Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 4 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 sich als einen solchen erweist. Die verachteten Aindlein haben ihre Engel, die allezeit das Angesicht seines Vaters im Himmel sehen (Zitat. (8, (0). Darin, daß er seine Lonne aufgehen läßt über Böse und Gute und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte, erweist er seine Vatergesinnung gegen alle (Zitat. 5, <$5). In dem Gleichnis, in dem Jesus die tiefsten Empfindungen des Zltenschenherzens in seinem Verhältnis zu Gott zum Ausdruck gebracht hat, stellt er ihn vor uns als den Vater, der den verkommenen Bettler als Lohn erkennt und umfängt (Luk. (5). Aber steht er durchaus als der Vater zu uns, so stehen wir doch nicht von vornherein zu ihm als seine Ainder. Ztur wer in Liebesgesinnung der Vollkommenheit des Vaters ähnlich wird, erweist sich als Aind des Vaters im Himmel (Zitat. 5, ^6). Erst in der Vollendung, wo die reinen Herzen Gott schauen werden, werden auch die Friedfertigen wahrhaft Gottes Ainder heißen (Zitat. 5, 8-9). Die Vatergüte Gottes ist es auch imbesondern, die das Reich gibt: es ist das Reich des Vaters (Zitat. 6,(0; 26,29; ^uk. (2,32). Umgekehrt ist der Menschen AindschafL oder Aindesstellung gegen Gott das Entscheidende für ihre Teilnahme am Reich. Darum ist der Aieinste im Himmelreich größer als Johannes (Zitat. ((, ((). Solcher ist das Himmelreich, sagt Jesus von den Rindern (Zitat. (9, (H), und zu den Großen sagt er: Wenn ihr nicht werdet wie die Ainder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen (Zitat. (8, 3). ZVie die Gerechtigkeit, so ist also auch die AindschafL Bedingung für den Eingang in das Reich und macht doch in ihrer Vollendung das Gut des Reiches selbst aus. Auch hier sehen wir, wie der Gottesgedanke die ganze Vorstellung vom Reiche beherrscht. In der Beziehung zu Gott, der Gotteskindschaft, der Gottesgemeinschaft, der Gottähnlichkeit, liegt das Wesen des Reiches. Dasselbe zeigt sich uns auch, wenn wir noch einzeln die Güter überschauen, die das Himmelreichsgut in sich faßt. Als erstes fei da die Gotteserkenntnis genannt, d. h. die Erkenntnis Gottes in dem oben geschilderten Sinn, wie sie Jesus bringt. Die Offenbarung des Vaters an die Unmündigen ist es, die Jesus in hoher Begeisterung preist (Mat. ((, 25). Aber auch diese Gotteserkenntnis ist hier nur Stückwerk und soll erst im Gottschauen zur Vollendung kommen (Zitat. 5, 8). Diese Gotteserkenntnis wird nun unmittelbar im Menschen zu einem Streben, einer innern Bewegung, dem Trachten nach Gerechtigkeit, nach dem Reiche, nach der Vollkommenheit. Dies Streben wird dereinst wirkliche Vollkommenheit als das Gut des Reiches erlangen. In diesem Streben aber übt das Gotteskind eine Herrschaft über die Welt aus. In dem unbedingten Vertrauen, daß der Vater der Herr der Welt, und daß der Herr der ZVelt der gütige Vater ist, sind die Gotteskinder Herren über diese Zvelt. Aber ebenso erweisen sie sich als solche durch die Zitacht ihrer dienenden Liebe, wie ja auch Ehristus gekommen ist, zu dienen und sein Leben zu geben (Zitat. 20, 26 ff.). Auch dies ist schon gegenwärtige Reichsherrlichkeit, unb doch weist sie nur auf eine andere hin, wo die Gotleskinder in vollen: Sinne erhaben und mächtig sein werden in Gott über die Welt. Solche AindschafL ist weiter auch lauter Friede und Freude. Die Gottlosen wissen nicht, was zu ihrem Frieden dienet (Luk. (9, H2), sonst kämen sie zu Jesus, der sie erquicken will (Zitat. ((,28). Selig sind die Seinen schon jetzt zu preisen in ihrem Sehen und Hören der herrlichen Gegenwartsoffenbarung (Luk. (0, 23), volle Seligkeit aber gibt ihnen erst die zukünftige Gottesgemeinschaft (Zitat. 5, 3 ff.). Ztoch ein Wort ist es, in dem das ganze Gut des Reiches ausgesprochen ist: Leben, ewiges Leben. Jesus hat davon geradezu gesprochen wie von dem zukünftigen Reiche (Zitat. 7, (H; 25, H6; Zltf. (0, (3.(7). Aber gerade an diesem Worte zeigt uns das Iohannesevangelium deutlich, wie die Jünger auch hier das Verheißene bereits als Besitz der Gegenwart erfahren haben: Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben (Ioh. 3,(5; ((,26; (7,3). Ein Gut haben wir noch nicht genannt, in dem wir doch das Heil im tiefsten Sinne beschlossen finden: die Vergebung der Sünden. Es wird freilich in den Evangelien auch von Sündern als einer besonder:: Alasse geredet: es sind damit die am tiefsten Gefallenen gemeint, denen sich Jesus ganz besonders zuwandte. Aber dabei ist doch die Ziteinung nicht, als habe irgend einer das Gut der Sündenvergebung nicht nötig. Jeder einzelne steht Gott gegenüber wie der Anecht, dem (0 000 Talente erlassen sind (Zitat. (8,23 ff). So gewiß die Sünde im Grunde das einzige Hindernis ist, ins Gottesreich einzugehen, so gewiß muß die Sündentilgung das ganze Himmelreich aufschließen. Darum hat auch Jesus in den Gleichnissen vom verlorenen Sohn und vom Pharisäer und Zöllner (Luk. (5 u. (8) in der Befreiung der Seele vom Schuldgefühl die ganze Seligkeit der Gotteskindschaft geschildert. Auch hat er die Rettung der Sünder als seines ganzen Wirkens Zweck bezeichnet (Luk. (9,(0; (5). So hat Luther recht mit seinem Worte: Wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit. Zluch in diesem Gute ist das ganze Himmelreich, alle Gottesgnade und Gottesgemeinschaft beschlossen. Nun haben aber die Apostel Iesum selbst als Grund und Bürgschaft der Sündenvergebung bezeichnet, und so werden wir an dieser Stelle noch zu der Frage geführt: Welche Stellung hat denn Jesus selbst in seiner Verkündigung vom Reiche? ZVelche Bedeutung hat seine Person für das Reich nach seiner eignen Verkündigung?