Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 2 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13 wonnen werde für Dich und Dein herrliches Reich I" Gewiß ist diese Litte eine erhörliche. Aber ich meine, sie hat doch auf unserer Seite ihre Voraussetzungen. Dahin rechne ich erstens, daß wir anhaltend mit unferm Gebet zu dem HErrn kommen. Möchten wir dock unablässig alles, was uns am Kerzen liegt, dem HErrn im Gebete vortragen! Ls können ja darunter auch unverständige Wünsche sein, die uns und dem Reiche Gottes nicht frommen. Da wird der HErr das Rechte von den: Verkehrten schon sondern, aber an guten Gaben es nicht fehlen lassen. Die Fürbitte ist so sehr wichtig und so recht nach Christi Sinn, der in dem hohenpriesterlichen Gebete (Ioh. \7) die Seinen an Gottes Vaterherz gelegt hat. Darum, will uns die Sorge beschleichen, daß teure Angehörige oder werte Bekannte auf verkehrte Wege geraten und ihres Heils verlustig gehen könnten, oder bekümmert es uns, daß das geistliche Leben in unserm Volke verhältnismäßig wenig entwickelt ist, oder müssen wir es beklagen, daß in der Rirche Jesu Christi immer noch schwere Mißbräuche und verkehrte Linrichtungen herrschen: bringen wir doch fleißig alle diese und sonstige Anliegen, die unsere Seele bewegen, vor den HErrn! Bitten wir Ihn anhaltend um Hilfe und Besserung! Die Erhörung wird nicht ausbleiben, und unser Glaube wird dadurch gestärkt werden. Aber zweitens müssen wir auch eifrig forschen in der heiligen Schrift. Ls ist sehr beklagenswert, daß die gemeinsame Betrachtung des göttlichen Wortes in den christlichen Familien so sehr nachgelassen hat. Damit beraubt man sich selbst eines hohen, köstlichen Segens, indem man den Trost, der in allen Lebenslagen, an heiteren und trüben Tagen, aus dem herrlichen Gottesworte gewonnen werden kann, von sich fern hält, indem man sich nicht mehr von dem Lichte und den Rräften der Ewigkeit, die in dem Worte Gottes verborgen liegen, durchdringen läßt. Betrachten wir doch, statt so viel die Zeitung zu lesen, eingehend, was uns das teure Gotteswort von Buße und Glauben, von Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit einerseits und seiner unendlichen Liebe in Christo Jesu andererseits, von der Ewigkeit der Höllenstrafen und dem ewigen seligen Leben vor die Seele stellt! Dann werden unsere Bitten nicht nur gehört, sondern erhört werden. (F. Seebaß.) Du Psalm 8, 3. Die Rinder des armenischen Waisenhauses in Brusfa wohnen jeden Abend von 71/a bis 8 Uhr einer Bibelstunde bei. Was sie hier hören, pflegen sie aufzuschreiben und am folgenden Abend vorzulesen. j Sie erwerben sich auf diese Weise eine Sammlung von kurzen Bibelerklärungen, die ihnen von großem Nutzen sein können. Die Rinder wuchern schon jetzt mit der empfangenen Wahrheit. In den Briefen, die sie allmonatlich an ihre Angehörigen senden, * lassen sie diese an ihren! christlichen Besitz Leilnehmen. Sie ermahnen die noch in der Finsternis Schmachtenden, j Buße zu Lun und an das Gotteslamm zu glauben,! besten Blut von allen Sünden rein macht. So! arbeiten diese Waisen mit an der Durchsäuerung! des armenischen Volkes. — In Brasilien wurde erst! am \o. Mai \888 die Sklaverei aufgehoben. Bis dahin herrschte sie namentlich in den großen Raffeepflanzungen des Nordens mit allen ihren Greueln. Auf manchen dieser Pflanzungen pflegte man morgens! und abends die unglücklichen Negersklaven ohne einen besonderen Grund durchzupeitschen: man meinte sie auf diese Weise gefügiger zu machen. Wirkliche Vergehen aber wurden noch grausamer bestraft. Nun bestand der eigentümliche Brauch, daß ein zu einer Strafe verurteilter Sklave durch ein Rind von derselben befreit werden konnte. Ram ein Rind an dem Sklaven vorüber, der gezüchtigt wurde, so durfte es für ihn Fürsprache einlegen. Auch der härteste Peiniger gab einer solchen Fürsprache, wenn auch vielleicht nur aus Aberglauben, nach und erließ dem Schuldigen die Strafe. Durch die Fürbitte aber, die ein Rind vor den Thron Gottes bringt, kann es eine noch größere Macht ausüben: einen Sünder vor den Strafen der Ewigkeit bewahren. Das gläubige Gebet hat eine herrliche Verheißung. Vgl. \. Ioh. 5, — Am Nachmittage des 2% Dezembers saß in einer deutschen Stadt eine ältere Frau verdrossen in ihrer behaglichen Wohnung. Sie wollte dem Weihnachtsfest die ihm gebührende Ehre nicht antun. Ihr Herz war voll von Groll gegen ihren Sohn und dessen Familie. Da klopfte es an die Tür, und ein Nachbarskind trat ein. Der Rleine, der Sohn eines Arztes, sagte der einsamen Frau den Lobgesang der Engel Luk. 2, auf und fügte dann hinzu: „Mein Vater sagt, es sei nicht hübsch von Dir, daß Du nicht Frieden hast mit Deinen Rindern, weil es doch Weihnachten ist und der liebe Heiland geboren ist." Diese Rede des Rindes, das sich bald wieder entfernte, haftete in der Seele der Alten. Als ihre sechsjährige Enkelin gleich darauf mit der Bitte zu ihr kam: „Großmutter, sei doch gut mit uns!" — konnte sie nicht länger unversöhnlich bleiben. Sie schickte dieselbe mit der Botschaft nach Hause: „Die Großmutter will Frieden haben, und heute abend sollt Ihr alle zu mir kommen." Abends z aber wurde unter dem strahlenden Lichterbaum die Versöhnung zwischen Mutter und Rindern gefeiert. Der Fortschritt der evangelischen Mission ein Fortschritt der Humanität. Professor I)r. Mirbt aus Marburg sagte im Oktober \902 in einem Vortrag über das obige Thema, den er in Hamburg hielt: „Die Mission hat den wesentlichsten Anteil an der Aufhebung der Sklaverei, an der Beseitigung des Rannibalisrnus und des Massenmordes. Sie lindert das Elend und die