Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 3 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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19 5, In 6cm Gedicht „Das Glück" finden sich folgende Aussprüche: „Nicht der Gehende wird von ihrer (der Götter) Erscheinung beseligt: Ihrer Herrlichkeit Glanz hat nur der Blinde geschaut. Gern erwählen sie sich der Einfalt kindliche Seele, In das bescheidne Gefäß schließen sie Göttliches ein. Ungehofft sind sie da und täuschen die stolze Erwartung. Aeines Bannes Gewalt zwinget die Freien herab." Auch hier finden wir mehrfache Anklänge an Worte der heiligen Schrift. Der Herr Jesus sagt nach der Heilung des Blindgeborenen, der Ihn als den Sohn Gottes anbetet: „Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden." Ioh. 9,39. So heißt es denn auch in dem schönen Liede von I. D. Herrnschmidt „Lobe den Herren, 0 meine Seele": „Sehende Augen gibt er den Blinden, Erhebt, die tief gebeuget gehn". 6. Wenn auch Schiller mehrfach eine ablehnende Stellung gegenüber dem Ehristentum an den Tag gelegt hat, so fehlt ihm doch für die wichtigen christlichen Tugenden, Gehorsam, Selbstverleugnung und Demut, ein tiefes Verständnis nicht. Dies tritt uns besonders in dem „Aampf mit dem Drachen" entgegen. In diesem Gedicht besingt Schiller die Heldentat eines kühnen, jugendlichen Johanniter- Ritters auf Rhodus, der im Widerspruche mit dem Ordensgesetz den Aampf mit dem Drachen, der das Land verwüstet hat, und dem bereits viele Menschen zur Beute gefallen sind, ausgenommen und siegreich durchgeführt hat. Nachdem der Heldenjüngling feinem Ordensmeister in Gegenwart einer großen Volksmenge seinen Aampf und Sieg geschildert hat, muß er die harte Antwort des Meisters vernehmen: „Den Drachen, der dies Land Verheert, schlugst du mit tapfrer Hand; Lin Gott bist du dem Volke worden, Ein Feind kommst du zurück dem Orden. And einen schlimmern Wurm gebar Dein Herz, als dieser Drache war. Die Schlange, die das Herz vergiftet, Die Zwietracht und Verderben stiftet, Das ist der widerspenstge Geist, Der gegen Zucht sich frech empöret, Der Ordnung heilig Band zerreißt; Denn der ists, der die Welt zerstöret." „Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Ehristen Schmuck; Denn wo der Herr in seiner Größe Gewandelt hat in Anechtesblöße, Da stifteten, auf heiligem Grund, Die Väter dieses Ordens Bund, Der Pflichten schwerste zu erfüllen, Zu bändigen den eigenen Willen. Dich hat der eitle Ruhm bewegt. Drum wende dich aus meinen Blicken I Denn wer des Herren Joch nicht trägt, Darf sich mit seinem Areuz nicht schmücken". Unwille ergreift die Volksmenge über den Entscheid des Meisters. Der Ritter aber legt still sein Ordensgewand ab, küßt des Meisters Hand und geht. Da ruft ihn der Meister zurück und spricht: „Umarme inich, inein Sohnl Dir ist der härtre Aampf gelungen, lumm dieses Areuz! Es ist der Lohn Der Demut, die sich! selbst bezwungen." Wir habeii diese trefflichen Verse ausführlich gegeben, da wir nieinen, daß gerade! auch unsere Zeit, in der die Bande der Ordnung und Zucht sich so gelockert haben, aus der Betrachtmig und Beherziguiig derselben reicheil Segen schöpfen kann. Auf welche Stellen der heiligen Schrift lenken dieselben unfern Blick? Zunächst auf Römer (5, \, wo es heißt: „Jedermann fei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet." Ferner nennen wir Matth. {6,2% wo der Herr Ehristus spricht: „Will mir jemand Nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Areuz auf sich und folge mir", und endlich Matth. ((, 29 und 30: „Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht". 7. Nur kurz wollen wir auf die erste Strophe des Gedichtes: „Der Gang nach dem Eisenhammer" und auf den Ausspruch „Inneres und Außeres" Hinweisen, der also lautet: „Gott nur siehet das Herz. Drum eben, weil Gott nur das Herz sieht, Sorge, daß wir doch auch etwas Erträgliches sehn". Man kann zur Vergleichung heranziehen Petri 2, (8 und Sam. \6f 7, wo der Prophet Samuel die Gottesoffenbarung empfängt: „Ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an". 8. Schließlich möge noch folgendes gesagt werden: Das Ende dieses Lebens ist der Tod. Ist mit dem Tode alles zu Ende? Viele suchen sich dies einzureden, aber sie versetzen sich damit in einen großen und überaus gefährlichen Irrtum. Nach dem Worte der Wahrheit ist der Tod für uns Menschen, jedenfalls für alle die, die hier für Lhristum sich haben entscheiden können, der Eingang entweder in ein ewiges Leben voll Licht, Freude und Wonne, — oder in ein ewiges Sterben voll Finsternis, Grauen und unsäglicher (Jhial. Hören wir, was Schiller im „Wilhelm Tel!" nach der Ermordung des Landvogts Geßler durch Tell die barmherzigen Brüder über den Tod sagen läßt! „Rasch tritt der Tod den Menschen an. Es ist ihm keine Frist gegeben. Es stürzt ihn mitten von der Bahn, Es reißt ihn fort von: vollen Leben. Bereitet oder nicht, zu gehen, Er muß vor seinem Richter stehen." Hiermit vergleichen wir die erste Strophe des gewaltigen Liedes des Mönches Notker des Altern von St. Gallen (9(2 nach Ehr.), welche durch Dr. Luther verdeutscht wurde: „Mitten wir im Leben sind Von dem Tod umfangen. Wen suchen wir, der Hülfe tu, Daß wir Gnad erlangen? Das bist du, Herr, alleine. Ans reuet unsre Missetat, Die dich, Herr, erzürnet hat. Heiliger Herre Gott! Heiliger starker Gott! Heiliger barmherziger Heiland! Du ewiger Gott! Laß uns nicht versinken In des bittern Todes Not! Ayrie eleison". Mit den: aufrichtigen Wunsche des