Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1903-01-01 · 3 (1903) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
3 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2555092-2555095--10261-2566499
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 3tt Mat. 6, 33. „Die Menschen reisen weit, um hohe Berge zu besteigen, die Majestät des Ozeans zu betrachten oder die Quellen der großen Flüsse zu erforschen, aber sie vernachlässigen sich selbst." So schreibt der Airchenvater Augustin in seinen „Bekenntnissen." Auf diesen Ausspruch fiel petrarkas Blick, als er einen lange gehegten Wunsch erfüllt sah und eine Alpenhöhe erreicht hatte, die eine weite Aussicht gewährte. Er hatte die „Bekenntnisse" auf die Reise mitgenommen und zog sie angesichts der Wunder des Gebirges aus der Tasche. Die Worte Augustins machten einen tiefen Eindruck auf den berühmten Dichter. Er sagte sich : „Wenn ich mich so angestrengt habe, um diesen Berg zu ersteigen, damit mein Leib dem Fimmel näher wäre: was müßte ich tun, damit meine Seele den Gefilden der Unsterblichen näher käme!" — vergessen wir nie, am ersten nach dem Reiche und der Gerechtigkeit Gottes zu trachten und so für unser eigentliches, unsterbliches Wesen zu sorgen! Iu^Galater % 20. _ Ein Israelit, dessen Heimat Palästina war, Zadok mit Namen, bemühte sich ehrlich, das Gesetz Gottes zu erfüllen. Ebendeshalb warf ihn dasselbe mit seinem gewaltigen „Du sollst" zu Boden. „Ich kann nicht," seufzte er immer wieder. Er fühlte sich durch eine tiefe Kluft von dem Ewigen getrennt. Ein Ehrist, dem er sein vertrauen schenkte, verwies ihn auf den Heiland. Aber Zadok lehnte die ihm angebotene neutestamentliche Schrift ab. Er sagte: „Nur wenn dies Wort lebendig wird, will ich es glauben." Ls dauerte lange, bis er echte Jünger Jesu fand, viele Ehristen, mit denen er verkehrte, fluchten, zankten sich, übervorteilten einander und trieben auch sonst noch manche böse Dinge. Einzelne waren wie er selber bestrebt, das Gesetz zu erfüllen, aber sie dienten um Lohn, nicht aus Liebe zu Jesu. Endlich aber sah er das wort des neuen Bundes in Menschen verkörpert. Als er eines Abends durch eine einsame Gegend wanderte, stieß er auf eine hilflose Glaubensgenossin, ein junges Mädchen. „Rette mich vor den Ehristen!" bat die Anglückliche. „Sie haben die Meinigen getötet und unser Haus verbrannt." Zadok lachte laut auf, als er dies hörte. Er schalt sich einen Narren, daß er bei den Ehristen den Erlöser gesucht hatte, und erhob drohend die Faust. Dann brachte er die Leidende in ein kleines Haus, das an: Wege lag. Das christliche Ehepaar, welches hier wohnte, nahm Zadok und seine Begleiterin liebevoll auf. Die Gatten behielten beide bei sich, als die junge Jüdin am andern Morgen zu schwach war, uni weiter zu reisen. Zadok half denn Hausherrn bei der Urbarmachung des harten Bodens. Er gewann die Familie immer lieber. Zuletzt stellte es sich heraus, daß diese Ehristen einst das schöne Haus bewohnt halten, dessen Zerstörung die Jüdin beweinte. Der Vater des jungen Mädchens hatte die christliche Familie durch unehrliche Mittel von ihren: Stammsitz vertrieben. Als Zadok sah, mit welcher Liebe man der Tochter die Sünde des Vaters vergalt, da bekannte er, daß er den Messias inseinen Jüngern gefunden habe. Jetzt lieh er willig sein Ohr der Botschaft: „Glaube, und du wirst leben." Seine Gefährtin blieb ganz in diesen: Hause. Er aber entschloß sich, wieder nach Palästina zu wandern, in seine und seines Messias hein:at. „hier hat der gewandelt," so sagte er sich fröhlichen Herzens, „der n:ich vom Banne der Schuld erlöst hat, und dessen Mort in seinen echten Jüngern fortlebt." In Palästina wollte er seinen: Erlöser fortan leben. Das Evangelium unter Muhammedanern. \ Wie das „Badische Kirchenmrd Schulblatt" berichtet, sah ein Reisender an: Libanon in den: Hause eines Häuptlings ein großes Zimmer, in welchem der Fußboden auf der einen Seite wie zu einer Rednerbühne erhöht war. Auf feine Frage nach der Bedeutung dieses Raumes erzählte der Häuptling folgendes: „vor fünf Jahren erhielt ich bei einem Besuch in Sidon von einem Ausländer ein kleines Buch. Ich las es und fing auch an, es andern vorzulesen. Da fanden wir so viel herrliches und Anziehendes in diesen: Buche, daß wir beschlossen, abends zusamn:enzukomn:en, es ge:neinsa:n zu lesen und uns über das Gelesene zu besprechen. Unsere Zusammenkünfte fiuöert in diesen: Zimmer statt." An: Abend wohnte der Reisende selber einer solchen Versammlung bei. Es erschienen zu derselben 58 Dorfbewohner. Als das vorlesen begann, inerkte der Gast bald, daß das Büchlein ein Neues Testament war. Die Besprechung, welche den: Lesen folgte, zeigte deutlich, wie diese Leute sich nach der Erkenntnis der Wahrheit sehnten, und wie ihre Herzen den: Heiland entgegenschlugen. 2. Der „Ehristliche Orient" erzählt die Geschichte eines zun: Ehristentun: übergetretenen türkischen Muhannnedaners aus Urfa, des Mustapha Johannes. Geboren un: \850, empfing derselbe früh Unterricht in einer n:::han:n:edanischen Schule. Insonderheit lernte er den Koran lesen. Er suchte die Gebote seiner Religion, z. B. das des fünfmaligen täglichen Gebetes, pünklich zu erfüllen. Es betrübte ihn, zu sehen, daß die Frönnnigkeit vieler Muhammedaner eine ganz äußerlicke war. Jahrelang verdiente er sich sein tägliches Brot als Käbadschi, d. h. als ein Händler, der Fleisch an Lisenstäben über Kohlen briet und verkaufte. Einmal fiel ihn: eine Bibel in die Hände. Diese inachte besonders in ihren: zweiten Teil einen tiefen Eindruck auf ihn. Bald sammelte er einige Glaubensgenosse;: un: sich, damit auch sie diesen Schatz kennen lernten. Aber der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.