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Dibre Emeth · 1902-01-01 · 2 (1902) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
2 (1902)
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11 Lauschen wir 6cm Unterricht, den uns Hamburg mit dein Mastenwalde seines Hafens erteilt! Hamburgs Unterweisung ftimnit mit derjenigen des Jakobusbriefes, die wir soeben vernahmen, überein. Sic lautet: Was das Steuerruder für das Schiff ist, das ist die Zunge im Menschenleben. Auch die Zunge kann große Dinge anrichten oder (wie es buchstäblich bei Jakobus lautet) sich großer Dinge rühmen. Hieraus ergiebt sich die Ulahnung: Sorget dafür, daß Eure Zunge vor allen Menschen, also auch vor Euren israelitischen Mitbürgern, wirklichen Ruhm erlangt, nicht falschen! Betrachten wir jetzt die Missionspredigt der Stadt Hamburg etwas näher! I. Ein Schiff streicht durch die Wellen. Es hat eine lange Fahrt hinter sich, aber jetzt winkt ihm das Ziel in nächster Nähe. Schon biegt es in die enge Felsenstraße ein, die zum Hafen führt, plötzlich erfolgt ein furchtbares Arachen. Ein Jammergeschrei schallt zum Himmel empor. Binnen wenigen Minuten sinkt das Fahrzeug samt den Fahrgästen in die Tiefe. Viele, die glücklich übers Meer gekommen sind, finden angesichts der Aüste ihren Tod. Nur wenige vermögen sich zu retten. Steuermann, Dein Ruhm ist nicht fein! Deine Unaufmerksamkeit hat den Untergang des Schiffes herbeigeführt. Wahrlich, Du hast Großes angerichtet, aber wenn Du selbst die Sache auch leicht nehmen solltest, so würde sie Dir doch bei allen rechtlich Denkenden zur Schande gereichen. „Steuermann, Du Unglücksmann!" so muß man auch manchem zurufen, der durch leichtsinnigen Gebrauch der Zunge, durch unbedachte Worte, Unheil gestiftet hat. Wie viele versündigen sich in dieser Weise auch an Israeliten! Wie oft mag die unvorsichtige Äußerung eines Ehristen die Ursache sein, daß ein Jude zeitlebens vom Heiland und somit vom Heil fernbleibt I Da vergißt sich z. B. ein Ehrist so weit, daß er die Einladung, in einen Wagen zu steigen, in dem ein Jude sitzt, mit dem Ruf beantwortet: „Ich fahre nicht mit Juden zusammen." Ist es nicht begreiflich, wenn ein so behandelter Sohn der Synagoge keine Neigung verspürt, sich der Airche anzuschließen? Gebt acht, Freunde, auf das kleine Ruder, auf die Zunge! Laßt keine unbesonnene, Euren Ehristenstand entwürdigende Rede aus Eurem Munde gehen! Von jeden! solchen Wort werdet Ihr einmal atu Gerichtstage Rechenschaft geben müssen. Ist es ein böser Ruhm, wenn man es an der Aufmerksamkeit, die das Steuer eines Schiffes erheischt, Hai fehlet! lassen, so erwirbt sich derjenige einen noch viel böseren, welcher absichtlich ein Unglück herbeifüh rt. Stellt Euch einmal vor: Ein großer Ozeandampfer rennt, um schnell vorwärts zu kommen und den für die kürzeste Fahrt ausgesetzten Preis zu erlangen, ein kleines Schiff an und fährt weiter, ohne sich um die Ertrinkenden zu kümmern! Ein solches Verfahren wäre geradezu teuflisch. Nur der Teufel würde den Urheber dieser That um seinen Ruhm beneiden. Teuflisch handeln aber auch solche Menschen, die absichtlich dazu beitragen, daß ihre Mitmenschen innerlich zu Grunde gehen, die also das Verbot der Bibel, Juden, Griechen und der Gemeinde Gottes ärgerlich zu sein, d. h. ein Anstoß zu werden (\. Aor. JO, 52), frech übertreten. ZHit ‘Redji klagen wir über schädliche Einflüsse, die von jüdischen Rednern und Schriftstellern auf unbefestigte Ehristen ausgeübt werden. Aber umgekehrt könnten die Juden auch über viele Ehristen Alage führen. Jedenfalls wird der allerhöchste Gerichtsherr viele von uns, deren Worte für die jüdische Umgebung eine Höllenpforte sind, zur Verantwortung ziehen. Aus der Ehristenheit gingen Voltaire, Strauß, Renan und andere Glaubenszerstörer hervor. Ganze Scharen von Aposteln des Unglaubens, die in der Gegenwart leben, haben in der Airche ihre ursprüngliche Heimat. Helft, Geliebte, daß der Mund der Verführer gestopft, daß der von ihnen ausgehende Giftstrom zum Versiegen gebracht werde! II. Auf wirklichen Ruhm kann der Schiffer Anspruch erheben, der aller Hindernisse ungeachtet seine Pflicht gewissenhaft erfüllt. Seht, da rauscht ein gewaltiges Auswandererschiff durch die hochgehende See! Der Wind weht aus der Fahrtrichtung und sucht immer wieder das Schiff aus seiner Bahn zu bringen. Dazu kommt, daß hie und da Aorallenriffe und Sandbänke aus den Fluten auftauchen. Ja, endlich erscheint sogar der allerschlimmste Feind der Schifffahrt: düsterer, dicker Nebel. Da gilt es, alle Manneskraft zusammenzuhalten, mit sckarfem Verstände die Lage des Schiffes zu berechnen, mit hellem Auge das umgebende Dämmerlicht zu durchdringen, mit starker Faust das widerspenstige Steuerruder zu bezwingen. Und Gott schenkt der Treue ihren Lohn, dem Heldenkampf einen glänzenden Sieg. Wohl ist des Steuermanns schwarzes Haar plötzlich grau geworden: die ungeheure Anstrengung und das Gefühl schwerer Verantwortung haben das bewirkt. Aber der Hafen wird erreicht, und mancher Händedruck der Geretteten bezeugt dem Retter die Dankbarkeit derselben. O, daß unsere Zunge ebenso im Dienst der pflichttreue stände! Unser Herr und Meister gebietet uns, mit unseren Mitmenschen freundlich, d. h. vor allein seelsorgerlich zu reden (Matth. 28; Mark. {6). So fordert auch Paulus: „Es stelle sich ein jeglicher unter uns also, daß er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung," und: „Eure Lindigkeit lasset kund sein allen Menschen" (Röm. 2; Phil. ^,5). Ein Anecht des Herrn soll nach demselben Apostel freundlich sein gegen jedermann, lehrhaftig, sanftinütig, wenn er die Widersacher fürs Hinnuelreich zu erziehen sucht

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