Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1904-01-01 · 1 (1904) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
60 (1904)
Issue
1 (1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2555087-2555088--10278-2566517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ich um die Taufe bitten". Lange hörte man jetzt nichts von ihr. Endlich erschien sie an einem Sonntagabend im Missionshaus in tiefer Niedergeschlagenheit und bat ihre Lehrerin: „Bitte, beten Sie für michl In unserm Hause sind alle gegen mich. Es sind im ganzen 2^". Als sie darauf hingewiesen wurde, daß sie den Heiland zum Freunde habe, ermutigte dieser Gedanke sie. Später aber kam sie hochbeglückt zu ihrer christlichen Freundin und rief: „Fräulein, Gott hat ein Wunder getan. Mein Vater hatte geschworen, er werde mir nicht erlauben, Sie zu besuchen und am Sonntagsgottesdienst teilzunehmen, aber er hat gestern sein Wort zurückgenommen und erlaubt mir jetzt, zu gehen, sooft ich will". Einer andern christlich gesinnten Schülerin verbrannten die Angehörigen ihre Bibel. Auch sperrte man sie ein und ließ sie einen ganzen Tag fasten. Abends schlug der Vater sie, weil sie ihre Arbeit ohne Murren tat. Als die Lehrerin mit diesem und zwei anderen christgläubigen Mädchen den ersten petribrief las, schien es den drei Jüdinnen, als ob derselbe für sie geschrieben worden fei. An Ioh. fühlt sich der Leser unseres Jahresberichts erinnert, wenn er hört, daß zu Weihnachten zwei Zöglinge der Mädchenschule ihre Lehrerin mit dem folgenden Bekenntnis erfreuten: „Wir glauben an den Herrn Iesum nicht nur, weil Sie sagen, daß er der Messias ist, sondern weil er unsere Herzen geöffnet hat". Eins von diesen Mädchen bot früher alles auf, um ihre ältere Schwester wegen ihres christlichen Glaubens zu ärgern. Jetzt beten beide im geheimen mit einander und trösten sich gegenseitig. Da die ältere Schwester zu Hause nicht in der Bibel lesen darf, schrieb sie sich viele Bibelstellen auf kleine Zettel, um sich in unbewachten Augenblicken an ihnen zu erquicken. Einen solchen Zettel fand eins der übrigen Familienglieder. Er enthielt die Worte: „Glaube an den Herrn Iesum Lhristum, so wirst du und dein Haus selig". Die Folge des Fundes war ein furchtbarer Auftritt. Alle Hausgenossen drangen auf die junge Bekennerin mit Drohungen ein. Aber diese hielt stand und erklärte ruhig: „Ihr könnt mir alles nehmen, sogar mein Leben, aber meinen Glauben werdet Ihr mir nicht nehmen". Die letzte Probe unseres Glaubens ist der Tod. Ein schönes Beispiel seligen Sterbens erzählt der Bericht aus London. Ein Israelit, der sich aus der Religion nichts machte, wurde in der Missionshalle durch den Gesang geistlicher Lieder zu Gott geführt. Er gelangte allmählich zu einen: neuen Leben. Nur der heftige Widerspruch seiner Frau hielt ihn davon ab, sich taufen zu lassen. Doch bekannte er sich öffentlich zum Heiland, auch indem er mit Gleichgesinnten im Namen Jesu betete. Als seine letzte Stunde kam, tröstete ihn die Gewißheit, den Messias gefunden zu haben. Einer seiner Verwandten wünschte dem Sterbenden einen Rabbiner zu bringen, erhielt aber die Antwort: „Mein Heiland ist mein Rabbi". In vollem Frieden schied der Jünger Jesu von hinnen. Alle, die zuletzt noch bei ihm waren, empfingen einen tiefen Eindruck von der den Tod überwindenden Rraft des christlichen Glaubens. Wäre die Lhristenheit nur mehr darauf bedacht, ihren Glauben vor den Israeliten zu bezeugen! Ein Rabbiner in Aarlsruhe sagte einst zu Missionar Flad: „Wenn Ihr solche Ehristen wäret, wie Jesus es in den vier Evangelien von Euch verlangt, so hätten wir wenigen Juden ihn längst als unfern Messias angenommen". Zum frommen Wandel, dem wirksamsten Glaubenszeugnis, gehört Liebe zu Israel. „Wirkliche Liebe allein kann einen Juden für Ehristum gewinnen. Niemand weiß die Liebe mehr zu schätzen als ein Jude. Aber sie muß tatkräftig und lauter fein und in Gott wurzeln". So schreibt treffend der erste Missionsarzt in Jerusalem. Er kann z. B. von einem alten chinesischen Juden berichten, daß die Liebe, die er im Missionskrankenhaus erfuhr, ihn mächtig ergriffen habe. Der Greis zeigte dies, indem er seinen Pflegern zurief: „Ihr seid wie Engel des Lichts, da Ihr Luch fo um mich bekümmert. Gott wird Euch belohnen". Still lauschte er dann auch der Botschaft von dem Erlöser. Er war nicht fern vom Reiche Gottes, als er starb. Von einer Ehristin, die noch auf dem Sterbebett Iudenmission trieb, erzählt Missionar Urbschat in Aönigsberg. Sie bat vor ihrem Tode ihren alten Arzt, einen Juden: „Bekehren Sie sich zu dem Herrn!" Erfragte: „Warum wünschen Sie dies?" Sie antwortete: „Lieber Herr Doktor! Ich bin so glücklich in dem Herrn Jesu, und ich wünsche, daß Sie ebenso glücklich werden". Diese Worte rührten den Arzt. Als er sich entfernte, sagte er zu der Mutter der Aranken: „Wenn ich so sterben könnte wie Ihre Tochter, dann möchte ich gerne noch heute sterben". Wie echte Liebe noch übers Grab hinaus wirkt, ersehen wir aus den Mitteilungen über den Tod der jungen Frau Flad in Tunis. Viele Juden empfingen von demselben einen tiefen, heilsamen Eindruck und wurden näher zu Gott gebracht. Ein Mann, der einst das Ehristentum bekämpft, später aber den Lehren desselben einige Aufmerksamkeit geschenkt hatte, gelangte zu einer vollständigen Sinnesänderung, als er Näheres über die Arankheit und den friedlichen Hingang der Missionarsfrau erfuhr. Auch die Frau dieses Israeliten wurde innerlich erfaßt. Beide Galten lassen sich auf den Übertritt zum Lhristentum vorbereiten. Als ihnen ein Rind geboren wurde, brachten sie es zur Taufe. Ein anderer Israelit wanderte oft ans Grab der entschlafenen Ehristin, uni dort zu beten. Gefragt, was er dort bete, antwortete er, er habe nie viele Worte gernacht, sondern nur zum Himmel aufgeschaut und gesagt: „O Gott, ich danke dir, daß du mir vergönnt hast, diese gute Frau zu kennen. Bringe mich auch an den Ort, zu dem sie gegangen ist!" Auch dieser Jude ist jetzt ein lerneifriger Schüler der Wahrheit. Einmal sagte er zu den:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.