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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 2 (1903) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
2 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14 Armut, Krankheit und Hungersnöte unter den heidenvölkern. Sie protestiert gegen die Zerrüttung der letzteren durch die Einfuhr von Branntwein und Opium. Sie hebt in ihrer planmäßigeil sittlichreligiösen Wirksamkeit das Familienleben durch den Kampf gegen die Vielehe und die Kinderheiraten. Sie hebt vor allen Dingen durch ihre Tätigkeit in Schulunterricht und predigt auch die liefstehenden Völker zu einer christlichen Gesittung. Daß die ganze Missionsarbeit humanisiereild wirkt, ist kein Zufall, denn das Christentum ist die Religion der vollendeten Menschlichkeit." 3u 2. Mose 4,10 ff. Wie eine Sturmflut nach jahrelanger Ebbe ist zum Beginn des neuen Jahrhunderts über Japan eine Erweckung gekommen. Tausende haben den Weg zu Gott eingeschlagen. In Tokijo beschloß ein der Kirche schon länger angehöriger, aber jetzt zu neuem Eifer erweckter Eisenbahnbeamter die ihm unterstellten 5000 Arbeiter mit dern Evangelium bekannt zu machen. Er begann mit einem Teil der Leute. Er sprach liebevoll mit ihnen und lud sie zu Predigten ein. Auch las er ihnen einen Traktat vor. Und doch konnte er als ein Stotterer kaum zusammenhängend reden. Manche Arbeiter verlachten, andere beschimpften ihn. Er aber fuhr mit seiner Seelsorgetätigkeit fort, nachdem er Gott einen halben Tag lang angerufen und besonders um eine beredtere Zunge gebeten hatte. Gott erhörte dies Gebet auf eine eigentümliche Weise. Während der Evangelist mit den Arbeitern redete, trat aus deren Mitte ein älterer Mann auf ihn zu, um ihm zu danken und ihn zu fragen: „Darf ich Ihnen ein wenig helfen?" Der Mann war ebenfalls ein Christ und zugleich ein guter Redner. Beide Glaubensgenossen trieben nun gemeinsam Mission, und schöne Früchte ihres Wirkens blieben nicht aus. Die wahre Sühne. Bei der Einweihung einer jüdischen Arbeiterkolonie sagte der Berliner Rabbiner Maybaum (A. Z. d. I. 1902, Nr. 38, Beil. S. 1): „Wohlan, mein Israelit, . . . das Rettungswerk, das hier vollzogen wird, es wird auch dich sühnen am Tage der Buße vor dem Ewigen." Diese Worte erinnern an die talmudische Erzählung von deni Mann, der drei Freunde hatte und von dem an: wenigsten geliebten dritten die größte Wohltat empflng. Als er von dem Könige des Landes den Befehl erhielt, vor dessen Thron zu erscheinen, fürchtete er, daß ihn jemand fälschlich angeklagt habe. Er wünschte desh alb von einen: seiner Freunde begleitet zu werden. Aber derjenige, welcher ihm am teuersten war, lehnte seine Begleitung sofort ab, ohne auch nur einen Grund für sein unfreundliches Verhalten anzugeben. Als er sich an den zweiten wandte, erbot sich dieser, bis zu den Toren des königlichen Palastes mitzugehen, weigerte sich aber, mit ihm vor des Königs Antlitz zu treten. Dagegen versprach der dritte: „Ich will mit Dir gehen und Dich verteidigen." Der erste Freund ist das Vermögen, das man beim Tode hinter sich lassen muß. Der zweite stellt die Verwandten dar, die uns bis ans Grab folgen. Der dritte aber bildet die guten Werke ab, die vor Gott für den Menschen eintreten. — Im Gegensatz zu dieser jüdischen Auffassung lehrt Paulus: „Durch des Gesetzes Werke wird kein Fleisch gerecht" (Gal. 2, (6). Schon David wußte, daß es keinen Menschen gibt, der Gutes tut (Pf. \%, 3; 53, 4), wie diese Erkenntnis sich auch sonst iin alten Bunde fand ((. Mose 6, 5; 8,21; Hiob y*, q.; (. Kön. 8,^6; Ies. 6^,6). Eine Sühnung bewirkt nur das von den mosaischen Opfern vorbereitete Opfer des Messias (hebr. 9> 22 ff.; (0,19 ff.; Gal. 2, 21; Röm. 8, 3). Das Rettungswerk, welches auf Golgatha am Karfreitag vollbracht wurde, kann allein die Sünden tilgen und uns mit Gott aussöhnen. Ju Micha 6, 6. Womit soll ich den HErrn versöhnen? Dies ist die wichtige und nötige Frage, die der Prophet einem aufgeweckten Sünder in den Mund legt, der einen lebendigen Eindruck von seinen Sünden und deren Strafbarkeit und von der Heiligkeit und Gerechtigkeit des Gottes, den er mit seinen Sünden beleidigt, bekommen hat; den sein Gewissen überzeugt, daß er sich an Gott, der ihm so viel Gutes getan, schwer versündigt und seinen gerechten Zorn verdient hat; der es fühlt, daß Gott versöhnt werden, oder daß der Mensch unter Gottes Zorn zu Grunde gehen muß. Diese Frage paßt in unser aller Mund, verdient unser Nachdenken und unsere Überlegung, da wir alle Sünder sind und den Gott unzähligemal beleidigt haben, der schrecklich über alle Sünden zürnt und nach gerechtem Urteil zeitlich und ewig strafen will, vor dessen Richterstuhl wir alle über kurze Zeit erscheinen müssen, dessen Feindschaft tödlich, dessen Zorn unerträglich ist, von dessen Gunst, Gnade und Gemeinschaft unsere Seligkeit abhängt. Wer wollte denn nicht fragen: Womit soll ich den HErrn versöhnen? Aber bei dem allen geschieht diese Frage in unfern sichern Tagen äußerst wenig, indem die meisten, statt so zu fragen, ungescheut fortfahren, denhErrn mit mutwilligen Sünden noch mehr zu beleidigen und mit ihren verstockten und unbußfertigen Herzen sich seinen Zorn zu häufen auf den Tag des Zornes, wenige hingegen darüber Nachdenken, wie sie mit Gott stehen, was sie von ihm zu hoffen oder zu befürchten haben, und wie sie ihn versöhnen sollen. Wir müßten diese Frage ewig unbeantwortet lassen, wenn sich Jesus unser nicht angenommen und eine Versöhnung durch sein Blut am Kreuz gestiftet hätte, wenn er das Wort

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