Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Zu psam 119,105. An einem kalten, dunkeln Winterabend irrte ein Landmann mit seinem kleinen Sohne auf einer sumpfigen Heide umher. Sie hatten den rechten Weg verloren und entfernten sich immer mehr von der Heimat, der sie zustrebten. plötzlich erhob sich ein heftiger Wind, der die Wolken zerstreute und die Sterne zum Vorschein brachte. „Gott sei Dank'" rief da der Vater. „Jetzt werden wir unfern Weg leicht genug finden." „Aber wie denn?" fragte der Anabe. Der Vater antwortete: „Siehst Du nicht die Aapella? In der jetzigen Jahreszeit sieht dieser Stern gerade über unserm Dorf. Wenn wir uns rechts halten, werden wir es bald erreichen." Erstaunt sagte der Anabe: „Wer hätte wohl gedacht, daß wir unfern Weg auf der Erde finden könnten, wenn wir nach den Sternen aufschauen würden?" — In der Bibel läßt uns Gott die allerherrlichsten Sterne erstrahlen. Als solche beleuchten Seine Offenbarungen unfern Lebenspfad. Nur dann legen wir den Weg auf der Erde glücklich zurück, und nur dann gelangen wir an das wahre Ziel, wenn wir diese himmlischen Sterne nie aus den Augen verlieren. Der schönste und hellste von allen ist der Stern aus Jakob, von dem schon Bileam geredet hat (^. Mose 2% 1?). Geht dieser Leitstern, Jesus Ehristus, vor uns her, so wird alles wohl bestehen, wie Benjamin Schmolk in seinem Neujahrsliede singt. Darum ruhe niemand, bis er im Licht dieses Sternes wandeln darf. Ju Galater 3,28. Missionsinspektor Bahnsen sah im östlichen Miltelindien einen prachtvollen Palast, den sich der junge Fürst von Ieypur bauen ließ. Er bewunderte die großen, luftigen Räume, durch die ihn der Baumeister zuerst führte. Dann aber gelangte man an vier neben einander liegende, nur mit kleinen Öffnungen unter der Decke versehene Gemächer. Auf seine Frage erfuhr Bahnsen, daß diese Räume, in die nur so wenig Luft und Licht eindringen kann, der Fürstin von Ieypur als Senanas, d. h. „Frauengemächer, dienen sollten, hier sollte die Ärmste wie eine Gefangene leben, weil sie „nur eine Frau" war. Dieselbe Verachtung ruht auf den Frauen der vornehmen wie der niedrigen Stände in Indien. Fragt man eine Tagelöhnerin, die noch besser gestellt ist als die Reiche, weil sie sich frei bewegen kann, ob sie lesen oder schreiben könne, so antwortet sie: „Wie kommt das zu mir? Ich kann nichts. Ich bin dumm wie das Vieh. Ich bin ja nur eine Frau."— Die christliche Liebe nimmt sich der etwa ^0 Millionen zählenden Bewohnerinnen der Senanas, desgleichen der noch viel zahlreicheren übrigen Inderinnen an. Sie vergesse aber auch nie der vielen armen, besonders morgenländischen Jüdinnen, deren Geistes- und Herzensbildung fast ebenso sehr vernachlässigt wird, deren Gatten und Söhne täglich das Gebet sprechen: „Gelobet seist Du, Ewiger, unser Gott, Aönig der Welt, der Du mich nicht zu einem Weibe gemacht hast!" Das Evangelium schenkt auch den: weiblichen Geschlecht seine verlorene Würde wieder, wie es den Mann in die ihn: entzogenen Rechte wieder einsetzt. Zu Hebräer 2, 4. Ein spanischer Aönig, Pedro II., der W6 bis 1215 regierte, fragte den jüdischen Gelehrten Ephraim Ben Sancho: „Welcke Religion ist bester, die christliche oder die jüdische?" Ephraim antwortete: „Deine Religion ist bester für Dich als den Herrscher, die meiuige besser für mich, den Gott aus Egypten wunderbar errettet hat." Aber diese Antwort genügte dem Aönige nicht. Er verlangte eine solche, die nicht auf die Bekenner, sondern auf das Bekenntnis Rücksicht nähine. Da bat ihn Ephraim um eine dreitägige Bedenkzeit. Nach Ablauf derselben erschien er mit einer Geschichte vor den: Aönige. „Vor vier Wochen," erzählte er, „verreiste mein Nachbar, eitt Juwelier, nachdem er seinen beiden Söhnen zwei Edelsteine übergeben hatte. Nun kamen die Söhne zu mir und verlangten, daß ich ihnen über die Eigenart der Edelsteine Auskunft erteilen sollte. Ich verwies sie an ihren Vater, der die Steine am besten kenne. Sie aber schmähten und schlugen mich." Als Pedro dies Vorgehen als ein strafbares Anrecht bezeichnet, fuhr der Israelit fort: „Mögen Deine Ohren vernehmen, o Aönig, was Dein Mund sprach! Auch Esau und Jakob sind Brüder, von denen jeder einen Edelstein erhielt. Du fragst, welcher der bessere sei. Sende einen Boten an den Vater im Himmel! Er ist der größte Sachkenner und kann Dir den Unterschied am besten an geben." Der Aönig wußte hierauf nichts zu erwidern. Er hätte den Sohn Jakobs, dessen Alugheit er bewunderte, darauf aufmerksam machen können und sollen, daß es einer Sendung an den höchsten zum Zweck der Erlangung richtiger Urteile in Sachen der Religion nicht mehr bedarf. Gott hat sich längst zu Gunsten der christlichen! Religion ausgesprochen. Wie das Auftreten des Heilands selber, so wurde auch die predigt der ersten Jünger Jesu unter Juden und Heiden durch mancherlei göttliche Araftthaten beglaubigt (hebr. 2, Köm. 15, 19; 2. Aor. \2, (2). Und noch immer bestärkt Gott durch unmittelbares Eingreifen, z. B. durch Gebetserhörungen, die Gemeinde des neuen Bundes in der Überzeugung, daß sie sich Seines Wohlgefallens erfreut, daß sie durch den Sohn mit dem Vater versöhnt worden ist (Eph. 2,16; Aol. tz 19 f.), während die Verächter des Evangeliums unter dem Gericht der Sünde bleiben müssen. Wie aber die den Gläubigen folgenden Zeichen (Mark. s6,1? f.) den Glauben erhärten, so dienen auch die vorangegangenen Weissagungen zu seiner Befestigung. Auch in den Weissagungen zeugte der Allmächtige selbst für Ehristum. Wie wäre die