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Dibre Emeth · 1902-01-01 · 2 (1902) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
2 (1902)
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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14 sein sollen. Aber nur eine kleine Zahl der Bewohner hält diesen Tag in Ehren, wie hier die Mehrzahl leider immer den Tag des HErrn entweiht. Im Hause Gottes versammelt sich eine Festgemeinde, als der Tag schon sich zu neigen beginnt. Der Verein junger Männer feiert sein Iahresfest. Der gemeinsame Gesang hebt die Kerzen himmelwärts. Noch mehr thut dies die warm vorgetragene, durchdachte predigt über Ioh. \, 57—42. Lin schöner vierstimmiger Gesang aus Leipzig herbeigeeilter Länger beschließt die kirchliche Feier. Die Fortsetzung der schönen Gesangvorträge des Leipziger Quartetts findet in einer anderen Airche statt. Leider bleiben viele Plätze leer. Aber die Gesänge sind schönen Inhalts, und der Vortrag ist tadellos. Zuletzt ertönt ein aus drei Versen bestehendes Lied aus neuerer Zeit, dessen Dichter und Komponist aber bereits entschlafen sind. Dasselbe lautet: „Erquicke mich mit Deinem Licht, Mit Freud' vor Deinem Angesicht, Und bleibe immer, HErr, bei mir, Und laß mich stille sein in Dir! „Ach, wie so gern hält' ich Dich lieb! VErr, Deinen Geist mir dazu gieb, Und nimm' Dich Deines Kindes an, Daß fromm es Dir nur leben kann! „So laß mich geb'n an Deiner Hand Und führe mich ins Vaterland! Und winkt die stille Abendruh', Daun drück' mir selbst die Augen zu!" Mögen diese Stunden vielen zum Legen geworden sein! A. B. Ju Psalm 126. Am 23. September $01 feierte die jüdische Gemeinde in Mystiten gleich allen anderen den Iom- Aippur. Eine schwere Heimsuchung hatte diese russische Stadt kurz vorher betroffen. Eine furchtbare Feuersbrunst hatte auch vielen Juden ihre Habe geraubt. Nachmittags 4 Uhr vernahmen die Andächtigen in der Synagoge Trommelschlag. Alles eilte hinaus. Der deutsche Aaiser hielt auf dem Marktplatz, um den Bewohnern eine Liebesgabe seines Freundes, des Zaren, zu überreichen, wobei er eine Ansprache an die Bevölkerung hielt. Zuerst wollte es niernand glauben, daß wirklich der deutsche Aaiser gekommen sei. Dann aber zweifelte man nicht länger. Als man den Aaiser hatte reden hören, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Wie die christliche Gemeinde, so beschloß die jüdische, daß alljährlich am Tage des hohen Besuchs ein Gebet für den deutschen Aaiser gesprochen werden solle. Es wird die Zeit kommen, in welcher der messianische Aönig inmitten seines Volkes Israel erscheint, um demselben die allergrößten Wohlthaten zu erweisen, um es von allein Leldensdruck zu befreien und zur Vollendung zu führen. Dann werden alle Hoffnungen auf und alle Gebete um Hilfe aufs herrlichste verwirklicht werden. Dann werden die Kinder Jakobs wieder sein wie Träumende. Dann wird wieder ihr Mund voll Lachens und ihre Zunge voll Rühmens sein. Das alte Bekenntnis wird wieder laut werden: „Der HErr hat Großes an uns gethan; des sind wir fröhlich." Aber wie die erste Erscheinung des Messias vor MO Jahren, so wird auch die letzte am Ende des jetzigen Zeitenlaufs nur denen zum Segen werden, welche den natürlichen Sinn ändern, welche Buße Lhun. Für Israel kommt hierbei besonders in Betracht, daß es seine bisherige Stellung zu dem Gesalbten des HErrn einer ernsten Prüfung zu unterziehen und aufzugeben hat. Das ablehnende Verhalten gegenüber dem HEiland, den uns Gott gesandt hat, darf nicht länger fortdauern. Auch, ja, zuerst mit Bezug auf IEsum hat das Volk der zwölf Stämme Gottes Gebot zu erfüllen und so zu thun, was vor Gott gefällig ist. „Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes IEsu Lhristi und lieben uns untereinander" (tz Ioh. 3, 23). Tötender Schatten. Joh. 12. 33. Ein Naturforscher pflanzte Bohnen, und zwar so, daß eine Hälfte während des ganzen Tages, die andere während des halben Tages von der Lonne beleuchtet wurde. Bei der Ernte verhielten sich die Früchte der unbefchatteten Pflanzen zu denjenigen der halbbeschatteten wie 49 zu 29, das Gewicht der getrockneten Bohnen wie 5 zu Im folgenden Jahre wurden die minderwertigen Bohnen in gutem Boden gezogen und dem vollen Tageslicht ausgesetzt, aber sie gaben jetzt kaum noch die halbe Ernte. Ein Jahr später lieferte ihre Aussaat gar keinen Ertrag mehr, sondern nur noch taube Blüten. Die Entziehung des halben Tageslichtes vernichtete also in kurzer Zeit die Lebenskraft der Pflanze. Ohne das Licht der göttlichen Gnade kann kein Mensch gedeihen. Dies Licht muß ihn ohne Unterbrechung, täglich und stündlich, bestrahlen. Wer demselben nur einen Teil seiner Zeit überläßt und während des andern Teils im Schatten der Sünde bleibt, der wird bald das noch vorhandene Gnadenlicht einbüßen. Mat. \5, \2. Die Liebe hört nimmer auf. 1. Nor. 13, 8. In Berlin besteht eine Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende männliche Jugend. In der Zeitschrift, die sie herausgiebt, und die den Namen „Heimatfreund" führt, fanden wir ein schönes Zeugnis von unermüdlicher suchender Liebe. Ein Schneidergeselle war in Berlin zugezogen und besucht worden. Er hatte versprochen, der Einladung zu folgen, kam aber nicht. Er wurde mm zum zweitenmal besucht, war aber nicht zu Hause und

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