Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 4 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Amalie kam und betete mit uns und saug uns so! schöne Lieder vor, daß wir Weh und Schmerz ver-! gaßen und ganz glücklich waren." Lin christlicher Mitreisender, welcher der Frau und ihrem Kinde beim Linsteigen geholfen hatte, fragte die Kleine, ob sie ein Gebet sprechen könne. Sie faltete alsbald die Hände und betete: „Breit' aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude" usw. Auch singen konnte sie ein christliches Lied. Dann erzählte sie von einem Gesang, den alle kranken Kinder mit der Schwester zusammen anzustimmen pflegten. Ls war das Lied: „Der große Arzt ist jetzt uns nah, der liebe, treue Jesus. Lr ist mit seinem Tröste da. Kein Heil ist außer Jesus. Horch', wie tönt der Lngel Sang! £), welch süßer Iubelklang! Sing', niein Herz, mit freud'gem Drang: Jesus, Jesus, Jesus!" Während die Mutter erstaunt dem Kinde zuhörte, gaben einige Mitreisende jüdische Männer ihrem Zorne über das Gehörte Ausdruck. Der Lhrist aber, ein Prediger, hielt ihnen entgegen, daß sie vielmehr stolz darauf sein müßten, daß der, durch welchen alle Völker auf Lrden gesegnet werden, ein Sohn Abrahams war. Als einer der Juden die Messianität Jesu leugnete, fragte der Lhrist: „Kennen Sie die Geschichte seines Lebens? Glauben Sie den Märchen, die unter unwissenden Menschen umlaufen, lieber als den Gottesmännern, die Iefum, den Messias, gekannt, und ein treues Gemälde von ihm hinterlassen haben?" Lr zeigte ihnen dann ein Neues Testament. Nach einigem Zögern nahm einer das Buch in die Hand. Line weitere Unterredung knüpfte sich hieran an. Die Kleine war so, ohne es zu wissen, die Lehrerin Lrwachsener geworden. In Matth. 6, 9 ff. Die zweite der im Bücherbericht dieser Nummer genannten Schriften des Missionspredigers Kunert enthält einen Abschnitt, welcher die Behauptung des jüdischen Ursprungs der obigen Gebetsworte bekämpft. Gegenüber der Berufung auf R. Me'lr wird daran erinnert, daß dieser erst im zweiten Drittel des zweiten Jahrhunderts vor Christo lebte. Das jüdische Unser- Vater, welches an den ersten zehn Tagen des Monats Thischri gesprochen wird, ist größtenteils nationaljüdisch. Das Kaddischgebet kommt erst seit dem zweiten christlichenIahrhundrrt im jüdischen Schristtunl vor. Aber auch wenn die Sage Recht hätte, nach welcher es von R. Akiba oder sogar schon von R. Iochanan herührt, würde es der nachchristlichen Zeit angehören. Dasselbe ist bei dem Gebete des R. Llieser der Fall: „Dein Wille geschehe im Himmel, und Friede des Herzens werde denen zu teil, die auf Lrden dich fürchten". Llieser war ein Schüler Iochanans. Lndlich geht auch der Sohar, der den Ausspruch enthält: „Gott will, daß sein Name auf Lrden verherrlicht werde, wie dies im Himmel geschieht", dem Lvangelium nicht voran, sondern er folgt ihm, und zwar wahrscheinlich erst im Mittelalter. Iu A;>g. 4,12. Lin Boot, in dem zwei Männer saßen, geriet in den Strudel oberhalb des Niagarafalles und kenterte. Die beiden Männer trieben nun unaufhaltsam dem Abgrunde entgegen. Da warf ihnen jemand vom Ufer aus ein Seil zu. Der eine ergriff es und wurde gerettet. Der andre versäumte es, sich des einzigen Rettungsmittels zu bedienen, und ging deshalb verloren. Lr hatte nämlich einen großen Holzblock bemerkt, welcher in seiner Nähe schwamm, und sich an denselben angeklammert. Natürlich konnte ihn dieser nicht retten. Lr und der Block stürzten in die Tiefe. — Linen noch viel verhängnisvolleren Mißbegriff begehen alle diejenigen, welche ihr Heil, ihre Lrrettung von der Sünde und deren Folgen, nicht bei Jesu, sondern anderswo suchen. Lrgreife das einzige Rettungssei!, welches dir helfen farm I Lrgreife es sofort! Sonst könnte es auch für dich heißen: „Zu spät!" Gieb ketttctt Anstoß! 1. Kor. 10, 32. Bei einem Lisenbahnunglück wurde der Führer des entgleisten Zuges schwer verletzt. Als man seinen verstümmelten Körper aus den Wagentrümmern hervorzog, war nur noch wenig Leben in ihm. Aber eine Sorge beunruhigte den pflichttreuen Beamten und öffnete ihm noch einmal den Mund. Mit Mühe brachte er die Worte hervor: „Die Signale heraus für den nächsten Zug!" Und die Gefahr, welche dem letzteren drohte, wurde abgewandt. — So soll es auch des Christen Sorge sein, daß er niemandem einen Anstoß gebe. Wir befinden uns auf demselben Wege mit vielen andern. Diese können über uns zu Fall kommen, aber auch durch uns vor dem Fall bewahrt werden. Sei deinem Nächsten nicht ein Hindernis, sondern eine Hilfe, nicht ein Fluch, sondern ein Segen! Bereite auch den Israeliten, mit denen Gott dich zusammenführt, keinen Anstoß, sondern trage mit Wort und Wandel dazu bei, daß sie der Gefahr des Verlorengehens entzogen, daß sie gerettet und selig gemacht werden! Aer KeschichLsschreiöer Leopold von Zianlre pflegte jeden Morgen mit einem kurzen Morte der heiligen Schrift sich für die Arbeit des Tages zu stärken. Sein als Pfarrer in Berlin wirkender Sohn erzählte kürzlich: „viele ^ahre haben mein Bruder und ich, ehe wir ins Gymnasium gingen, unserm Vater ans einem kleinen Büchlein, der ^Dreifältigen Schnur", drei Sprüche der heiligen Schrift vorgelesen. Sonntags erweiterte sich diese Morgenandacht, indem wir dem Vater das Evangelium und die Epistel des Sonntags