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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 4 (1903) · page 1

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Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
4 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 Dtbre 6metb. 1 Cin Uiertellal>r$blatt für Israeliten und Freunde Israels. 1903. 59. Jahrgang. HI«. 4. Jnhcrkt: Lin christlicher Jurist an einen jüdischen Theologen. — Jesu Verkündigung vom Reiche Gottes. — Elias Benjamin Frankel. — Zn Psalm 8,3. — Zu Matth. 6, 9 ff. — Zu Apo. %\2.— (Sieb keinen Anstoß! Kor. \o, 32. — Der Geschichtsschreiber Leopold von Ranke. — Das Wort Christi. — Zum Nachdenken. — Kleine Missionszeitung. — Aus der jüdischen Presse. — Bücherbericht. — Antwort. — Empfangsbescheinigung. Ein christlicher Jurist an einen jüdischen Theologen. hochgeehrter Herr Rabbiner! Es Hai mich tief bewegt, daß früh und abends, beim Beginn und beim Schluß des Gottesdienstes, der Israelit in der Synagoge betet: „Erhöht und geheiligt fei fein erhabener Name in dieser Welt, die er nach seinem Willen geschaffen hat!" Ganz ähnlich lautet die erste Bitte des Vaterunser: „Geheiliget werde dein Name!" Dann folgt an zweiter Stelle die Bitte: „Dein Reich komme!" und an dritter Stelle: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden!" Also auch bei uns Christen wird vor allem auf die Verherrlichung und Ausbreitung der göttlichen Majestät Gewicht gelegt. Erst an fünfter Stelle kommt die für uns sündige Menschen so dringend notwendige Bitte: „Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unfern Schuldigern vergeben!" So hat es uns unser Herr und Meister, der aus Juda hervorgegangene Jesus- Messias, selbst gelehrt Warum, hochgeehrter Herr Rabbiner, warum will das Volk Israel diesen seinen größten Sohn immer noch nicht als seinen Messias und König anerkennen? haben sich nicht vor Ihm willig so große Männer, wie Karl der Große, Otto der Große, Luther, Gustav Adolf, Freiherr von Stein, Leopold von Ranke, Michel Angelo, Bach, Händel, und andere Fürsten im Reiche des Geistes gebeugt? Warum verweigert das Volk, aus dem Er herstammt nach dem Fleisch, Ihm die Ehre, die Ihm gebührt? Warum stößt es den von sich, der, als er noch auf Erden wandelte, Kranke gesund gemacht, Teufel ausgetrieben, Tote auferweckt, Sünden vergeben und verlorenen Menschen neues Leben geschenkt, der Seinem Volke nur Gutes, nichts als Gutes erwiesen hat? Klar und deutlich hat Mose seinem Volke es bezeugt, daß es ohne Blutvergießen auf keine Sündenvergebung rechnen könne (3. Mos. \7, U). So möchte ich Sie, hochgeehrter Herr Rabbiner, nun fragen: Wo ist das Blut, durch welches das Volk Israel von seinen Sünden gereinigt werden kann, nachdem mit der Zerstörung Jerusalems auch die Kultusstätte, der Tempel, wo die Opfer dargebracht werden sollten, dahin gesunken und Israel nach dem Worte des Propheten hofea (hosea 3, H) ein Volk „ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Leibrock und ohne Heiligtum" geworden ist? Wir Christen kennen das Blut, ja, wir haben es, das uns von unfern Sünden reinigt. Es ist das Blut des unschuldigen und unbefleckten Lammes, dessen schwache Vorbilder die nach dem Alten Testament Gott dem HErrn darzubringenden Tieropfer waren, des Lammes, von dem schon Iesaia 53 in so großartiger, liefergreifender Weise geweissagt ist. Aus Golgathas höhe ist dieses Blut vergossen, und es ist genugsam, um die Sünden der ganzen Welt zu tilgen. Dieses Blut hat auch Israel nötig, sonst kann es vor dem heiligen, auch die kleinste Sünde hassenden und strafenden Gott unmöglich bestehen. Werden wir Menschen nicht durch das rechte Blut von unfern Sünden gereinigt, so muß uns Gottes Heiligkeit zurückschrecken; wir müssen vor Gott uns fürchten, wie Israel sich fürchtete, als es zu Mose sprach (2. Mose 20, t9): „Rede mit uns, wir wollen gehorchen; und laß Gott nicht mit uns reden, wir möckten sonst sterben." Ich bitte Sie, hochgeehrter Herr Rabbiner, in dieser so unendlich wichtigen und heiligen Sache, bei Ihrer Seelen Seligkeit, denken Sie den vorstehenden Worten weiter nach! Vielleicht haben Sie aus wissenschaftlichem Interesse das Neue Testament ganz oder zum Teil gelesen. Nun bitte ich Sie herzlich: Lesen Sie es einmal in der Ursprache, aber mit solchem Verlangen, wie es im ^2. Psalm (V. 2 und 3) geschildert wird: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. Wann

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