Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- 2 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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nicht allein im Äußeren eine solche Machtstellung, daß es Völkern und Aönigen zum Gläubiger geworden ist; es ist auch zum großen Teil im Rate der Völker, in Volksvertretungen, in der Tagespresse, in der öffentlichen Meinung zu einer führenden Macht geworden, mit der inan allerseits zu rechnen hat, es ist aus den niedrigsten, gedrücktesten Verhältnissen emporgekommen durch seine mannigfache Thätigkeit, so daß man in vielen Kreisen, namentlich in Gewerbe und Handel, vor seinen: Mitbewerb sich fürchtet. Neuerdings aber sehen wir auch im geistigen Leben einen wunderbaren Vorgang. Das Volk hatte sich durch seine Satzungen abgeschlossen von allen Völkern. Nun aber schwinden diese Schranken mehr und mehr. Unsere aus dem Thristentum stammende Bildung dringt ein unter ihnen. So stehen sie auch innerlich ganz anders da als früher. Schon das ist ein Zeichen der Zeit." Nachdem Burk auf die Deutung dieses Zeichens durch die heilige Schrift, auf die Weissagungen, daß Israel nach langem Druck wieder in die höhe kommen werde, aufmerksam gemacht hat, erklärt er, daß jene Vorgänge es uns nahelegen, zu fragen: „Was will das werden? Wo will diese Bewegung unter den Juden hinaus?" Dann fährt er fort: „Nun ist neuestens noch etwas dazu gekommen: der sogenannte Zionismus, das Bestreben dieses Volkes nach selbständigem Dasein, nach einem eigenen Staat und eigenen Gesetzen. In immer weiteren Kreisen ergreift das die, Iudenschaft. Wie ihre Väter einst auszogen aus Ägypten, wie sie die goldenen und silbernen Geräte mitnahmen, so wollen auch sie ausziehen und sich als eigene Nation im Lande ihrer Väter niederlassen, indem sie mitnehmen nicht nur ihre äußeren Reichtümer, sondern auch das, was sie von unserer Bildung fick angeeignet haben. Es ist ein Zeichen der Zeit. Auch darauf läßt das Wort Gottes sein Licht fallen. Der Prophet Ezechiel berichtet uns Kap. 37 ein Gesicht. Gr sah ein großes Feld voll Todtengebeine, und der HErr sprach zu ihm: „Diese Gebeine sind das ganze Haus Israel." Und der Prophet weissagt in des HErrn Namen: „Ich will einen Odem in euch bringen, daß ihr sollt lebendig werden." Da regte es sich, und die Gebeine kamen wieder zusammen, aber es war noch kein Odem in ihnen. Da sprach der HErr: „Weissage: Wind, komme und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden I" Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig. Das ist eine Weissagung auf die künftigen Geschicke Israels, die sich jetzt erfülle//. Sie suchen jetzt sich zu sammeln zu einem Volke; aber freilich, sie suchen es ohne Gott und und seinen Geist, ohne den HErrn, der sie aus Ägypten führte. Grundsätzlich ist von ihnen erklärt worden, wie viele, die sich Thristen nennen, es auch sagen: „Religion ist Privatsackei Darauf kommt es nicht an, nur auf die Stammeszugehörigkeit." So will das Volk sich sammeln, aber nicht durch den Geist Gottes; sie sind tot. Das ist der Anfang, den wir sehen." Wenn I)r. Burk hierauf meint, Mat. 24, 5^ werde der Fortbestand Israels bis zur Erfüllung aller Gottesverheißungen gelehrt, so ist diese Auffassung zwar sehr verbreitet, aber nicht richtig. IEsus redet dort von den: danlaligen Geschlecht, von seinen Zeitgenossen. Jene Generation sollte alle vorher genannten Vorzeichen seiner Wiederkunft erleben. Aber an andern Stellen des Neuen Testament wird ohne Zweifel die weitere Erhaltung des israelitischen Volkes geweissagt. Mit solchen Weissagungen stimmt die Wirklichkeit überein. Und auch der von Burk treffend gekennzeichnete Zionismus muß zur Erfüllung der Weissagungen beitragen. „Wir sehen," heißt es in der predigt, „wie Israel unter allen: Wechsel der Zeiten, unter allen Gefahren und Verfolgungen fortgedauert hat auf wunderbare Weise. Ohne ein Vaterland zu haben, ist es ein Volk geblieben. Denken wir an unsere Landsleute, die nach Amerika auswandern, wie lange behalten sie ihr Volkstum? Im zweiten, dritten Geschlecht ist es vergessen, daß sie Deutsche waren. Und dieses Volk, das ohne ein eigenes Land unter den Völkern herumgewürfelt worden ist seit mehr als (800 Jahren, hört nicht auf." Auch der Burkschen Erklärung von Mat. 2% 32, die sich an diese Sätze anschließt, vermögen wir nicht zuzustimmen. Der genannte Vers wird ja durch den folgenden erläutert. Beide besagen: Wie das Saftigwerden und Blättertreiben des Feigenbaumes auf die Nähe des Sommers schließen lassen, so kündigen die von IEsu geschilderten Vorzeichen seine eigene Wiederkunft an (vgl. Vs. 30f.). Aber Israel kann freilich als ein Feigenbaum betrachtet werden, der lange erstorben dafteht und dann zu neuem Leben erwacht. Und auch der Zionismus muß dazu helfen, daß der alte Baum wieder zu grünen anfängt. Indessen werden die Herren herzl und Nordau ihm das wahre Leben nicht mitteilen: dies wird er von IEsu empfangen, wenn die Stunde der völligen Erlösung Israels geschlagen hat, wenn das äußerlich gesammelte Israel mit gesammelten Sinnen, mit tiefem Schmerz über seine größte Sünde, die Verstoßung des Messias, zum Fimmel emporschaut. Für diese Vollendungszeit im Reiche Gottes erwarten wir im Gegensatz zu den Schlußbemerkungen Burks allerdings eine besondere Gnadenmilteilung an das neubelebte Volk. Unsere Hoffnung gründet sich namentlich aufRön:. \\,\5. Erlebnisse in einer Großstadt am ersten Sonntag nach Neujahr. Die Tage zweier Feste sind vorüber, an welche!: mehr oder weniger alle Einwohner, ob evangelisch, katholisch oder jüdisch, sich beteiligt haben. Der Tageslauf hat wieder begonnen: das hasten, Rennen und Jagen nach Geld und Gut, Ansehen und Ehre. Da kommt zun: erstennial im neuen Jahr der wöchentliche Ruhetag, der Tag, den der HErr gemacht hat, an welchen: wir uns freuen und fröhlich