Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1904-01-01 · 2 (1904) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
2 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2554541-2555087-2555089--10285-2566525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 bittet. Aber das Wesentliche in der Geschichte Jesu ist offenbar sein Verkehr mit Gott. Gr kämpfte um Gott, wie Alexander und Gäsar um Ruhm und Macht, Leonidas um Freiheit, Sokrates um Weisheit, Graffus um Gold kämpften. Und Jesus läßt sich in seinem Kampf durch nichts ermüden und entmutigen: also ist dieser Kämpfer ein Held. Fragt man nach den Kampfplätzen dieses Melden, so ist als der eine das eigene Seelenleben Jesu, als der andere das israelitische Volksleben seiner Tage, aber auch das Menschenleben im großen und ganzen zu bezeichnen. {. Jesus stellte sich ganz und gar in Gottes Dienst. Schon als zwölfjähriger Knabe sah er zu Gott als seinem eigentlichen Vater auf und fühlte er sich verpflichtet, die Gemeinschaft mit diesem Vater zu pflegen. Als Mann erklärte er, es sei seine Speise, Gottes Willen zu tun. 5o eng ist die Verbindung zwischen Sohn und Vater, daß Jesus nichts von sich selber tun kann: er vollbringt nur, was ihn der Vater sehen läßt. Ohne Widerstreben übernimmt er daher auch den schweren Beruf, den er nach Gottes Willen ausüben soll. Doch blieben Jesu hierbei schwere Kämpfe nicht erspart. Der Fürst der Finsternis reizt ihn zu Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben. Mutter und Geschwister suchen ihn seiner Amtstätigkeit zu entziehen. Das Volk will ihn im Widerspruch mit Gottes Ordnung zum König machen. Petrus versucht mit unverständigem Rat, später sogar mit kühner Tat ihn von dem Wege abzubringen, der wirklich zum Königsthron führt. Aber der Held aus Judas Stamm wirft alle Feinde zu Boden. Auch im Gebet (beim letzten Pesachmahl, Ioh. ^7,^—5, in Gethsemane und auf Golgatha) erkämpft er sich die Fortdauer seiner Gemeinschaft mit Gott. So gilt von ihm das Wort: „Wer seines Mutes Herr ist, ist besser denn der Städte gewinnt" (Sprüche (6, 32). 2. Wie mit sich selber, so kämpfte Jesus auch mit seinen Zeitgenossen um Gott: um Gottes Wahrheit, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Frieden. Zunächst brachte er gemäß den messianischen Weissagungen dem verschmachteten, von seinen Vorstehern verachteten Volke die ewige Wahrheit. Gr verkündigte den Gottentfremdeten in schlichten Worten und in Gleichnisreden das Gottesreich, das in seiner Person erschienen war. Gr unterwies einzelne (Nikodemus, Maria von Bethanien) und Versammlungen von Tausenden. Seinen predigten widerfuhr eine außerordentliche Beglaubigung durch zahlreiche Wunder (z. B. Speisungen, Krankenheilungen, Totenerweckungen). Diese Zeichen geschahen so wenig im Winkel, daß sogar der Talmud nicht umhin konnte, ihrer zu gedenken. Nun suchte gleichzeitig eine Schriftgelehrsamkeit, welche die alttestamenllichen Gottesoffenbarungen fälschte, zur Herrschaft zu gelaiigen. Gegen sie mußte Jesus, der zum Himmelreich gelehrte Schriftgelehrte, zu Felde ziehen. Gesetz und Propheten löste er nicht auf: sie erfüllte er. Aber ihre pharisäischen Ausleger griff er schonungslos an. Vor ihrem Sauerteige warnte er seine Jünger und das ganze Volk. Nock kurz vor seinem Todesleiden rief er über die Irrlehrer, die um ihrer Aufsätze willen zur Übertretung des göttlichen Gesetzes anleiteten, ein achtfaches Wehe aus. So erkämpfte er seinem Volk Gottes Wahrheit. Gr brachte demselben weiter die ewige Gerechtigkeit: Sühnung der Sünden, Grlaß der Schulden, Aussöhnung mit dem beleidigten göttlichen Gesetzgeber. Das Alte Testament hatte von dem größten Offenbarer Iehovahs geweiffagt, daß er durchstochen, von dem göttlichen Hirten, dem Manne der Gemeinschaft Gottes, daß er von Schwertschlägen getroffen werden sollte (Sach. \2, JO; (3, 7). Aus den Dornen der Leiden des Messias sollte die Rose der. Gerechtigkeit erblühen (Ies. 53, Dan. 9,26:240. Das weissagten auch die blutigen Opfer des alten Bundes. Jesus, der sich selber in Demut dieser Gottesordnung unterworfen hatte, suchte ihr auch bei seinen Zeitgenossen Anerkennung zu verschaffen. Oft bereitete er die Jünger auf diesen Ausgang seiner Grdenwallfahrt vor. Gr bezeichnete sich als den Hirten, der sich für die Schafe opfere. Gr redete von seinem Leben als einem Lösegeld, das für viele gegeben werde. Noch in der Nacht vor seinem Tode lehrte er die Dahingabe seines Leibes und seines Blutes als die Vollendung des alten Opferwesens ansehen. Ohne Blutvergießen gibt es im neuen Bunde ebensowenig eine Vergebung wie im alten. Aber auch hier sind es außerdem Gebete, mit denen Jesus um Gott kämpfte (Ioh. \7,6—26 und Luk. 23, 340. So wird er vermöge seines Opfers wie vermöge seiner Fürbitte ein rechter Hoherpriester, der einen Born für Sünde und Unreinigkeit öffnet. Auf den Todesgang nach Golgatha aber, von dem auch Tacitus weiß, folgte am dritten Tage die Wiederbelebung des Toten und mit ihr die Offenbarung des ewigen Friedens. Auch hiervon hatte die altisraelitische Weissagung gehandelt (Ies. 53, JO) und Jesus selber geredet. Die Worte des Heilandes schilderten das Osterwunder teils als eine Auferweckung, also als eine Tat des himmlischen Vaters, teils als eine Auferstehung, also als einen Sieg des Sohnes. Jesus will den abgebrochenen Tempel wieder aufbauen. Gr hat Macht, fein Leben wiederzunehmen, wie er Macht hatte, es hinzugeben (Ioh. (0, (8). Deshalb preist ihn die Kirche als den Osterhelden. Aber Heldenkämpfe führte er auch vor und nach seiner Auferstehung, um den Gläubigen das Verständnis der letzteren zu erschließen. Ich verweise einerseits auf die Abschiedsreden (Ioh. (3—^6), anderseits auf die herrlichen Offenbarungen des Auferstandenen im jüdischen Lande (auch Apg. 2 gehört hierher) und vor Damaskus (Apg. 9). Am Karfreitag verspottete man den König der Juden: am Ostertag zitterten die Grabeshüter angesichts des Osterwunders. And wenn sich später menschlicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.