Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 1 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen ©cbcteorbmmg: „lUegcn unserer Sünden wurden wir aus unfern: Lande vertrieben" erschüttert worden. Oft hatte ihn dann später das Gefühl des Sündenelends überwältigt. Jetzt aber wußte er: „Ich bin von: Verderben erlöst. Christus hat mich von ineinen Zünden mit seinem Blute abgewaschen". Diese selige Gewißheit fomite ihm auch der k)aß seiner Verwandten, der ihn wegen seines Glaubenswechsels traf, nicht trüben oder gar rauben. Cr segnete die, welche ihm fluchten, und betete für die, welche ihn beleidigten. Auch in der Folgezeit blieb dieser Israelit im Genuß des Friedens, Öen ihn: die Wahrheit gebracht hatte. Als viele Jahre seit seiner Bekehrung verflossen waren, rühmte er von der Wahrheit: „Sie ist mir täglich köstlicher geworden". Im Rückblick auf die ganze Zeit seines Lhristenstandes bezeugte er: „Gutes und Barmherzigkeit sind mir gefolgt". _____ Zum Nachdenken. Der Seele soll und kann niemand gebieten, er misse denn, ihr den weg zu weiser: gen Pimmel. Das kann aber kein Mensch tun, sondern Gott allein. Darum in den Sachen, die der Seelen Seligkeit betreffen, soll nichts denn Gettes wort gelehrt und angenommen werden. Auck, so liegt einem jeglichen seine eigene Gefahr daran, wie er glaubt, und muß für sich selbst sehen, daß er recht glaube. Denn so wenig ein anderer für mich in die pölle oder in den Fimmel fahren kann, so wenig kann er auch für mich glaube,: oder nicht glauben; und so wenig er nur kann Fimmel oder pölle auf- oder zuschließen, so wenig kann er mich zu,n Glauben oder Unglauben treiben, weil es denn einem jeglichen auf dem Gewissen liegt, wie er glaubt oder nicht glaubt, und damit der weltlichen Gewalt kein Abbruch geschieht, soll sie auch zufrieden sein und ihres Dinges warten und lassen glauben sonst oder so, wie man kann und will, und nieinand mit Gewalt drängen. Denn es ist ein freies Werk um den Glauben, dazu man niemand zwingen kann. Ja, es ist ein göttliches Werk im Geist, geschweige denn, daß es äußerliche Gewalt sollte zwingen und schaffen. (Luther.) 2. In uns Menschen liegt ein Zug zu Bleibendem, Ewigem. Gibt es aber in dein Strouie der Zeit wirklich etwas Bleibendes, Ewiges? Eiiie inarkige mtb wahrhaftige Antwort auf diese Frage erteile,: der zweite und der vierte Oers des 90. Psalms: „Ehe den,: die Berge worden und die Erde und die Welt geschaffei: ivorden, bist Du, Gott, vo,: Ewigkeit zu Ewigkeit." „Tausend Jahre sind vor Dir wie der Tag, der gestern vergai:gel: ist, und wie eine Nachtwache." Also zu Gott inuß sich wende,: und init Ihn: Gemeinschaft suchen, wer aus aller Unbeständigkeit dieses irdischen Daseins nach Bleibenden:, nach Ewigem sich sehnt. Aber da erhebt sich die Frage: Gibt es fiir uns sündige, den: Tode verfallene Menschen eine Brücke, einen Zugangsweg zu den: heiligen, die Sünde hassenden Gott, wie Ihn namentlich auch der 90. Psalm uns vor die Seele stellt? Mder müssen wir vor Seiner Heiligkeit uns fürchten, wie das Volk Israel sich fürchtete, als es bei den erschreckenden Zeichen der Sinai-Gesetzgebung (den: Donner und Blitz, den: Ton der Posaune und den: Bauchen des Berges) vor Gott floh und zu Mose sprach: „Bede du mit uns, wir wollen gehorchen; und laß Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben?" Solche Fragen sind durchaus nicht überflüssig. Denn die Ungläubigen haben tatsächlich keinen Zugang zu Gott, wenn sie sich nicht bekehren, so fallen sie schließlich ewiger Vernichtung anheiin. Aber freundlich klingt den Mitgliedern des neuen Bundes das Wort des großen Mittlers entgegen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch Mich." Jesus Christus, der vor aller Zeit aus dein Wesen Gottes hervorgegangene und in der Fülle der Zeit von der Jungfrau Maria als Mensch geborene Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Melsias Israels, hat durch Seinen voklkominenen Gehorjain,! durch Sein unschuldiges Leiden und Sterben die Sünden der! ganzen Welt getilgt. Nun ist für alle, die an Ihn glauben,; der Zugang zu Gottes vaterherzen wieder frei; sie sind durch 1 Ihn gerecht und Gottes Kinder geworden. (F. Seebaß) j " 3. Der Schmerz ist kein bloßer Anfall, der uns dann und i wann betrifft. Er ist der Einschlag, der in den Aufzug unseres; Lebens hineing'woben wird. Ehe ein Mensch ins Grab steigt,! ist fast jeder Nerv seines Körpers von Schinerz zerrissen worden.! Es gibt keine andere Erklärung für den Sch,nerz als die,! daß er zur Entfaltung des seelischen Lebens unentbehrlich ist. j Jedes Menschenkind, welches das wahre Ziel seines Lebens! erreichen will, ,nuß mit Feuer getauft werden. Das ist das; Gesetz der Menschheit, wie es das Gesetz Christ: ist. (Edelweiß.)! Eine römische Uiöetgesessschasi. j Unter der Leitung des Kardinals Mocenni steht der „St.! pieronymusverein zur Verbreitung der heiligen Evangelien",! welcher neuerdings in Ron: begründet wurde. J902 veröffent-! lichte dieser Verein eine neue, gute italienische Übersetzung der Evangelien und der Apostelgeschichte in einem Bändchen von 5(0 Seiten. Dies Buch, dessen Preis nur (6 pfg. beträgt, ist mit der päpstlicher: Druckerlaubnis versehen. Leo XIII verspricht hier sogar jedem Katholiken, der täglich eine Viertelstunde in den Evangelien liest, 500 Tage Ablaß, wie reimt sich dies mit dem in Trient erlassenen Bibelverbote? In der Einleitung , zu jenem Bändchen wird vor: „unserr: Protestantismen Brüden:,! die vor: urrs getrennt si::d," in freundlicher weife geredet.! Wie paßt dies zu dein Syllabus vor: (86^, welcher die Meinung j verdammt, daß der Protestar:tisn:us auch eine wahre christliche! Religion sei, und welcher die protestantischen Bibelgesellschaften „pestilenzialische Erfii:dur:ger:" ner:nt? Auffallend sind auch rnanche von der: beigegebenen Arrmerkungen. So heißt es zu Mat. 20,25 f.: „Die Diener Christi sollen ihr Arut nicht irr stolzem Geiste führen wie die weltlichen Dberherren, sondern demütig, mit großer Leutseligkeit, imrrrer eingedenk, daß das heilige Amt sie zu Dieriern und nicht zu Herren der Menschen macht." Bei Mat. (o, 3^ liest man: „Der: wahren Frieden hat Jesus der Welt gebracht, der: Frieder:, welcher sich auf die Gerechtigkeit gründet und vor: der Freiheit lebt. Dennoch hat es Jahrhunderte lange Kämpfe erfordert, bis es als ein Menschenrecht erklärt wurde, daß ein jeder schlecht und recht nach seinem eigerren Gewissen lebe:: darf." Wie die „Nachrichter: aus Italier:" hervorheben, deren Angaben wir folgen, begrüßen viele diese Veröffentlichung mit freudigem Dank und aufrichtigen Segenswüirscher:. Nicht wenige Katholikei: wollter: in derselben eine protestantische Fälschung erblicken. Ir: San Rerno wurde das Lesen dieser Übersetzung trotz der päpstlicher: Empfehlur:g einer Frau von ihren: Beichtvaterverboten. Die Judenfrage behandelte jüngst „Der Pilger zur peimat" in: Anschluß an Rörn. u, 22. Diese Frage ist. wie dort ((90Z, Nr. 54) mit Recht gesagt wird, ein merkwürdiger Beweis für die Wahrheit der Bibel. Sie taucht fast in allen Kulturländern auf und ist die Sorge der Staatslenker und volksfreuirde. Sie bleibt ein unlösbares Rätsel, solar:ge rnan ohne das Licht des göttlicher: Wortes an sie herangeht. Die Inder: bilder: immer noch in jedem Volk einer: Fremdkörper. Dies kleine päuflein ist in dein großer: völkerrneer nicht untergeganger:, während sonst schwächere Völker von stärkerer: aufgesoger: wurder: oder mit dieser: zu neuen Völkern zusammenschmolzen. Der Christ! erkennt hierin die Erfüllurrg der biblischen Weissagurrger:. Die Iuderr sirrd „das durch Gottes freie Güte auserwählte! Volk, das er zum Segen für alle andern Völker bestimrnt hatte. ' Es sollte nach der:: göttlichen Ratschluß der Vermittler des! peils für die ganze Menschheit werden. Zu dieser Aufgabe! hat Gott es erzöge:: vor: Abraham bis zu der Fülle der Zeit, j Da erschien der Sohn Gottes, und nun kam es darauf an, ob ' Israel erkannte, wozu es vor: Gott beftirnrnt war. wir wissen,