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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 3 (1903) · page 8

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Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
3 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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24 ist mein lieber Soljtt, an dem ich ein Wohlgefallen habe, den höret!" Er spricht nicht: Höret einen anderen, höret die Vater, höret die Philosophen, sondern höret den! Daher soll das Evangelium allein gepredigt werden. (Zwingli.) 5. Alle meine erworbene Weisheit nnd Klugheit und Seelen* Heiterkeit fällt von mir ab, und ich weiß nichts Zu tun, als im Gebet zu dem zu flüchten, der die Erbarmung hatte, ein heiliger Gott als nackter Erdeusohn zu uns zu kommen und dem Schwerbeladenen, der zu ihm sich flüchtet, Stütze, Trost zu sein und aus Glauben und Liebe die Hoffnung zu erwecken, die ohne Ihn in uns ein kalter Schimmer ist. wenn ich dann frei von allem Außenwerk und fremdem Wesen so glücklich war, vor seinem Allgesicht zu kuieen und eine süße Träne der Demut und der Heue zu vergießen, dann strömt ein ganzer Strom von neuem, unnennbarem Segen fühlbar auf mich herab, und es wird nach langer Dunkelheit wieder Licht in mir . . . Über mein Ewiges wird mein Heiland, mein Erlöser in seiner Barmherzigkeit entscheiden. In tiefem Bewußtsein meiner Schwächen und Sünden bin ich doch voll Zuversicht und Vertrauen, da ich weiß, daß Gott die ewige Liebe und Gnade ist. und daß mein Erlöser lebt, der seine Gläubigen der Gnade des Ewigen und Gerechten teilhaftig macht. (Karl von Ritter, der größte Geograph der Neuzeit, gest. 1859.) Jüdische ßhromk. Die neue Berliner Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums beschloß ein zunächst auf 25 Bände berechnetes Werk herauszugeben, welches einen Grundriß dieser Wissenschaft enthalten soll, womöglich wird alljährlich ein Band erscheinen. Für die einzelnen Fächer wurden zehn Kommissionen gebildet. Die Gesellschaft bewilligt jüdischen Gelehrten bis zu einer Dauer von drei Jahren Beihilfen zu ihren Arbeiten: in der Regel jooo KT. jährlich. — Die seit 1765 in Berlin bestehende Gesellschaft „Haspakatb Ebionim“ beschenkte in den letzten drei Jahren 825+844+1021 Familien mit Brennmaterialien. — Die Vereine zur Förderung des Handwerks und der Bodenkultur unter den deutschen Juden schlossen sich ebendaselbst zu einem verbände zusammen. — Bei der letzten Jahresversammlung des Vereins „Esra", welcher Ackerbau treibende Juden in Palästina und Syrien unterstützt, erfuhr man, daß die Mitgliederzahl jetzt über 5050 beträgt und im vorigen Jahre 12 767 M. an Jahresbeiträgen eingingen. Der Verein widmete feine Fürsorge hauptsächlich der einzigen jüdischen Ansiedlung im Gstjordanlande, „B'ne Iehuda". — Am 27. April d. I. redete der Karlsbader Rabbiner Dr. Ziegler in Berlin über „Die jüdische Propaganda in der hellenisch-römischen Zeit." Nach der A. Z. d. I. zeichnete er „ein Bild jener Epoche, da das Judentum unter die Heiden ging, werbend, erobernd, voll Lebenskraft und Energie, um das Heidentum emporzuheben aus seinem moralischen Sumpf, aus seinem Lebensüberdruß zur Sittlichkeit und Gotteserkenntnis." Der Vortrag bezeugte also aufs neue die bekannte Tatsache, daß auch Israel Mission getrieben hat. — In Breslau wurde der prächtige Neubau des israelitischen Krankenhauses feiner Bestimmung übergeben. Die Anstalt nimmt jetzt Kranke ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses auf. — Die 19. Generalversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens empfahl die Einrichtung jüdischer Jünglings- und Iungfrauenvereine. —Nach Basel wurde für den 23. August der 6. Zionistenkongreß einberufen. — Der 3. österreichische Zionistentag fand Ende Juni in Wien statt. — In Meran starb der preußische Geh. Regierungsrat Prof. Di'. M. Lazarus, ein Mitbegründer der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. — Das von Direktor M. Lazarus in Lemberg gestiftete jüdische Krankenhaus daselbst wurde am 7. Juni eingeweiht. — Eine Feuersbrunst, die zu Uhnow in Galizien ausbrach, führte zu einer Erhebung gegen die dortigen Juden. — Ein russisches Gesetz vom 10. Mai d. I. räumt den Juden in 15 Gouvernements 101 Ortschaften, die ihnen früher verschlossen waren, zur Niederlassung ein. — In Kiew wurde der Ingenieur S. I. Lurje zum Gemeinderabbiner gewählt. — In Kischi u ew fand eine Iudenhetze statt, bei welcher 47 Israeliten getötet, 92 schwer nnd 545 leicht verwundet wurden. Auch an anderen Orten Bessarabiens kamen Ausschreitungen gegen die Juden vor. — Die Pariser Israelit. Allianz hat jetzt 3000 Schüler in Elementarschulen, 1000 in Werkstätten, 250 in Ackerbauschulen. 120 Zöglinge werden für ein Lehraurt ausgebildet. Ihr Rabbinerseminar in Konstautinopel dient dem Orient und Nordafrika. — In New - p 0 rk starb Di'. G. Gottheil, der Rabbiner der Emanuelgemeinde. -- Zur Statistik. Nach H. Zeller, dem Direktor des württembergischen statistischen Landesamts, wird die Erde jetzt von 1544510000 Menschen bewohnt, von denen 825 420 000 Heiden, 534 940 000 Christen, 175290000 Muhammedaner, 10860000 Israeliteil sind. Auf je 1000 Menschen kommen 553 Heiden, 346 Christen, 114 Muhammedaner, 7 Israeliten. — Dr. A. Ruppin nimmt für die Israeliten die Zahl 10 274 000 an. von diesen besitzt Europa 8 649 000 (Rußland 5189000, Österreich 1225000, Ungarn 851 000, Deutschland 587 000, Rumänien 269 000, Großbritannien 160 000, Niederlande 104 000, Europäische Türkei 76 000, Frankreich 72000, Italien 58 000. Bulgarien 28 000, Schweiz 13 000, Ostrumelieu 7000,. Bosliien 5900, Griechenland 5800, Dänemark 4100, Serbien 4000. Schweden und Norwegen 5700, Belgien 3000, Spanien und Portugal 2500, Luxemburg 1000); Amerika 1000 000 (ver. Staaten 900 000, andre Länder 100 000); Afrika 500 000 (Marokko 200 000, Algerien 49 000, Tunis 45000, Ägypten 16 000, Tripolis 10000, andere Länder 80000); Asten 210 000 (Palästina 75 000, Persien 20 000, Arabien 15000; andre Länder außer ben russischen Gebieten 100000); Australien und Ozeanien 15000. Ruxpins Berechnungen beziehen sich auf das Jahr 1900. — In demselben Jahre gab es in Preußen 4052 Mischehen zwischen Lhristell und Juden gegen 3287 im Jahre 1895. Aus jenen 4052 Ehen gingen 5783 Kinder hervor, von denen nur 1401 als Juden eingetragen wllrden. 1500 Ehen waren überhaupt kinderlos. Antworten. „Gott ist in Juda bekannt, in Israel ist Sein Name herrlich," fingt Affaph (ps. 76,2), Doch dem tiefer eindringenden Geiste genügte schon damals die a.t. Offenbarung nicht, vergleichen Sie die Klagen: „Fürwahr, Du bist ein verborgener Gott" (Ies. 45,15), oder die Worte der Sehnsucht: „Ach, daß ich wüßte, wie ich Ihn finden und zu Seinem Stuhle kommen möchte" (Hiob 23, 3), und „Ach, daß Du den Himmel zerrissest und führest herab.., daß Du Deinen Namen Deinen Feinden zeigtest und die Heiden vor Dir zittern müßten" (Ies. 64,1 f.)!— wenn Friedrich Delitzsch meint, außer der Gottesoffeubarnnb, die jeder im Herzen trage, brauche man keine, so kann ein größerer Denker, Immanuel Kant, ihn seines Irrtums überführen. Ein Ausspruch Kants lautet: „Man kann wohl einräumen, daß, wenn das Evangelium (resp. die Schrift) die allgemeinen sittlichen Gesetze in ihrer ganzen Reinigkeit nicht vorher gelehrt hätte, die Vernunft bis jetzt sie nicht in solcher Vollkommenheit würde eingesehen haben." Indessen behauptet Delitzsch, er habe am 12. Januar d. I. uur davon geredet, daß wir eine persönliche, unmittelbare Gottesoffenbarung nicht verdienen. Dies Wort findet sich auch im Abdruck des Vortrags, der vor Kaiser Wilhelm II. gehalten, aber dann von diesem angegriffen wurde. Gegen die Herabwürdigung des Alten Testaments durch Delitzsch erhob neben andern der Deutsch-Amerikaner Prof. Dr. Hilprecht, der im Aufträge der Universität Philadelphia seit dem Jahre 1888 in Babylollien mehrfach Ausgrabungen vornahm, seine Stimme. — Eitle ausführliche Antwort auf die Frage: „was lehrt Jesus mit Bezug auf das Reich Gottes?" gibt die in dieser Nummer der „D. E." auf Seite 18 beginnende vortreffliche Abhatldlung, welche wir detn Inspektor am evangelischen Theologenheim in Wien, Herrn Die. G. wustmann, verdanken. Herausgeber: Prediger w. Becker, Wien I1I/l, Hainburgerftr. 21. — Schriftleitung und Verlag: I. witldolff, Berlin SW, 12. Lharlottenstr. 88. — Iahrespreis: 60 Pf. oder 72 H.ö. w. Druck von I. windolff in Berlin SW., Lharlottenstr. 88.

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