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Dibre Emeth · 1904-01-01 · 2 (1904) · page 1

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Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
2 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ein Vierteljaljrsblatt für Israeliten und Freunde Israels 1904. 60. Jahrgang. IrrHcrkt: Das Geheimnis der Person Jesu Lhristi. — Die Kreuzespredigt unseres Heilandes. — Johann Friedrich Wilhelm Stolle. — Das jüdische Konzil jit Nagy-Ida. — Lin frommer christlicher Arzt. — Kleine Missionszeitung. — Über Dr. M. Güdemanns „Judentum". — Über die Juden in Mexiko. — Aus der jüdischen Presse. — Zur Statistik. — Empfangsbescheinigung. Das Geheimnis der Person Jesu Christi. Geheimnisvoll ist das Leben des Weltalls. Wunderbare Kräfte lehrt uns die Astronomie kennen. Mit ungeheurer Geschwindigkeit dreht sich z. B. der planet, auf dem wir zu Hause sind, um sich selbst und um die Sonne. Woher diese Bewegung? Das von Newton aufgestellte Gravitationsgesetz enthüllt das Geheimnis nicht: es erklärt nicht den Anfang der Bewegung. Aber ein uraltes, heiliges Buch stillt unfern Durst nach Erkenntnis, befriedigt unfern Forschertrieb. Nach \. Mose \ hat das Weltleben eine übernatürliche Ursache. Gott hat es begründet. Gott hat ihm auch die Gesetze gegeben, denen es seither folgt. Diese biblische Lösung des Welträtsels wird immer noch von den größten Geistern als die einzig mögliche gepriesen. Auch ein Darwin wußte die erste Bewegung nicht anders zu erklären als die Bibel. Geheimnisvoll ist auch das Leben des Menschen, des Mikrokosmos, der einen kleinen Teil des Makrokosmos bewohnt. Gewaltige Kräfte entfaltet auch sein Leben: das lehrt uns die Psychologie. Wir bewundern dieselben bei Staatsmännern, Künstlern, Gelehrten, Technikern, Fabrikanten, Großkaufleuten. Sie zeigen sich jedoch nicht minder in den einfachsten Verhältnissen: bei der Krankenpflegerin, die sich ihrem Beruf mit ganzer Seele hingibt, bei der Hausfrau, die voll Selbstverleugnung für ihre Familie sorgt. Woher dies geistige Leben? Beruht alles nur auf einer zufälligen Gehirntätigkeit, wie der Materialismus uns glauben machen will? Ist das Geheimnis enthüllt, wenn man sagt, die Schwingungen des Sehnervs setzen sich in geistige Wahrnehmung und Erkenntnis eines Gegenstandes um? Nein, derartige Erklärungsversuche können unmöglich befriedigen. Dagegen leuchtet auch in dieser Beziehung die biblische Lehre den: unverschrobenen Denken ein. Die Bibel lehrt das Dasein einer selbständigen und selbsttätigen Menschenseele, die sich des Menschenleibes als ihres Werkzeuges bedient, solange sie in demselben wohnt. Innerhalb der Menschenwelt aber ist die geheimnisvollste Erscheinung die Person Jesu Thristi. Der zweite Teil der Bibel, das aus allen Anfechtungen der Kritik immer wieder als Sieger hervorgehende, auf den stärksten äußeren und inneren Zeugnissen ruhende Neue Testament, macht uns mit ihr bekannt. Aber auch Iofephus und der Talmud, desgleichen einzelne heidnische Schriftsteller, insonderheit Tacitus, erzählen von ihr. Es handelt sich hier um eine geschichtliche Größe, die kein Seitenstück besitzt. Jesus Lhristus überragt nicht nur Konfutse und Laatse, Buddha, Zoroaster, Muhammed, sondern auch Mose nn d Elia. Lein Einfluß geht weiter mld tiefer als derjenige der größten Geister, die sonst auf Erden aufgetreten sind. Wer unter ihnen hätte eine gleicherweise veredelnde, verklärende, vergöttlichende Kraft entfaltet? Die reinen Quellen, denen wir die Geschichte Jesu entnehmen, die Schriften des Neuen Testamentes, decken zugleich die verborgenen Wurzeln dieser Geschichte auf. Spuren der Wahrheit finden sich aber auch bei Iosephus, während der Talmud das Geheimnis der Person Jesu Thristi nicht enthüllt, sondern erst recht verhüllt. Betrachten wir jetzt die geheimnisvolle Person näher, um dann in ihr Geheimnis einzudringen! I. Ein Blick in die Evangelien genügt, um uns von der Vielseitigkeit des Geistes Jesu zu überzeugen. Er lebt nicht als Einsiedler, sondern steht in enger Verbindung mit seinen Zeitgenossen. Nichts Menschliches hält er für fernliegend. Er kennt den Landmann, den Fischer, den Kaufmann, den ungeratenen Sohn, den armen Schuldner, die backende Hausfrau, die ihr Recht erbittende Witwe. Er ist auch mit der hohen Politik bekannt: mit dem kaiserlichen Lehnsherrn und dem königlichen Lehnsmann, mit dem kleinen König, der den großen um Frieden

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