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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 4 (1903) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
4 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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26 werde ich dahin fommcit, daß ich Gottes Angesicht schaue?" Lesen Sic es mit solchen: heißen Verlangen und dem aufrichtigen Gebet zu dem allbarmherzigen Gott, daß Gr Sic die Wahrheit erkennen lasse! Gewiß, es wird nicht ungesegnet sein ... Mit den besten Wünschen für Ihr zeitliches und ewiges Wohlergehen bleibe ich Ihr hochachtungsvoll ergebener F. Seebaß. Eine Antwort auf dies am 30. Mai $03 von Helmstedt abgesandte Schreiben, dessen Abdruck uns gütigst gestattet wurde, traf bei Herrn Oberamtsrichter Seebaß nicht ein. Jesu Verkündigung vom Reiche Gottes. (Schluß). Mit großer Entschiedenheit verkündet Jesus, daß von jedem, der in das Gottesreich eingehen will, etwas verlangt wird, daß keiner schon so, wie er ist, reif ist für das Reich. Nicht als Volk gehen die Menschen ins Gottesreich ein (damit ist die nur nationale Hoffnung Israels überwunden), sondern jeder einzelne muß seine Seele retten. Gin schmaler Weg, aus dem nur wenige gehen, und eine enge Pforte führen in das Reich (Mat. 7, (3). Wer nach dem Reiche Gottes trachtet, der muß nach der Gerechtigkeit trachten, die darin verlangt wird (Mat. 6, 33). Auf dies eine also kommt es an: nur die Gerechten gehen ein in das Reich, hier fragten viele: Sind wir denn nicht gerecht? Wir halten doch das Gesetz. Da lautete Jesu Antwort: Gs sei denn eure Gerechtigkeit besser denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen (Mat. 5, 20). Worin besteht aber die bessere Gerechtigkeit? Zunächst: nicht in Worten, sondern im Tun des Willens Gottes (Mat. 7,2h. Diesen Willen Gottes setzte Jesus einerseits als einen bekannten voraus. Gr fand ihn in vollkommener Form ausgesprochen in dem großen Doppelgebot der Liebe (Mat. 22, 37 ff.). Andrerseits war er sich doch bewußt, diesen Willen den Menschen so kundzutun, wie sie ihn noch nicht erfahren hatten. Gr setzt dem alttestamentlichen Wort sein: Ich aber sage euch! gegenüber und zeigt in der Bergpredigt (Mat. 5), daß es auf die innerlichste Aneignung des göttlichen Willens ankomrnt im Gegensatz zu aller nur äußerlichen Gesetzeserfüllung. Schon der Gedanke des Haffes, schon der begehrliche Blick sind Sünde. Der innere Mensch n:uß anders werden, denn nur der gute Baun: bringt gute Früchte (Mat. 7, (7). So bedeutet diese innerliche Aneignung des göttlichen Willens nichts anderes als das innerliche Verwandeltwerden in die Ähnlichkeit des Wesens Gottes. Darum sollt ihr vollkonnnen sein, gleichwie euer Vater in: Himmel vollkonnnen ist (Mat. 3, ^8): dies Wort faßt das ganze Wesen der Gerechtigkeit des Reiches zusammen. haben wir diese Gerechtigkeit zunächst als die Bedingung für das Gingehen in das Reich genannt, wie ja auch Jesus bas Leben in: Reich als Lohn der Vergeltung dem Gerechtigkeitsleben gegenüberstellt, so findet sich daneben auch noch ein tieferer Gedanke. Wenn Jesus die selig preist, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit (Mat. 5, 6), wenn er das Trachten nach dem Reich gleichstellt mit dem Trachten nach der Gerechtigkeit (Mat. 6, 33), so ist hier ja die Gerechtigkeit selbst als das Gut vorgestellt, das man im Reiche ersehnt, und dadurch wird dessen sittlicher Lharakter in das hellste Licht gerückt. Aber aus dem Vorigen geht schon hervor, wie das sittliche Leben, das Jesus fördert, durchaus religiös begründet ist. Das Wesen der Gerechtigkeit hat seine Wahrheit und Wirklichkeit in Gott selbst, und darum ist auch das Wesen des Reiches allein bestimmt durch das Wesen Gottes. Wie hat Jesus von dem Wesen Gottes gesprochen? Da ist zuerst zu betonen, daß Jesus die unendliche Erhabenheit und Heiligkeit Gottes durch die predigt von seiner Vaterliebe nicht etwa verdunkelt, sondern daß er sie erst ins volle Licht gestellt hat. Der Vater, zu dem wir beten sollen, ist der Vater im Himmel, und unser erstes Anliegen soll sein, daß sein Name geheiligt werde (Mat. 6,9). Welche heilige Ehrfurcht Jesus Gott gegenüber forderte, das zeigen z. B. feine Worte über den Gib (Mat. 3, 33 ff.). Wir sind vor Gott nichts als unnütze Anechte (Luk. \7, (0). Aber er hat alle Macht in der natürlichen Welt, wo ihm kein Wunder unmöglich ist (Mat. (7,20), wie in der Welt des geistigen und seelischen Lebens: bei Gott sind alle Dinge möglich (Mat. $, 26). Die Krone seiner Welterhabenheit aber ist eben seine Heiligkeit, die Vollkommenheit des Wesens und Willens (Mat. 5, ^8). An diesem erhabenen und heiligen Wesen Gottes muß nun auch sein Reich teilhaben. Daraus ergibt sich der gewaltige Ernst der Forderung, Gott allein zu fürchten, das ernste Entweder — - Oder: die Seele erretten oder verlieren. Dieser Eindruck der Größe und Heiligkeit Gottes war es, weshalb sich das Volk entsetzte über Jesu Rede (Mat. 7,28). Gerade das ist nun aber das Wunderbare an der Gottesverkündigung Jesu, daß der heilige Herr der Welt zugleich der gütige Vater ist. Freilich hat Jesus auch den Vaternamen nicht zuerst auf Gott angewendet, aber er hat ihm einen durchaus neuen Inhalt gegeben, weil er von Gott als seinem Vater redete aus seinem einzigartigen Sohnesbewußtsein heraus: Niemand kennet den Sohn, denn nur der Vater, und niemand kennet den Vater, denn nur der Sohn und wen: es der Sohn will offenbaren (Mat. \\f 27). Aber seinen Vater kannte Jesus auch als den Vater überhaupt, der aller Vater sein will und

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