Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 3 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 „Der Messias der Christen und der Juden" (S. ^). Die Gebete Israels wurden insofern erhört, als Gottes Gnade durch die Reformation die lautere predigt von dem in Jesu aufgetretenen Messias wieder erschallen, das verdunkelte Evangelium wieder hell erstrahlen ließ. Ls fehlte im (6. Jahrhundert nicht an solchen Israeliten, welche im Blick auf Iesum jubelten: „Wir haben den gefunden, von welchem Mose in: Gesetz und die Propheten geschrieben haben." Denen aber, die auf einen andern Messias warteten, wurde kein Zeichen, keine göttliche Antwort auf ihr Flehen zu teil. Als man später Sabbathai Zebi zum Messias ausrief, obwohl es ihm an jeder göttlichen Beglaubigung mangelte, da mußte man die Leichtgläubigkeit schwer büßen. Jener Mann vermehrte nur die Zahl der falschen Messiasse. Wohlan, Ihr Söhne und Töchter Jakobs, so feiert denn Bußtage im Gehorsam gegen die Ordnungen Eures Gottes, nicht aber im Widerspruch mit denselben! Bittet Gott, daß er Euch Euren bisherigen Unglauben gegen den längst erschienenen und bestätigten Messias verzeihe! Bittet ihn, daß er Euch den lebendigen, beseligenden Glauben an den sanftmütigen Heiland, der immer mehr das Erdreich in Besitz nimmt (Mat. 5,5), verleihe! Dann, wenn in Euren Herzen die Iesusfeindschaft der Iesusfreundschaft Platz macht, wenn Eure Zungen Iesum verherrlichen, wenn Eure Hände und Füße Jesu Befehle vollstrecken, könnt ihr dem Tage Eures Todes, aber auch dem großen letzten Tage der Weltgeschichte mit Gelassenheit, ja, mit Sehnsucht entgegensehen. Das Lebensende und das Weitende bedeuten für den Jünger Jesu den Anfang neuer, höherer Seligkeit. Ju Psalm 2, 6. Am 22. Februar d. I. feierte der Berliner Ierusalemsverein fein 50 jähriges Jubiläum. Der Verein übt jetzt an fünf Orten des heiligen Landes eine Evangelisationstätigkeit unter den Arabern aus, versorgt zwei evangelische Gemeinden in Palästina und unterstützt zwei Jerusalemer Erziehungsanstalten, sowie die deutsche evangelische Gemeinde in Beirut. Er zählt jetzt nahezu ^2 000 Mitglieder. (902 betrugen seine Einnahmen ((5 273 Mk. Das Schlußwort bei der Jubelfeier sprach Hofprediger Schniewind. Derselbe behandelte den obigen psalmvers, über den er auch im Jahre (900 geredet hatte. Er sagte: „Jerusalem ist die Hauptstadt der Erde: nicht Rom noch London, nicht Paris noch Berlin. Der Berg Zion ist die alles in der Welt überragende höhe. Jerusalem ist eines großen Königs Stadt. Ein langer Zug von Königen, die über sie geherrscht haben, schreitet an unserm Geiste vorüber, voran die ehrwürdige und geheinmisvolle Gestalt des Priesterkölligs Melchisedek, dem Abraham, von ihm erquickt und gesegnet, den. Zehnten gab. David zieht mit der Bundeslade in die Stadt und baut auf Zion die Königsburg. Unter Salomos Friedensszepter ersteht der Tenlpel. Es folgen 20 Könige aus Davids Geschlecht. Um ihrer und des Volkes Sünde willen gewinnen Fremde die Königsgewalt: Babylonier, Perser, Mazedonier, Egypter, Syrer. Majestätisch ragt unter den Fremden Alexander der Große hervor. Betroffen steht er vor der Erscheinung des ihn begrüßenden Hohenpriesters. Denselben Mann hat er bereits zu Philippi im gottgesandten Gesichte geschaut. Er widmet nun ihm und dem Heiligtum Iehovahs seine Verehrung. Nach ihnen kommen endlich wieder einheimische Fürsten, die Makkabäer, doch nicht von Judas, sondern von Levis Stamm, und nach ihnen Esaus Kinder, die herodäer. Aber es durfte das Szepter von Juda nicht entwendet werden. Als die Zeit erfüllt war, gewann darum der Löwe aus dem Stamm Juda, als der rechte König der Gerechtigkeit und des Friedens zugleich die Erfüllung der weissagenden Gestalt Melchisedeks, das Erbe seiner Väter und von ihm aus die Königsherrschaft über den Erdball. Unter dem hosianna seiner Untertanen ritt er über Palmen und Kleider hinein in die Stadt. Mit der Dornenkrone gekrönt, bestieg er den Thron des Kreuzes. Uber seinem Haupte stand geschrieben: „Jesus, der Juden König." Er aber breitete die Arme aus gegen die ganze Welt und ward der König aller Wahrhaftigen. Gegen alle Rebellion, die trotzig schreit: „Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche!" „Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!" — klingt majestätisch das große Aber des allmächtigen Gottes: „Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion." Er ist und bleibt der rechte König Jerusalems und wird wiederkommen in Herrlichkeit. Die Heiden müssen ihm sein Erbe verwahren. An keiner Stirne haftet mehr die Krone von Jerusalem, nicht an der der Nachfolger Gottfrieds von Bouillon, welcher die goldene Krone dort nicht tragen wollte, wo Jesus die Dornenkrone getragen, nicht an der des Hohenstaufen Friedrichs II., welcher sie vom Altar der Grabeskirche nahm. Die fürstlichen Pilger, unter ihnen die erlauchten hohenzollern, strecken nicht mehr die Hand nach dieser Krone aus, sondern neigen huldigend Jerusalems ewigem Könige Haupt und Knie. Wir warten seiner. Er hat seine Wiederkunft fest verheißen. Auf dem Olberge, da, wo sein Fuß die Erde verlassen hat, wird seines weißen Rosses Huf den Boden schlagen, da, wo die Erde sein Blut getrunken hat, wird seine Krone funkeln." Was der Redner zuletzt von den Absichten des Ierusalemsvereins sagte, gilt auch von der Iudenmission. Auch sie ruft zur Mitarbeit auf: „Machet Bahn! Räumet die Steine aus dem Weg! Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir!"