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Dibre Emeth · 1902-01-01 · Heft 3 · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
Heft 3
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10 Allerdings weist die Geschichte des menschlichen Schristtunis niancherlei Fälschungen auf. Noch in der jüngsten Vergangenheit ist es denl jüdischen I Fälscher Karl Wiesenthal gelungen, jüdische Zeit-! schriften mit erdichteten Briefen hervorragender Personen 511 betrügen. Aber die 27 Schriften des Neuell Testanients sind über jeden derartigen Verdacht erhaben. Außere und innere Zeugnisse für ihre Echtheit stehen ihnen zur Leite. a) Nicht erst Athanasius, der im Jahre 575 starb,! und die Kirchenversammlung von lchppo, die 20 Jahre später stattfand, verbürgten sich für die Glaubwürdigkeit dieser Schriften: schon viel früher hatte man darüber gewacht, daß die Bibel der Christen, die natürlich erst nach und nach entstehen konnte, von Fälschungen freigehalten wurde. Dies ersehen wir z. B. aus einer Nachricht des im Jahre 220 entschlafenen Kirchenlehrers Tertullian, der zufolge einmal ein Presbyter in Kleinasien von einer Synode abgesetzt wurde, weil er es gewagt hatte, die Geschichte des Apostels Paulus durch eine von ihm erfundene Erzählung zu ergänzen. Der heilige Geist, der die Kirche durchdrang, mußte allen Lug und Trug bekämpfen. Viele Spuren von den: Vorhandensein der im Neuen Testament verbundenen Schriften lassen sich in Schriftstücken des zweiten christlichen Jahrhunderts Nachweisen. Ja, schon ein christlicher Schriftsteller des ersten Jahrhunderts, Llemens von Rom, hat sechs neutestamentliche Lchriften benutzt, womit selbstverständlich nicht behauptet wird, daß er nur diese und nicht noch weitere gekannt habe. Lessings Nathan der Weise kann keine Fälschung des (9. Jahrhunderts sein, da bereits die jüngeren Zeitgenossen des Dichters, z. B. Goethe, auf dies Werk Rücksicht nehmen. Ebensowenig kann das Neue Testament von Betrügern des vierten Jahrhunderts herrühren, da es bereits im zweiten, teilweise sogar im ersten berücksichtigt wird. b) Was die innern Gründe für die Echtheit des zweiten Teils der Bibel betrifft, so empfängt jeder unbefangene Leser den Eindruck, daß dies Buch der Wahrheit dient. Es predigt von einern, der sich die Wahrheit nennt. Es fordert, daß die Jünger dieses großen Meisters in der Wahrheit wandeln. Wer die Arzenei gegen die Krankheit der Sünde, welche das Neue Testament anbietet, dankbar anwendet, der wird den: Reich der Lüge entzogen. Zst aber dem rechten Leser die Sünde ein Greuel und insonderheit die Lunde der Lüge verhaßt: wie wäre es denkbar, daß die Verfasser dieses Buches anders gedacht haben könnten? Wie die Frucht: so der Baum; wie der Ltrom: so die Quelle. Das für das Zeugnis der Wahrheit empfängliche Gewissen wird es nie zugeben, daß die Männer, welche im Neuen Testament zu uns reden, selber so weit von der Wahrheit abgewichen seien, wie die Angreifer behaupten. 2. Gegen die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments wird auch die Beschuldigung ins Feld geführt, daß es mit seinen geschichtlichen Angaben völlig vereinzelt dastehe. Zn Wirklichkeit fehlt es weder an heidnischen noch an jüdischen Schriften der ersten Jahrhunderte, in welchen die Hauptthatsachen der christlichen Bibel erwähnt werden. a) Der Römer Tacitus, der in den Zähren 50—ffO nach Ehristo lebte, gedenkt in seinen pistorien (V, \5) der unter den Zuden des ersten christlichen Zahrhunderts verbreiteten, von ihren heiligen Schriften genährten Hoffnung auf eine von Zudäa ausgehende Weltherrschaft. Wie er uns hier mit den messianischen Gedanken und Erwartungen Zsraels bekannt macht, so redet er in seinen Annalen (XV, von deni, der in jener Zeit als der rechte Messias auftrat. Tacitus erzählt von der Einrichtung Ehristi durch Pontius Pilatus, aber auch von der trotzdem erfolgten Ausbreitung des neuen Glaubens, den er freilich nur als einen Aberglauben ansieht. Ausführlicher äußert sich der jüngere plinius, der voll 62—\\2 nach Ehristo lebte, über die Religion der Ehristen. Als Statthalter von Bithynien berichtete er dem Kaiser Trajan (Epist. X, 96 f.) vom christlichen Labbath, all welchem Ehristo, als einem göttlichen Wesen, ein gelneinsames Lied gesungen, das Gelübde, ein sittlich reines Leben 51t führen, erneuert und ein gemeinsanles Mahl eingenomnlen werde. Noch ein dritter Römer, Lueton, geboren 70, gestorben \2\ nach Ehristo, ist hier zu erwähnen. Erläßt uns ebenso wie Tacitus in den damaligen Messiasglauben, welcher Zudäa als den Ausgangspunkt für eine neue Weltherrschaft betrachtete, hineinschauen (Vespas. c. ch). Er bestätigt die Nachricht Apg. {8, 2 b, bezeugt aber vielleicht auch das frühe Auftreten des christlichen Glaubens in Rom (Elaud. c. 25). Das „Vielleicht" bezieht sich darauf, daß der von Lueton genannte Ehrestus wahrscheinlich Ehristus ist. b) Unter den altjüdischen Schriftstellern, deren Angaben sich mit denjenigen des Neuen Testaments berühren, steht obenan der im Zahre 57 nach Ehristo geborene, im Zahre J00 gestorbene Flavins Zosephus. Er redet llicht nur voll dein durch Herodes getöteten Prediger und Täufer Zohannes (Antiq. XVIII, 5, 2), sondern auch voll öem großen Weisen, Wunderthäter und Wahrheitslehrer Zesus, der Zuden und Heiden angezogen habe llnd der Messias gewesen sei. „Als die Vornehmsten unseres Volkes ihn vor Pilatus allgeklagt batten, ließ derselbe ihn kreuzigen. Aber diejelligell, die ihil zuerst geliebt hattell, verließell ihll allch llach fei)iem Tode llicht. Er erschien ihllell am dritten Tage wieder lebendig, wie die heiligell Prophetell dies ulld viele alldere wunderbare Dillge voll ihlll verkündigt hatten." Die Äußerungen des Zosephlls über Öen Erlöser (Antiq. XVIII, 5,5) lassen sich durch bloße Ulachtsprüche llicht aus der Welt schaffen. Wenn der jüdische Geschichtsschreiber Graetz meinte, heutzutage wcvbc kein besonnener Forscher sie für echt halten, so befand er sich im

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