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Dibre Emeth · 1902-01-01 · Heft 3 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
Heft 3
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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20 Irrtum. Leopold von Ranke nahm zwar an, daß diese Stelle durch eine Einschaltung von fremder Hand erweitert worden sei, hielt sie aber keineswegs füruntergeschoben (Weltgeschichte III, 2, S. ^0 f.). Ein Gelehrter, der in dieser Einsicht noch sachverständiger ist als Ranke, Professor Raulen, verteidigt in einer Anmerkung zu seiner Übersetzung der Altertümer des Iofephus (3. Ausi. S. 620) die Echtheit des ganzen „fraglichen Abschnittes. Ebenso scheint der neuste Übersetzer des Iofephus, Di'. Heinrich Llementz, ihn für echt zu halten, da er ihn durch Sperrschrift hervorhebt. Zugunsten der Echtheit spricht auch der Umstand, daß Iofephus an einerspäteren Stelle seines Werkes (Antiq. XX, 9, \) von Iakobus, als dem „Bruder Jesu, des sogenannten Ehristus," erzählt. Wenn wir uns jetzt dem Talmud zuwenden, so ist vonvornherein nicht zu erwarten, daß er den Helden des Neuen Testaments und seine Anhänger in reinen: Lichte darstellen werde. In der That enthalten die vier, bezw. \2 Folianten, deren Grundstock die um 200 nach Ehristo niedergeschriebene Mischna bildet, nur sehr getrübte und entstellte Nachrichten über den wirklichen Sachverhalt. Trotz alledem kann auch diesen Zeugnissen eine gewisse Bedeutung nicht abgesprochen werden. Mit dem Neuen Testan:ent stimmen sie überein, wenn sie die Mutter Jesu Mirjam oder Maria nennen (Bab. Sanh. 67,0, wenn sie von einem Aufenthalt Jesu in Egypten reden (ebd. (07, 2 und Bab. Schabb. (OH, 2), wenn sie ihm Jünger beigeben (Bab. Sanh. ^3, ( und Ab. Sarah (6, 2), wenn sie behaupten, daß er zur Osterzeit hingerichtet worden sei (Bab. Sanh. 4*3, ( und 67, 0/ wenn sie Jünger Jesu kennen, die Wunder verrichteten (Ier. Schabb. (fy und Bab. Ab. Sarah 27, 2). 3. Schon in der besonderen Art der neutestamentlichen Erzählungen liegt nach jüdischer Meinung ein Gegenbeweis gegen die christliche Auffassung vom zweiten Hauptteil der heiligen Schrift. „Heutzutage," sagt man uns, „glaubt der Gebildete nicht mehr an Wunder. Wie könnte er demnach an das Neue Testament glauben?" Gewiß, das Neue Testament ist ein Buch der Wunder. Aber — a) Geschehen nicht auch in der Gegenwart Dinge, die über unser Verständnis hinausgehen? Wieviele Geheinlniffe kennt die Wissenschaft, z. B. die Psychologie? Wieviele Gebetserhörungen erfährt jeder Gläubige! Rann jetzt der natürliche Zusammenhang durchbrochen werden: warum sollte es den: allmächtigen Gott in früherer Zeit unmöglich gewesen sein, durch sein Eingreifen einen außergewöhnlichen Verlauf der Dinge herbeizuführen? Nun ist noch besonders zu bedenken, daß das Neue Testan:ent den wichtigsten Abschnitt der ganzen Weltgeschichte, die Geschichte des zweiten Adan:, des Wiederherstellers der Menschheit, beschreibt. Wie kann es uns befremden, wenn in dieser außerordentlichen Zeit vieles Außerordentliche vorfällt? b) Einen: Israeliten vollends sollten die mit dein Auftreten Ehristi zusammenhängenden Wunder nicht anstößig sein, da er durch seine eigenen heiligen Schriften auf dieselben vorbereitet wird. Solange er das Alte Testament noch in Ehren hält, wozu er allen Grund hat, darf er sich von der Rinderkrankheit der inodernen Bildung, der Wunderscheu, nicht anstecken lassen. Er muß zugeben, daß Jean Paul mit dem Ausspruch recht hatte: „Wunder sind auf Erden, was Natur in: Himmel ist." Ist aber der Gott des Alten Testaments ein Gott, der Wunder thut: was sollte im Wege stehen, daß man die im Neuen Testament erzählte wunderbare Ausführung seiner Pläne nicht anerkennen könnte? Je gründlicher der Israelit nachdenkt, desto weniger wird er sich von den Wundern des Neuen Testaments abschrecken lassen, bis er sie endlich geradezu als Beweise für die Glaubwürdigkeit desselben betrachten lernt. (Schluß folgt.) Vaurat Nr. Nonrad Schick wurde an: 27. Januar (822 in Bitz bei Balingen, in der Nähe der Burg Hohenzollern, geboren. Sein Vater war daselbst Landn:ann und Schultheiß. Die Eltern hatten bei seiner Geburt bereits fünf Söhne, und später folgten noch fünf. Eine Tochter war nicht vorhanden. Unter den (( Rindern war Ronrad das schwächste. Oft suchten ihn Rrankheiten heim. Im Alter von (7 Jahren schien er dem Tode verfallen zu sein. Er ging damals auf den Friedhof, um sich den Platz anzusehen, aus dem er seiner Meinung nach bald begraben werden sollte, plötzlich änderte sich sein körperlicher Zustand. Neue Rräfte durchströmten ihn, und er wurde ganz gesund. Mit Recht betrachtete er seine Genesung als ein Wunder. Dem göttlichen Wunderthäter übergab er sich jetzt aufs neue, nachdem er schon seit seinem 7. Jahr mit ihm innig verbunden gewesen war. Die Rrankheit, die zu völliger Genesung führte, unterbrach seinen Aufenthalt in Rornthal, wohin er als vierzehnjähriger Rnabe gekommen war. Hier hatte er das Schlosser- Handwerk erlernt, aber auch noch weiter die Schule besucht, da er fest entschlossen war, Missionar zu werden. Nach jener Rrankheit kam er auf die Realschule in Ebingen. (8^3 zog er nach Basel. Im folgenden Jahre fand er ohne sein Zuthun Aufnahme in St. Lhrischona. In dieser Missionsanstalt blieb er fast zwei Jahre. Dann erfüllte sich die Sehnsucht nach dem Lande in: Südosten, die sich schon früh in ihm geregt hatte. Der Gründer und Leiter der Anstalt, <£. F. Spittler, sandte ihn und einen andern Zögling derselben, Palmer, (8^6 nach Jerusalem. Hier sollten sie mehr durch ihr Beispiel als durch Lehren missionieren. Von Ierusalen: aus sollten in Asien und Afrika Missionsplätze begründet werden. Eine

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