Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 59 (1903)
- Issue
- 2 (1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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schuld nicht getilgt wurde, steht Israel immer noch außerhalb des Reiches Gottes. Es darf dasselbe auch nicht bauen helfen, wie David den Tempel nicht bauen durfte, weil er in seinen Uriegen viel Blut vergossen hatte. Mir Freunde Israels bitten darum: „Ihr armen Irrenden, laßt Luch durch Euren Messias die Schuld abnehmen, damit Ihr Genossen und Herolde des Himmelreiches werdet!" 5. Von Gottes Weltregierung merke ich nicht viel. — Oft läßt Sie sich doch mit fänden greifen. Offenbar war es;. B. ein göttliches Strafgericht, als in Straßburg im Jahre fast f6000 Christen von der Pest getötet wurden, nachdem etwa 2000 Juden wenige Monate zuvor als die angeblichen Urheber der Seuche der Volkswut zum Opfer gefallen waren. Wie. viele derartige Fälle zeigt uns vollends die Bibel! — Wer liest jetzt noch die Bibel? Da greift man lieber zu.einem Roman. Ich lese jetzt einen solchen von Goethe. — Wissen Sie, was Goethe einmal über die Bibel gesagt hat? „Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, desto mehr wird die Bibel zum Teil als Grundlage, zmn Teil als Werkzeug der Erziehung, freilich nicht von naseweisen, sondern von wahrhaft weisen Menschen benutzt werden." — Dies Goethesche Wort habe ich noch nie gehört. — Aber es ist verbürgt. Auch Ihnen würde es nur heilsam sein, wenn Sie das Buch der Bücher, das Alte, aber auch das Neue Testament, recht aufmerksam lesen würden. Der £?clö der ganzen Bibel ist Christus, der f}err und Heiland. Ein zudenchristlicher Uhrmacher in NordafriKa. In der inmitten des französischen Schutzstaates Tunis liegenden Stadt Aairwan lebt ein Uhrmacher- Namens Viktor Augustus Smaggia. Als jüdischer Anabe besuchte er die Londoner Missionsschule in der Hauptstadt Tunis. Hier übte ein Lehrer auf ihn einen tiefen Einfluß aus. Dennoch blieb er dem Judentum ergeben. Auch der Umgang mit einem schweizerischen Uhrmacher, dessen Lehrling er nach dem Austritt aus der Schule wurde, führte ihn nur an, nicht über die Schwelle der Airche. Der Verkehr mit andern Europäern machte ihn dann sogar zu einen: Gegner jeder Religion, plötzlich trat jedoch ein Umschwung bei ihm ein. In Aairwan, wohin er mit seinen Eltern übergesiedelt war, und wo er sich als Uhrmacher niedergelassen hatte, kaufte er einst im Jahre W7 eine französische Bibel von einem evangelischen Missionar. Der letztere fühlte sich zu dem Israeliten wunderbar hingezogen. Er blieb mit demselben in Verbindung und unternahm manche Wanderungen mit ihm, bei denen von: Messias gesprochen wurde. Die begeisterte predigt des Christen von der in Christo geoffenbarten Liebe Gottes rührte das Herz des Juden. Endlich gab dieser allen Widerstand auf. Er bat seinen christlichen Freund um die Taufe. Die göttliche Gnade, die ihn in den neuen Bund aufnahm, leitete ihn auch in der Folgezeit. Sein geistliches Leben entwickelte sich immer schöner. Merkwürdig ist an ihm die Verbindung einer fast weiblichen Sanftmut mit heiligem Mut bei der Verkündigung des Evangeliums. Das öffentliche Bekenntnis seines Christenglaubens rief unter den Juden von Aairwan große Aufregung hervor. Sie hörten aus seinem Munde die Botschaft von dem gekreuzigten Christus, waren aber auch Zeugen der Freundlichkeit, mit welcher er allen, selbst seinen Verfolgern, begegnete. Viele konnten ihm daher ihre Achtung nicht versagen. In seiner Familie hatte er schwer zu leiden. Die Eltern und die Brüder wollten mit ihm nicht mehr essen. Seinen Aufenthalt unter ihrem Dach duldeten sie nur in der Hoffnung auf seinen Widerruf. Auch geschäftlich mußte Smaggia durch ernste Prüfungen hindurch gehen. Nach seinem Glaubenswechsel erhielt er von jüdischer Seite keine Arbeit mehr. Bald verlor er aber auch die Aundschaft dev Araber. Er hatte es nicht lassen können, auch mit ihnen von Christo zu reden. Außerdem hatte er an den Wänden seines Ladens etwa HO Spruchkarten angebracht, die in verschiedenen Sprachen, besonders in der arabischen, auf Christum hinwiesen und deshalb den Zorn der Araber erregten. Auf die Forderung, daß er die arabischen Spruchkarten entfernen solle, ging er nicht ein. Und doch wurde er nicht brotlos. Gott erhörte sein Flehen und , bewahrte ihn davor, bei Menschen Hilfe suchen zu müssen. Der Missionar, der ihn getauft hatte, durfte ihn nie mit Geld unterstützen. Ja, der arme Uhrmacher spendete sogar von Zeit zu Zeit kleine Summen für christliche Zwecke. Als eine göttliche Fügung war es zu betrachten, daß die Geschäftskunden sich allmählich wieder einstellten und ihre Uhren wieder von dem tüchtigen Meister reparieren ließen. Aber noch manche andere Gebetserhörungen erlebte der neue Christ, der auch bei den kleinen Sorgen des alltäglichen Lebens sich an seinen himmlischen Vater wandte. Eines Tages fehlte ihm ein Rädchen, als er eine Taschenuhr wieder in Ordnung machen wollte. Die Sache eilte. In ganz Aairwan suchte er vergeblich nach einem Rade, welches die nötige Anzahl von Zähnen befaß. Schon meinte er, es werde ihm nichts übrig bleiben, als von Paris ein solches kommen zu lassen. Da erinnerte er sich des hohen Vorrechts, welches uns der Heiland geschenkt hat. Er schloß seine Ladentür zu und betete, Gott möge ihm helfen. Aurze Zeit darauf klopfte ein zerlumpter Bursche an die Tür und fragte ihn, ob er ein Rad kaufen wolle, welches unter altem Gerümpel gefunden worden fei. Dies Rad war genau dasjenige, welches für die Uhr paßte. An: pesachfest des Jahres l90l wurde Smaggia gezwungen, seine Angehörigen zu verlassen. Ergrimmt darüber, daß er sich zu keinen: Widerruf i verstehen wollte, stießen seine Eltern ihn bei Nacht | aus ihrem Haufe. Er begab sich zuerst zu den: