Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 fort: „Er hilft: sonst niemand und nichts. Fange nur an ihn zu lieben! Lies alles, was im Neuen Testament von ihm geschrieben steht!" Da vermochte der alte Mann sein Geheimnis nicht mehr zu verbergen. Er bekannte der sterbenden Tochter, daß er ihren letzten Wunsch bereits erfüllt, daß er schon angefangen habe, an Iesum zu glauben. Die Freude der Tochter über diese Worte war überaus groß. Sie brach in Lob und Dank aus. Dann sank sie zurück, faltete die Hände und betete: „Romm, Herr Jesu!" Und so ging sie von: Glauben zum Schauen über. Als Inschrift für ihren Grabstein hatte sie selber Ror. \5, 57 bestimmt. Nach elf Monaten folgte der Vater seinem Rinde nach. Auch er entschlief selig. 3u Joh. 3,1. Im Talmud erscheint ein Nakdimon, welcher näher als Gurions Sohn bezeichnet wird. Als in Jerusalem einmal großer Wassermangel herrschte, bat, wie dort erzählt wird, Nakdimon den Besitzer von drei Zisternen, dem dürstenden Volk die Benützung derselben zu gestatten. Er versprach, daß sie an einem bestimmten Tage wieder gefüllt sein sollten. Andernfalls wollte er als Strafe eine große Geldsumme erlegen. Die Zisternen wurden geleert, füllten sich aber nicht wieder, da kein Regen eintrat. Am Morgen des festgesetzteen Tages verlangte der Eigentümer das versprochene Geld. Aber Nakdimon erklärte: „Der Tag hat erst begonnen. Es ist noch Zeit." hierauf wanderte er in den Tempel und bat Gott, Regen zu senden und ihm sein Vermögen zu erhalten. Alsbald sammelten sich Wolken, und der ersehnte Regen kam. Als Nakdimon dankbaren Herzens den Tempel verließ, begegnete ihm sein Gläubiger. Dieser sagte: „Allerdings hat der Regen meine Zisternen wieder gefüllt. Aber es ist jetzt dunkel: der Tag ist vorüber. Also mußt Du mir doch unserm Vertrag gemäß die versprochene Summe zahlen." Da betete Nakdimon noch einmal. Und siehe, die Wolken erhoben sich, und die Abendsonne beleuchtete den j)latz, auf dem die beiden Männer standen. Also war der Tag doch noch nicht zu Ende. Gott hatte die Liebe zu den Menschen und den Glauben an Seine Almacht herrlich belohnt. 3u 2. Kor. 8, 7 und 9, 6. Ein christlicher Indianer, Johann Sonntag, suchte bei einem Missionsfest mit folgender Ansprache die Bereitwilligkeit der Zuhörer zürn Geldspenden zu wecken und zu fördern: „Es giebt einen hochangesehenen Herrn, der wahrscheinlich auch jetzt in unserer Mitte ist. Er hat ein schönes, glänzendes Aussehen, ist aber sehr bescheiden und läßt sich namentlich bei Missionsversammlungen nicht gerne sehen. Es mögen schon Jahre her sein, daß er mir nicht unter die Augen gekommen ist. Ich fürchte, daß er die ineiste Zeit verschläft und garnicht hört, was von ihm gesagt wird. Sein Name ist Gold. Sinb Sie heute abend itt unserer Mitte, Herr Gold, oder liegen Sie in Ihrer eisernen Riste und schlafen Sie? Wacheil Sie auf, Herr Gold, unö stehen Sie uns bei, damit wir das Evangelium in alle Welt hinaustragen körmen! Sie sollten sich schämen, so unthätig dazuliegen. Sehen: Sie Ihren Bruder, deil herril Silber, an! Während Sie schlafeil, thut er allerlei gute Werke. Sehen Sie Ihreil roten Bruder all, den Herrn Rupfer! Überall ist er auf denl j)latz und thut, was er kann. Weiln Sie aber selber llicht herauswollen, Herr Gold, so schicken Sie uils wenigstens Ihreil Mantel, die Banknote!" 3u Gal. 4,15. Der judenchristliche Schriftsteller Dr. Moritz Brühl sagt iin Rückblick auf fein \5. Lebensjahr, in welchem er sich der Rirche zuwaildte: „Wer im Lhristentum geboren und erzogen ist, findet es vielleicht übertrieben, wenn ich versichere, daß das Bekanntwerden mit der christlichen Lehre gleich im Anfang einen wahren Enthusiasmus in mir erzeugte. Ich geriet beinl Lesell des Neuen Testanlentes in einen ganz eigentümlich entzücktell Zustand, so daß jpaulus auch mir wie den Galatern zurufen konnte: „Wie wäret ihr dazumal so selig!" Als Brühl einst zu Hause die vom Neuen Testament enlpfangenen Eindrücke wiedergab, insonderheit von dem hohenpriesterlichen Gebet Joh. \7 behauptete, es sei ungleich schöner und erhabener als alle Gebete des Alten Testaments, mißhandelte ihn sein Vater deswegen. Der Rnabe ließ sich jedoch hierdurch in seiner Hinneigung zum Lhristentum nicht irreinachen. Endlich vollzog er den Nbertritt. Sanftmut siegt. An diesen Wahlspruch des großen Iudenmissionars Stephan Schultz erinnert der folgende Zug aus dem Leben des indischen Lhristen und Predigers Isai Das. Als derselbe einst von einer Missionsreise zurückkehrte, wurde er von sechs Räubern überfallen. Auf ihre Frage: „Wer bist Du?" antwortete er: „Ich bin ein hindustanischer Prediger Und wer seid Ihr, Brüder?" „Das geht Dich nichts an," schrieen sie ihm zu. „Und Brüder brauchst Dil uns nicht zu nennen. Wir sind Deine Feinde. Gieb Dein Geld her!" Isai Das erwiderte: „Ich besitze nicht viel, aber es soll Euch mit Freuden überlassen sein." Ebenso befolgte er das Gebot, fein Rleid herzugeben, hierbei fiel den Räubern auch seine Uhr in die Hände. Während sie dieselbe prüften, sagte er: „Meinen kostbarsten Besitz habt Ihr noch nicht gefunden " Jetzt stimmte er ein geistliches Lied an, worauf er ihnen von Jesu, dem Schatz, der alle andern über-