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Dibre Emeth · 1903-01-01 · 1 (1903) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
59 (1903)
Issue
1 (1903)
Date
1903-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 sage ich von Kerzen: Gott vergelte! In Liebe grüßt Sie und alle meine Freunde Ihr Mohrensohn M. Argawi. Österreichische Ausgrabungen in Palästina. Wertvolle Aufschlüsse über die Geschichte des heiligen Landes verdankt die Wissenschaft den Arbeiten der J865 gegründeten englisch-amerikanischen Gesellschaft „Palestine Exploration Fund“ und des feit \877 bestehenden „Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas". Doch beschränkten sich die bisher unternommenen Ausgrabungen auf das alte Judäa. Seit kurzem beteiligt sich auch Österreich an der Durchforschung des durch so viele wunderbare Ereignisse geweihten Bodens. Der Begründer und Leiter des österreichischen Unternehmens ist I)r. Ernst Sellin, Professor an der Wiener evangelisch-theologischen Fakultät. Sellin trug sich schon lange mit dem Gedanken, daß Ausgrabungen im Norden des Landes eine noch größere Ausbeute liefern müßten als im Süden. Der Erfolg rechtfertigte diese Annahme. Als er (899 auf seiner ersten Forschungsreise durch die Ebene von Megiddo ritt, kam er zufällig an einem HO m hohen grünen Hügel, dem Tel! Ta'annek, vorbei. Er stieg auf die in vier Terrassen sich erhebende künstliche Höhe hinauf und faßte alsbald den Entschluß, an diesem Platz, der Stätte des in der Bibel oft vorkommenden Taanach, mit seiner Arbeit einzusetzen. Nach Wien zurückgekehrt, fand er bei* dem Kultusminister von Härtel, der Akademie der Wissenschaften und fünf Großindustriellen die freundlichste Förderung seines Unternehmens. Umständlicher als die Aufbringung der erforderlichen Geldmittel (^0 000 Mark) war die Erlangung des Fermans, der großherrlichen Erlaubnis zur Vornahme von Ausgrabungen. Erst $0J( waren alle Hindernisse überwunden.,. Am $. März $02 konnte die Arbeit beginnen. Uber den Betrieb und die Frucht derselben lassen wir I)r. Sellin selber berichten. Er schreibt in einem von verschiedenen Zeitungen abgedruckten Artikel: „Die Ausrüstung war schon vorher in Haifa bestellt und besorgt worden. Vier Holzbaracken waren auf der Westseite 1 des-Hügels aufgeschlagen, 2 deutsche Aufseher, 5 arabische Vorarbeiter, ein Koch und ein Diener angeworben. Als Architekt stand mit Ingenieur Dr. Schumacher in Haifa zur Seite, ein Mann, der durch seine Kenntnis der Landessitten und -Sprache, sowie durch seine berufliche und wissenschaftliche Tüchtigkeit dazu befähigt war wie kaum ein anderer. Nachdem es sich herumgesprochen hatte, daß auf dem Hügel Geld zu verdienen sei — die Leute hofften natürlich wie immer auf Goldfunde strömten bald aus der arabischen Landbevölkerung Männer und Weiber herzu, jene zum Hacken, diese zum Forttragen der Erde. Schon nach $ Tagen hatte ich die erforderlichen $0 Arbeitskräfte beisammen. Es ist 5 Monate gearbeitet worden mit einer Tatkraft, die das Staunen manches Besuchers erregte, bei glühender Hitze, bei Sturm, der uns den Staub bis tief in den Körper hineintrieb. Aber wir hielten durch. Von morgens um 3 bis abends um 6 wurde mit nur 2 Stunden Pause für Essen und Ausruhen gegraben. Und der Erfolg war schön. Drei Burgen erstanden wieder an drei verschiedenen Stellen des Hügels aus Schutt und Moder vor unseren Augen, alle stark ausgeplündert, aber doch in ihrer Anlage und Bauart vorzüglich erhalten; eine aus kanaanitischer, die andere aus altisraelitischer, ungefähr salomonischer, die dritte aus spätisraelitischer Zeit. Ein arabisches Schloß in der Mitte des Hügels wurde ebenfalls bloßgelegt. Der Inhalt bestand meist in Töpfen, Lampen, Waffen und' sonstigen Geräten. Aber auch einige Skarabäen (Darstellungen des egyptischen Sonnenkäfers mit Bildern und Hieroglyphen auf der flachen Seite) wurden gefunden. Hinter der einen Burg barg ein großes Leichenfeld etwa 30 Kinderleichen, in großen Krügen beigesetzt, eine ganz eigenartige Bestattungsweise. Kultusstätten wurden mehrere aufgedeckt: ein kanaanitischer Felsaltar, 2 Libationssäulen aus israelitischer Zeit, ja, eine ganze Straße von Kultussäulen, sogenannten Mazzeben. In den vielen kleinen Privathäusern, die ausgegraben wurden, fanden wir eine Menge Götterbilder, ganz besonders häufig das der kanaanitischen nackten Astarte, die offenbar auch noch viele Israeliten verehrt haben, daneben aber auch egyptische Götzen. Welch eine Illustration zu den Reden eines Elias! Unmittelbar unter vielen Häusern war ein Toter bestattet, ein Kind oder Erwachsener. Doch noch Wichtigeres sollte uns beschieden sein. In einer Schicht von Lehmhäusern, \ bis 2 m unter der altisraelitischen Burg, wurde ein schwarzer Siegelcylinder gefunden, der außer 2 Götterbildern eine babylonische und, was besonders wichtig und interessant ist, daneben eine egyptische Inschrift trug. Er stammt ungefähr aus dem Jahre 2000 v. Ehr. Der Besitzer bezeichnet sich darauf als Diener des babylonischen Gottes Nergal. Eine neue glänzende Bestätigung dafür, daß Palästina, ehe die Israeliten ins Land kamen, bereits mit egyptischer und babylonischer Kultur durchsetzt war. Den erfreulichsten Einzelfund aber brachte der vorletzte Tag der Grabung. In einem zum Schluffe auf gut Glück angelegten Schacht im Süden stieß ich 2 in unter der Oberfläche auf das Stück eines aus dickem, hartem Ton gebildeten Löwen, dem bald ein menschlicher Kopf aus gleichem Stoffe folgte. Oie weitere Suche ergab auf dem Raume eines Zimmers verstreut Stücke: Bruchstücke von geflügelten Tierleibern, Menschen- und Löwenköpfe usw. Nachdem der ganze Raum abgesucht war, begann die Zusammensetzling, die ein fast lückenloses Ergebnis hatte: einen Räucheraltar, so eigenartig,

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