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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 2 (1904) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
2 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14 Westfälischen Vereins für Israel, der ihn zu seinem Agenten ernannt hatte. Er siedelte nach Köln über, um fortan in der Iudenmission zu arbeiten. Er unterrichtete Israeliten, die sich zum Übertritt meldeten, und trieb Seelsorge an Getauften. Gr gab das Monatsblatt des Vereins heraus und übernahm einen Teil der Vereinskorrespondenz. Gr machte aber auch weite Reisen durch das westliche Deutschland, um die zerstreuten Kinder Jakobs auszusuchen und zugleich die Evangelischen zu liebevoller Teilnahme an dem Grgehen derselben anzuregen. Zum 50jährigen Jubiläum des Vereins verfaßte er die Festschrift, in welcher er die Vereinsgeschichte von $^3—J895 darstellte. Schon vorher hatte er eine Geschichte der Kölner Juden und den Traktat „Zwei bekehrte Rabbiner" herausgegeben. Ferner veröffentlichte er zwei Sammlungen seiner Dichtungen: „Israel, vergiß mein nicht!" und „Küsset den Sohn!" Auch ließ er einen Missionsliederschatz für Freunde Israels, dem er den Titel „hosianna" gab, erscheinen. In den^nahezu 26 Jahren, die Stolle im Missionsamt zubrachte, durfte er manche freudige Erfahrung machen. Natürlich fehlte es aber auch nicht am Gegenteil. Besonders mußte ihm eine Schmähschrift, die ein entlassener Kolporteur in Hunderten von Exemplaren gegen ihn verbreitete, wehetun, und doch hatte er für den Verleumder noch ein Wort der Entschuldigung. Im Herbst $00 veranstaltete er in Aöln eine Konferenz der Iudenmissionsgesellschaften Europas. In demselben Jahre starb plötzlich sein jüngster Sohn, der in Berlin studierte. Dieser Tod erschütterte ihn lief, aber sein Glaube machte es ihm möglich, der ersten predigt, die er nach der Beerdigung des geliebten Kindes hielt, 5. Mose 33, 3a zu Grunde zu legen. Er selbst erkrankte am 25. Juli $03 an einer Lungenentzündung, die einen schnellen, tödlichen Verlauf nahm. Amgeben von seiner Familie, entschlief er sanft am 30. Juli, gegen 4V2 Ahr früh. Bei der Leichenfeier, die am August stattfand, redete P. Hötzel über Luk. 22. Seinen letzten Jahresbericht schloß der treue Knecht, der zu seines Herrn Freude eingehen durfte, mit den bedeutsamen Worten: „Unfern dem Ziele menschlicher Zeit und Kraft, bekenne ich, den Herrn um Vergebung bittend aller sündlichen Fehle, mit dem großen Missionar und Apostel: Die Kraft kommt zur Vollendung in der Schwachheit." Vas jüdische Konzil zu Nagy-Jda. Im Jahre $50 wurde einem jüdischen Bericht zufolge zu Nagy-Ida in Ungarn eine Versammlung von jüdischen Gelehrten abgehalten, bei welcher die Messiasfrage den Hauptgegenstand der Beratungen ausmachte. Die Versammlung fand in einem Zelt statt. Die Teilnehmer, unter denen sich mehr als 300 Rabbiner aus verschiedenen Teilen Europas und Asiens befanden, wohnten auch in Zelten. ZU an hatte nur solche Personen, die fließend hebräisch sprechen und ihr Geschlechtsregister vorlegen konnten, eingeladen. Aber viele von den Erschienenen besaßen keine Ahnentafeln. Diese wurden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen und durften nur von ferne den Verhandlungen beiwohnen. Zum Vorsitzenden wurde ein Rabbiner aus dem Stamme Levi, Zacharias mit Namen, gewählt. Derselbe nahm seinen Platz an einem Tisch ein, welcher gegenüber der im Osten des Versammlungszeltes angebrachten Türe stand. Die übrigen Gelehrten faßen in Reihen zu seinen beiden Seiten. Am zweiten Tage des Beisammenseins begann die Verhandlung über die Ankunft des Messias. Einige behaupteten: „Der Messias muß schon gekommen sein. All das Elend, welches Gott Jahrhunderte lang über die Juden verhängt hat, kann nicht mehr als eine Strafe für die Sünde des Götzendienstes gelten, von welcher sich Israel seit der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft freigehalten hat, muß also eine andere Ursache haben." Aber nach langer Besprechung entschied man: „Der Messias ist noch nicht gekommen, da Israels Sünden und Unbußfertigkeit fein Erscheinen verzögern." Bei der Erörterung der Merkmale seiner Ankunft einigte man sich in folgenden drei Sätzen: „Der Messias wird als Eroberer auftreten und sein Volk vom Joch der Heiden befreien. Er wird das Gesetz Moses in keinerlei Weise verändern. Er wird von einer Jungfrau geboren werden." Weiter wurde festgestellt, daß der Glaube, der ZNessias fei schon gekommen, nur berechtigt sei, wenn man Elia für den ZNessias halte. Zur Begründung dieser Gleichung diente folgendes: „Elia war mit großer Macht bekleidet. Er wurde von Ahab und Isebel verfolgt. Er fuhr lebendig gen Fimmel. Er sorgte für sein Volk durch die Berufung eines Nachfolgers, Elisas." (Mit Recht wurde also beim zweiten Punkt hervorgehoben, daß die messianischen Weissagungen von einem leidenden ZNessias reden.) Auch die Frage, ob Jesus der ZNessias war, kam zur Sprache. Die Mehrheit verneinte sie. Ihre Gründe waren: „Der ZNessias muß in Herrlichkeit erscheinen. Er muß das Gesetz Moses aufrecht erhalten. Beides war bei Jesus nicht der Fall." (Diese Gelehrten, die an Jesu Armut Anstoß nahmen, übersahen Sach. 9, 9. In zweiter Hinsicht beachteten sie nicht ZNat. 5, \7 u. Röm. 3, 3(.) Einem Rabbi Abraham genügten die Gründe der Mehrheit nicht. Er wies auf Jesu Wunder hin und fragte: „In welcher Kraft hat er sie vollbracht?" Ein gewisser Zebedäus antwortete: „In des Teufels Kraft." Aber Zlbraham erwiderte: „In der bösen Kraft des Satans kann man den Blinden nicht das Gesicht, den Tauben nicht das Gehör, den Stummen nicht die Sprache wiedergeben." Da zogen sich die Gegner auf die Behauptung zurück: „Jene Blinden, Tauben und Stummen waren schon vor ihrer Geburt in die Gewalt des Teufels

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