Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 4 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Jesus selbst hat dann vor seinem Tode und nach seiner Auferstehung zwei Gedanken den Jüngern ins Herz geprägt, die sie ganz auf seine Person hinwiesen: daß er zu ihnen kommen werde im Geiste, und daß er einst kommen werde am Ende der Tage. Auch in diesen Gedanken liegt wieder die ganze Verkündigung vom Reiche, denn die Rraft des Geistes Jesu bedeutet das ganze Reich der Gegenwart, und Jesu Rommen am Ende der Tage bedeutet das Reich der Vollendung. Wir sehen auch hier wieder, wie die predigt derApostel in derVerkündigung Jesu selbst wurzelt, denn er selbst hatte sie gelehrt und hatte sie erfahren lassen: Das Reich habt ihr in mir. Gibt diese Verkündigung Jesu vom Reiche uns ein einheitliches Bild? Tine doppelte Antwort müssen wir geben. Einerseits erhalten wir ein Bild von großartiger Einheitlichkeit. Denn alles an dem Reiche hat sein Wesen allein in dem Wesen des heiligen und barmherzigen Vatergottes, wie ihn Lhristus nicht nur predigte, sondern in seinem Wort, Werk und Leiden offenbarte. Das ganze Reich ist ein Gut: Gottesgemeinfchaft, Gotteskindschaft oder wie der Apostel sagt: Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geiste (Röm. \7). Andererseits ist dies Bild darin nicht einheitlich, daß das Reich ganz ein Reich der Zukunft zu fein scheint, auf welches wir uns nur bereiten können, um in dasselbe einzugehen, daß das Reich aber doch auch ganz ein Reich der Gegenwart zu fein scheint, welches in Thristo in die Welt getreten ist und in der Welt wächst und wirkt. Aber der Glaube erlebt und erfährt auch diese Doppelheit als eine Einheit. Wer ein Gotteskind sein will, Jesum seinen Heiland nennt und etwas von der Rraft des heiligen Geistes weiß, der bekennt, daß Gottes Reich sich aufgetan hat und feine Güter und Rräfte Gegenwart sind in dieser Welt. Aber er bekennt auch, daß dies Reich nicht aufgehen kann in dieser Welt, daß man ihm ganz erst angehören kann in einer andern Welt, in die wir einzugehen hoffen, um das unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche Erbe zu empfangen, das behalten wird im Fimmel. Georg Wustmann. Elias Venzamin Frankel wurde \826 zu Wiadfchlawitz in Ruff.-Polen geboren. Leine Eltern wünschten ihn dem Rabbinerberufe zuzuführen. Nachdem er schon in seiner Heimat für denselben vorbereitet worden war, setzte er seine Studien \80ß in Deutschland fort. Doch ging er schon nach kurzer Zeit zu einem Freunde seines Vaters, der in London wohnte. Im Hause dieses Mannes lernte er die „Alten Pfade", die berühmte Schrift Mc Eauls kennen. Die Folge hiervon war, daß feine rabbinifch-talmudifche Denkweise erschüttert wurde. Aber er ließ dann nicht nur den Talmud sondern auch die Bibel fahren. Er bekannte offen seinen Unglauben. Da führte ihn Gottes Gnade mit einem frommen Christen zusammen. Dieser bewog ihn, das Alte und das Neue Testament zugleich zu lesen und ehrlich zu prüfen, ob Jesus nicht der verheißene Messias sei. Jetzt drang Licht in die Seele des jungen Israeliten. Seine jüdische Umgebung merkte die Veränderung,„die mit ihm geschah. Er entzog sich ihrer strengen Überwachung, indem er sich auf den Rat seines christlichen Freundes nach Liverpool begab. Hier fand er bei dem proselyten Lazarus freundliche Aufnahme. Nachdem er dann einige Monate lang täglich im christlichen Glauben unterrichtet worden war, empfing er anl \5. Februar die heilige Taufe. Bald darauf trat er in das Arbeitshaus der L. I.-M. ein. Z8H7 aber wurde er in das Missionsseminar der Britischen Gesellschaft ausgenommen. Dieser Gesellschaft dienteer nun elf Jahre lang. Er wirkte als ihr Missionar besonders in Lyon und Bordeaux. \85<) schloß er sich der englischen Staatskirche an. Er besuchte zunächst eine theologische Lehranstalt derselben in Birmingham und wurde dann zum Diakonus, Z862 aber zum Presbyter ordiniert. In dem soeben genannten Jahre wurde er Missionar der L. I.-M. Diese sandte ihn nach Paris. \86% wurde er nach Jerusalem versetzt. \870 kam er nach Damaskus, \87$ nach Marseille, \875 nach Tunis. \88\ schied er aus dem Missionsdienst aus, um fortan in England als Pfarrer zu wirken. Die letzten Jahre seines Lebens brachte er als Emeritus in Bournemouth zu. Hier starb er am 20. Januar $03. Frankel war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe gingen drei Töchter hervor. Auch die zweite Gattin mußte er (zwei Jahre vor seinem eigenen Tode) sterben sehen. Ein englischer Nachruf nennt Frankel einen liebenswürdigen Charakter, einen Mann von gesundem Glauben und einen treuen und tätigen Missionar. 3u Psalm 8, 3. „Mutter, weine nicht! Gott ist nicht hart. Er ist der liebe himmlische Vater, der seine Rinder lieb hat. Wir müssen nur Glauben und Geduld haben." So sprach ein zehnjähriges Iudenmädchen im Eisenbahnwagen zu seiner durch den Tod ihres Mannes Lief gebeugten Mutter. Die Rleine war mehrere Wochen lang in einem Rrankenhaufe gepflegt worden und sollte jetzt aufs Land gebracht werden, um sich zu erholen. „Liebes Rind", fragte die Mutter, „woher weißt Du das? Sollte Gott sich um uns bekümmern, uns lieb haben?" Das Mädchen erwiderte: „Das habe ich im Hospital gelernt. Schwester Amalie sagte zu nur: „Gott ist die Liebe", und Schwester Amalie sagt immer die Wahrheit. Ich war in der Abteilung für kranke Rinder, und Schwester