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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 3 (1903) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
3 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mufti, bot öbovprtoftcr bor Stabt, der hiervon hörte, verbot bas weitere Lesen in ber Bibel. Er brohte Muftapha mit Ausstoßung, falls er ihrn nicht gehorche. Inbesfen konnte er es nicht verhinbern, baß biefer sich heimlich noch weiter mit bem Buch ber Bücher beschäftigte. Mustapha überzeugte sich jetzt immer mehr von ber Wahrheit ber christlichen Religion unb wünschte enblich getauft zu werben. Als in Itrfa kein christlicher prebiger bie Taufe zu vollziehen wagte,; reiste er auf ben Rat christlicher Freunbe nach Diarbekir. Aber zunächst ging weber in bieser noch in einer andern Stabt sein Wunsch in Erfüllung. Die Protestanten, an bie er sich gewanbt hatte, wollten ihm nicht zur Taufe verhelfen. Da suchte er seinen Zweck bei ben Katholiken zu erreichen. Die Franziskaner in jener zweiten Stabt nahmen ihn freunblich auf unb unterrichteten ihn, währenb sie in Urfa seinetwegen E'rkunbigungen einzogen. Schließlich taufte ihn ein Kapuziner. Nach ber Taufe, bei welcher Mustapha auf sein Verlangen ben Nanien „Johannes" erhielt, unterstützten bie Mönche ben neuen Mitchristen mit Reisegeld. Dieser fand in seiner Heimat, in bie er zurückkehrte, viele Feinde. Seine Familienglieber und andere Muhammedaner betrachteten ihn als einen Abtrünnigen, hätten sie von seiner Taufe gewußt, so hätten sie ihn getötet. Aber er verschwieg dieselbe. Nur sein vertrauter Freund, ein protestantischer Pfarrer, erfuhr das Geheimnis. Auch die Ehristen mieden ihn, obwohl er ihren Amgang suchte und sich an dem türkisch-protestantischen Gottesdienst beteiligte. Täglich schöpfte er aus der Bibel Trost und Kraft. Gerne besprach er sich auch mit einem Gesinnungsgenossen über das Gelesene. Während des Blutbades, welches $95 Tausenden von Ehristen den Tod brachte, blieb er verschont. Als später die deutsche Orientmission ein Hilfswerk in Urfa begründete, schloß er sich an sie an. Er kam oft in das von ihr eröffnete Waisenhaus. Alle Leiden, die über ihn hereinbrachen, ertrug er gelassen. Er imirrte nicht, als ihm alles Wertvolle gestohlen wurde, auch nichts als fein Sohn, ein fanatischer Türke, ihn in schändlicher Weise behandelte. Zm Mai $02 erkrankte er schwer. Zwei Monate später entschlief er. Der Mann, der sein letzter irdischer Freund sein durfte, sagt von diesem Ehristen aus dem Zslam: „Seine Stellung war eine schwere, aber er hat in dieser doch Ehristenarbeit getan. Er hat Geduld geübt und Gottes ewige Wahrheiten überall, wo sich Gelegenheit bot, offen ausgesprochen und hierdurch viele seiner alten Glaubensgenossen innerlich dem Evangelium Zesu Ehristi näher gebracht." Derselbe Freund schließt seinen Nachruf mit den Worten: „Warst du in diesem dürren Land meist unverstanden, unbekannt: dort gibt es Freunde, die dich kennen; dort wirst du mit der Himmelsschar Ihn: jauchzend dienen immerdar und in der reinsten Liebe brennen." Ein frommer Kriegsmann. Der am 30. April \8os geborene, am 23. Februar \S7<) verstorbene preußische Feldmarschall und Kriegsminister Graf von Roon war ein echter Christ. "Sei der jüngst stattgehabten Leier feines \oo. Geburtstages wurden manche goldene Morte von ihm tu weiteren Kreisen bekannt. „Mir ntitffeti alles Gott an heint stellen", äußerte er einmal, „darauf werden ivir recht mit eiserner Notwendigkeit hingewiesen. Alles Miderstrebetl menschlichen Hochmuts hilft nichts: er tnuß sich gefangen geben". Ähnliche Aussprüche lauten: „wie Gott will! Hilf mir beten, daß wir in der Finsternis, die uns tiefer und tiefer zu umhüllen scheint, den einzigen noch übrigen Leitstern nicht verlieren: das vertrauen auf unseres Herrgottes Hilfe und vatertreue!" „Der kleine David hatte nur Kieselsteine und ein tapferes Herz. Gott ist es, der den Sieg gibt, nicht Stärke oder Mitz". „Mas find die Menschen! Auf sie sollen wir nicht bauen, sondern auf die Gnade und Gerechtigkeit des HErrn". Nach der Mobilinachung ^870 schrieb er: „Dennoch wollen wir nicht Fleisch für unfern Arm halten, sondert! nur durch und mit Gott Taten tun". Im Blick auf die Ewigkeit bemerkte er: „wenn mir immer bedächten, daß jeder Augenblick uns vor die Schranken der Ewigkeit führen kann, so würden wir auch rechtzeitig unser Haus bestellen". „Ich denke recht viel an mein Ende. Und ist das nicht auch zum Denken? Fertig zum Scheiden aber fühle ich mich dennoch nicht. Nein, ich möchte wohl noch eine mäßige Verlängerung der Gnadenfrist für den nun bald 7pjährigen Pilger, nicht bloß um meine irdischen Erinnerungen und Angelegenheiten besser zu ordnen, sondern auch, und noch viel tnehr, um mein himmlisches Konto richtiger zu stellen, wiewohl ich zuverlässig das Debet (die Schuld) je länger desto größer befinden werde. Indes Gott sitzt im Regiments". J876 schrieb Graf Noon an den Fürsten Bistnarck: „Innigst hoffe und wünsche ich, daß Sie neben und nach den Mühen und Leiden Ihrer großen Rolle das Bewußtsein sich erhalten, resx. wiederbeleben, daß die Triumphe und Erfolge menschlicher Größe, daß alle Freuden, aller Glanz und Schimmer dieses unseres dunstigen, frönerischen Erdendaseins nichts sind im vergleich mit der uns in Ehristo verheißenen ewigen Herrlichkeit". Des Grafen Lieblingslied war: „Ach, Gott, verlaß mich nicht!" Als Inschrift für die Familiengruft in Krobnitz, in welcher er seine letzte Ruhestätte fand, wählte er Iesaia 57, 2: „Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern". Diesen Bibelvers behandelte auch die Rede, die bei seiner Beerdigung gehalten wurde. Anm Wachdenken. Siehe, das ist Gottes Lamm, hierauf steht der Grund aller christlichen Lehre. Mer die glaubt, der ist ein Thrift; wer's nicht glaubt, der ist kein Christ, der wird sein Teil auch finden. Es ist ja klar genug gesagt, und ist der Text Gottes Mort und nicht unser Mort, noch von uns erdacht. Aber die Welt will nicht hinan, will dem lieben Lämmlein die Ehre nicht gönnen, daß wir allein selig würden darum, daß es unsere Sünden trägt. Sie will auch etwas sein, und je tnehr sie tun will und Sünde büßen, je ärger sie es macht. Denn außer diesem Läntmlein ist kein Sündenbüßer. Gott will sonst vott keinem wissen. Das Gesetz legt die Sünde auf tnich, aber Gott nimmt sie von mir und legt sie auf dies Lamm. Da liegt sie recht wohl und besser denn auf mir. (Luther.) 2. Wenn der Mensch aus dem Evangeliutn deutlich erlernt, wie er ttichts ist, nichts vermag ohne Gott, er aber dabei Gott so gnädig findet, daß er seinen eignen Sohn uns zu einer sicheren Erlösung verliehen, so daß wir durch ihn zu Gott kommen dürfen und können: so muß wohl folgen, daß dem Menschet! nichts anderes gepredigt werden soll, als dasjenige, worin unser Heil beruht, das ist aber das Evangelium. Christus hat auch dieses allein zu predigen empfohlen, und zwar solle man es allen Kreaturen predigen, Mark. (6,(5. Dieses Evangeliutn des Mortes Gottes, oder diese gewisse Botschaft des Reiches Gottes, wird in aller Welt gepredigt zu einem Zeugnis und einer Kundschaft allen Völkern, Mat. 2§, Der himmlische Vater hat auf dem Berge der Verklärung also gesprochen: „Dies

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