ausgesetzt sind, sind unzählige. Zn meinem und meiner Mitarbeiter Namen sage ich Zhnen und allen unfern lieben Freunden tausend Dank. Gott vergeltsl Wir sind eben arme Abessinier, die alles gebrauchen können. Wir sind in Sorge um unfern Boten Gabru. Vor acht Monaten hat er uns verlassen und ist noch nicht zurückgekehrt. Wir sind, Gott sei Dank, alle wohl und leben und arbeiten in Frieden und Liebe. Seit Gabrus Abreise hatten wir fZ Zudentaufen, vor seiner Abreise ^<5, so daß wir im vergangenen Zahre in Dembea, Dagusa und Tschelga 29 Taufen hatten. Unter diesen war der königliche Beamte in Tschelga, samt Frau und Rindern. Sanbata und Beleta, verwandt mit ihm durch ihre Frauen, waren die Werkzeuge seiner Bekehrung. Sie unterrichteten ihn und wohnten der Tauffeier bei, wo sie Gelegenheit hatten, vor einer großen Zahl abessinischer Ehristen und Falascha-Proselyten das Evangelium zu predigen. Wir haben sehr viele Proselyten außer denjenigen, welche auf unfern drei Stationen wohnen. Unt ihre Familien zu ernähren, leben sie weithin