Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 60 (1904)
- Issue
- 1 (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der 95. Jahresbericht der L. I.-M.! erzählt von manchen Israeliten, welche sich dem! Eindruck des Evangeliums nicht entziehen konnten. I Frau £. in London wurde zu Tränen gerührt, j als sie den Bericht des N. T. über das Leiden und Sterben Jesu las. Sie hatte früher gerneint, kein Jude könne an die Messianität Jesu glauben: jetzt 1 hält sie selbst ihn für den Messias. In Liverpool sah man mehrfach jüdische Frauen weinen, wenn ihnen in Missionsansprachen der Weg zunr heil gezeigt wurde. Eine Jüdin in Leeds sagte: „Wir sind Jesu viel schuldig: er tat so viel für uns. Könnten wir ihm nur ein wenig zurückzahlen!" Eine andere bernerkte: „Er tritt vor Gott für uns ein. Er klopft an die Tür, und Gott öffnet uns". Herr S. in Paris konnte es früher nicht begreifen, daß Juden sich dort einfinden, wo der Lhristus ge- ■ predigt wird, den das Synedrium und alle Rabbiner verwarfen. Er stand oft Jam Eingang der Missions- Halle und äußerte seinen haß gegen die Mission, den Prediger und die Vorträge. Jetzt besucht er die Versammlungen. Auch lädt er den einen Missions-! arbeiter häufig zu sich ein. Vor einigen Jahren sah ein reicher junger Jude in Polen bei einem Freunde ein N. T. Mit gemischten Gefühlen, mit Furcht und Neugierde, lieh er dasselbe für ein paar Stunden. In dieser Zeit las er fast das ganze! Matthäusevangelium. Er sah, daß das von ihm gefürchtete und verachtete Buch herrliche Wahrheiten enthält. Doch sprach er sich hierüber gegen niemand i aus. Erst nach längerer Zeit wagte er es, sich ein j N. T. zu kaufen. Je fleißiger er in denselben las,; desto mehr Licht kam über ihn. Als er sich im j Sommer $02 in Amsterdam aufhielt, offenbarte er 1 sich dem dortigen Missionar. Er bekannte diesen! seinen Glauben an den Messias Jesus. In Rotter- I dam empfing ein jüdischer Auswanderer, ein grim- ' miger Widersacher der Mission, in der Missionshalle ein N. T. Früh am andern Morgen kam er wieder, : um für das Buch zu danken. Er hatte die ganze * Nacht in demselben gelesen und es bewundern und; schätzen gelernt. „Es ist nicht nur schön, sondern wahrhaft göttlich," sagte er. Er setzte sich dann nieder und las einem andern Israeliten aus dem , N. T. vor. In Bukarest wurde ein Mann mit : feinen zwei Söhnen vor christlichen und jüdischen Zeugen getauft. Derselbe hatte zwei Jahre lang; die Missionsgottesdienste besucht und den von Mose und den Propheten geweissagten Messias gefunden. Viele Hindernisse wurden ihm namentlich von fernem Schwager in den Weg gelegt. Aber er kämpfte sich zu einem offenen Bekenntnis seines Glaubens durch. Voraussichtlich werden auch seine Frau mb seine Tochter übertreten. In Konstantinopel äußerte sich , ein Jude folgendermaßen: „Unser Volk betet nur aus Furcht. Es bedarf einer neuen Religion. Jüdische predigten helfen der Seele nicht. Mit der Lehre Lhristi Matth. 0 läßt sich nichts vergleichen. Aber wo sind solche Ehristen, wie er sie haben will? Vor meinem Tode hoffe ich die Taufe zu empfangen". Bei einem Aufenthalt in Beirut wurden einige Safeder Missionare von zahlreichen Israeliten umringt. Zwei der letzteren beantworteten die Zornesausbrüche eines Rabbiners über den Zulauf, den die Ehristen fanden, mit folgende!! Worten: „Warum sollen wir diesen Leuten nicht zuhören? Sie sind im Recht. Sie kennen unsere Propheten besser als wir. Wie der Himmel nicht mit der flachen Hand bedeckt werden kann, so kann die Wahrheit nicht verborgen werden. Unsere eigenen Lehrer wollen, daß wir in geistlichen Dingen blind sind. Deshalb lassen sie uns die Propheten nicht studieren. Diese Ehristen wünschen nur unsere Augen für die Wahrheit zu öffnen, die in unfern eigenen heiligen Schriften enthalten ist, und von der Ihr Herren Rabbiner meint, man müsse sie uns verheimlichen". Aus Mogador wird ein ähnlicher Ausspruch berichtet. Beim Ankauf einer Bibel sagte dort ein Jude: „Es gibt Hunderte von Juden in Marokko, die ernstlich nach der Wahrheit suchen. Unsere Rabbiner können uns nicht länger davon abhalten, daß wir mit eigenen Augen die Weissagungen durchforschen. Wir brauchen ihre Augen nicht mehr". Ebendaselbst bekannte ein anderer nach einem Gespräch mit dem Kolporteur: „Ich glaube von ganzem Herzen, daß Jesus der wahre Messias ist. Unsere Rabbiner lehren uns ihn verachten, aber wir sollten vielmehr bemüht sein, ihn kennen zu lernen". Auch aus dem Munde eines Kindes kam hie und da ein Bekenntnis der Wahrheit. In der türkischen Hauptstadt antwortete eine jüdische Sonntagsschülerin auf die Frage nach der Frucht des Todes und der Auferstehung Jesu: „Wir, die wir an den Herrn Jesum Ehristmn glauben, sind die Frucht seines Todes und seiner Auferstehung". In Tunis besuchte eine Lehrerin den Vater einer ihrer Schülerinnen, einen Rabbiner. Als sie davon sprach, daß Gott sich aus den Erlösten seines Sohnes, des Messias, ein Volk sammelt, erinnerte das Kind an Daniel 7, Der Rabbiner schlug die Stelle auf und las sie. Da machte ihn die Kleine auf den vorhergehenden Vers aufmerksam, wo von einem geredet wird, der dem Sohne eines Menschen gleich ist. hieran schloß sich ein weiteres Gespräch an. Als die Ehristin Abschied nahm, bat der Rabbiner sie, wiederzukommen. Dieselbe Lehrerin behandelte einmal vor ihrer Klasse hosea 5, q. und sagte hierbei: „Jetzt habt Ihr keinen König und kein Opfer". Aber ein Mädchen wollte dies nicht zugeben und rief: „Wir haben doch einen König". Auf die Frage: „Wer ist es denn?" kam die Antwort: ,,Es ist Jesus, der Messias". Eine von den größeren Schülerinnen der Tuniser Missionsschule wurde von ihren!Vater aus derselben genommen, da er den christlichen Einfluß der Schule fürchtete. Da gestand sie ihm ihren Glauben an Jesum und fügte hinzu: „Sobald ich 2\ Jahre alt bin, werde