Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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23 Übereinstimmung zwischen den Berichten der Evangelisten und den Ankündigungen der Propheten zu erklären, wenn nicht Gott den Frommen der Vorzeit die Allgen geöffnet hätte für die Herrlichkeit des Reiches, welches alle Seine Offenbarungen vollenden sollte? Wavet und Uwes. Lin Vortrag über dies Thema, den Professor Friedrich Delitzsch zweimal vor dem deutschen Kaiser hielt mtb sodann drucken ließ, erregte auf christlicher und jüdischer Seite heftigen Widerspruch. In einer der Gegenschriften, der voll Eduard König verfaßten, heißt es: Babel mag immerhin das pirn vorderasiens genannt werden, aber was den Lebenspunkt der Bibel bildet, das quoll aus einer weltüberragenden Erfahrung, und es wird doch dabei bleiben: In Babel strebte die Menschheit zum Fimmel, in der Bibel ragt der Fimmel in das arme Menschenleben hinein." Indessen wird von manchen Gegnern des Berliner Gelehrte:! die auch von der Bibel behauptete hohe Bedeutung der Uroffenbarungen Gottes verkannt. Z. B. lehrt die Bibel selbst, daß der Name Iehovah (Iahveh) zu dem vierfachen Paradieseserbe gehörte, welches die ersten Menschen von ihren: Schöpfer empfingen (vergl. D. E. ^96, S. ^). Sehrrichtige, inaßhaltende Bemerkungen zu dein Vortrag von Delitzsch finden sich in einer aur 2. März d. I. gehaltenen Predigt des Berliner Generalsuperintendenten V. Faber. Denen, die sich iin Einblick auf die babylonischen Ausgrabungen und die aus denselben gezogenen Schlüsse beschwert fühlen, ruft D. Fab er zu: „Laßt euch doch nicht durch diese babylonischen Funde in babylonische Verwirrung bringen; freut euch vielmehr, daß auch sie wiedermu die Wahrheit bestätigen müssen!" Dann fährt er fort: „wenn dort auf alten Bildern die Geschichte von den ersten Menschen und dein Baume der Erkenntnis verzeichnet steht oder in alten Urkunden von der Sündflut die Rede ist, weshalb soll uns das im geringsten anfechte u? Ähnliches findet sich ja bei fast allen alten Völkern und ist doch nur ein Beweis dafür, daß die betreffenden Ereignisse wirklich geschehen sind. Oder wenn man dort schon dieselben Namen Gottes findet, wie sie dem Abraham und Mose geoffenbart sind, und einige der Sittengesetze, wie sie die zehn Gebote enthalten, was für ein Anstoß könnte dabei sein? Bezeugt uns denn nicht unsere peilige Schrift selbst, daß es eine Uroffenbarung von: Paradiese her gegeben hat? Mußte daher nicht die Urreligion der Glaube an einen einigen Gott sein und die Vielgötterei erst eine spätere Erscheinung, wie der Apostel Paulus uns das auch so deutlich lehrt? Man darf eben nicht von der falschen Voraussetzung ausgehen, daß Vielgötterei der Anfang der Religion gewesen ist und sich aus ihr erst der Monotheismus entwickelt habe. Gerade umgekehrt ist es: Der Polytheismus ist eine Entartung des Monotheismus, wenn die babylonischen Funde auf jene Anfangsoffenbarungen Hinweisen, ist denn das ein Abbruch unseres Schriftwortes? Würde es uns denn ärgern, wenn wir erführen, daß ein Kleinod, von dem wir bis dahin glaubten, es sei erst seit 50 Jahren in unserer Familie, bereits Jahre in ihren: Besitze gewesen sei?' Außerdem möchte ich daran erinnern, daß es zur Zeit Abrahams noch einen Mann gab, der sich Priester Gottes, des Allerhöchsten, nannte; es war Melchisedek, der letzte Repräsentant der noachitischen Zeit, in der eben Gott seine Offenbarung noch nicht an ein besonderes Volk gebunden hatte, und der daruu: ein Vorbild Lhristi geworden ist, welcher auch wieder allen die Offenbarung gebracht hat." „Darum, wenn es Gottes neuer weg ist, daß er, der einst am babylonischen Turme die Menschen a/, seinandertrieb, jetzt die Völker dort znsammenführt, u:n alte herrliche Dinge au den Tag zu bringen, so soll uns das freuen. Laßt uns überhaupt daran festhalten, daß, so gewiß der fteischgewordene Lhriftus vor seiner Menschwerdung das ewige Wort war, durch welches Licht und Leben auch schon iin Altertum gegeben ist, so gewiß auch keine Wissenschaft etwas wider seine Wahrheit veriuag, sondern nur für dieselbe!" Hakize. Pastor Awetaranian in Schumla, ehedem ein muhammedänischer Priester, sagt in seiner Lebensgeschichte von den Schiiten, ihre Neigung zur Lüge und Heuchelei sei ein großes Hindernis für die Mission in Kaukasten und Persien. Als ihr Grundübel bezeichnet er das „Takije", d. h. die Lehre, daß inan in der äußersten Lebensgefahr die Religion verleugnen dürfe. Diese, den Sunniten unbekannte Lehre wird von vielen Schiiten bei jeder Gelegenheit befolgt. Im Pause eines Sunniten verleugnet mancher seinen Schiismus schon aus Bequemlichkeitsrücksichten. Nicht nur Furcht, sondern auch die Begierde nach äußerm Vorteil macht die Leute gewissenlos. Auch Übergetretene stehen oft noch unter der Herrschaft des „Takije". Ein 60 Jahre alter getaufter Muhammedaner verrichtete in einen: Karawanferai, in welchem sich Muhammedaner aufhielten, die von: Islan: vorgeschriebenen Waschungen und Gebete. Als Awetaranian ihn zur Rede stellte, sagte er: „Ich habe „Takije" gemacht". Aber jener gab ihm zu bedenken, daß es im Ehristentum kein „Takije" giebt, und daß der Heiland gesagt hat: „wer mich vor den Menschen verleugnet, den will ich verleugnen vor meinem himmlischen Vater." — Manche Christen, auch manche Israeliten, die sich der Kirche angeschlossen haben, scheinen die unselige Lehre von: „Takije" zu kenne:: und zu benutzen, wer Lhristi wahrer Jünger geworden ist, bekämpft jede Charakterlosigkeit und ist den: PErrn unwandelbar treu bis in den Tod. Die AruchtvarkeiL J*akästinas. Die Zeit des Erntens hört das ganze Jahr hindurch nicht auf. Kaum geht eine Frucht zu Ende, so wird sie schon durch die Reife einer andern abgelöst, welche reiche Ernten könnte der Boden abwerfen, wenn die Landwirtschaft nicht unter den: türkischen Druck daniederläge! Der Ernte der Getreidearten und pülsenfrnchte schließt sich die der Weintrauben an. Rechnen wir hierzu die verschiedenen Gemüse, Gurkenarten und Baumfrüchte, so kann man von einer ununterbrochenen Erntezeit reden. Den Reigen eröffnen Anfang Mai die süßen Maulbeeren. Ihnen folgen die säuerlichen und die Mischmisch, eine kleine Aprikosenart, die dem Gaumen vorzüglich mundet, aber wegen der den Verdauungsorganen gefährlichen Schärfe sparsam genossen werden sollte. Pflaumen, Pfirsiche und Kernobst schließen sich in: Juni an, und schon werden auch die süßen Feigen reif, vom Tau des Fimmels schenkt uns dann Gott im Juli das große Peer der saftigen Gurkenarten, die von: Volk vielfach roh gegessen werden, und der noch saftreicheren Melonen. Zu ihnen gesellen sich um dieselbe Zeit des Weinstocks edle Früchte, später, im August und September, die Granatäpfel, Ouitten, Nüsse, Sarur und Oliven. In den Winter hinein halten Feigen, Trauben, Melonen, Zuckerrohr, Datteln und Damaskusäpfel aus. Diesem herrlichen Früchtekranz geben die goldgelben Orangen und Zitronen vom November bis in den Mai einen würdigen Abschluß. (Der Bote aus Zion, S. 55 f.) Wei den Juden von Daghestan, einen: seit ^859 zu Rußland gehörigen Landstriche am Ostabhange des Kaukasus, besteht der Brauch, daß die Pesach- Mahlzeit als Gemeindefest gefeiert wird. Der Rabbiner verliest die paggada auf hebräisch und überträgt sie dann in die Umgangssprache. wenn er an die Gebete kommt, die sich auf die baldige Erlösung aus der Gefangenschaft beziehen, pstegen alle anwesenden Männer und Knaben pände, Päupter und Augen zum Pimmel zu erheben und mit zitternder Stimme die folgenden Worte nachzusprechen: „Möge es Dir gefallen, bald den Messias, den Sohn Davids, zu senden, damit er unsere Zerstreuung sammle, wie er vor alters unfern Vätern that!" Dies Gebet, welches an Kor. jo, und 9 erinnert, wird von den Frauen und Mädchen bekräftigt, indem sie in: Chor sprechen: „Ainen! Ja, möge es Dir gefallen!" Nach dem Mahle singt n:a:: eine Anzahl Lieder. Dann begeben sich alle nach Pause.