Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- 2 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2555097-2555099--10211-2566445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 trotz allem, was dagegen spricht, bete zu ihm, gehorche seinem Worte, so wirst du erfahren, daß er dich hört, seine Verheißungen wahrmacht, daß es Gemeinschaft mit ihn: giebt, daß er der Lebendige ist. Dann kommt es bald aus innerster Überzeugung zu den: Bekenntnis des Petrus: „Du bist der Lohn des lebendigen Gottes." Dieser Weg ist nicht jedermanns Sache. Der andere ist der: Nimm dein Neues Testament zur Hand und lerne IEsurn daraus kennen nach der Seite seiner Liebe und Wahrheit! Das Unbegreifliche läßt man zunächst ruhig liegen. Dem Eindruck kann sich kein Aufrichtiger entziehen, daß IEsus alles Vertrauen verdient. Wer konnte ihn einer Sünde zeihen? Reiner, denn er war aus der Wahrheit. Er ist die Wahrheit. So sind auch seine Worte wahr, auch so gewaltige, wie wir sie Ioh. 8, \2 u. \\, 25 lesen: „Ich bin das Licht der Welt." „Ich bin die Auferstehung und das Leben." Diese und andere Worte IEsu wie Ioh. 6,^8; 6; \8, 3(5 f; Mat. U, 28- 50; 20,28; 28,1(8-20 muß man einmal vor sich nehmen und durchdenken, was sie sagen, dann merkt man: f}ier handelt es sich um ein Entweder — oder. Entweder sind diese Worte Wahrheit oder eine gotteslästerliche Schwärmerei. Gegen letzteres spricht alles, was wir sonst von IEsus wissen, auch der herrliche Inhalt jener Worte. Gegen diese Annahme sträubt sich unser Innerstes. 5ind aber die Worte Wahrheit, was dünkt dich dann um IEsus? Auch die angeführten Worte, zusammengenommen mit der Person IEsu, wie sie uns in den Evangelien entgegentritt, treiben schließlich notwendigerweise zu jenem Petrusbekenntnis. Freilich nur dem Aufrichtigen kann es gelingen, diese Antwort zu finden. Wer nicht bereit sein will, sich aufgrund der erkannten, am Kerzen bezeugten Wahrheit dieser und hiermit IEsu ganz hinzugeben, der wird nie die lebendige, beseligende Rraft jenes Bekenntnisses erfahren. (Mon. Anz. des Ehr. V. I. M. in Wien.) Aus dem Leben des Proselrffen Dr. C. Veith. Vor etwas mehr als 25 Jahren, am 6. November 1876, verstarb in seinem 90. Lebensjahre der Wiener Domprediger Di'. Emanuel Veith. Er war einst vom Judentum zum Ratholizismus übergetreten und Priester geworden und hatte dann eine pfarrstelle an der Stephanskirche in Wien erlangt. Viele seiner predigten erschienen im Druck. Der evangelische Professor Ehristlieb urteilte über Veith, er sei als Prediger meistens auch für uns Protestanten genießbar. Jedenfalls wird auch jeder Protestant sich an der edlen That des Katholiken erfreuen, von welcher wir jetzt erzählen wollen. Während eines Sommers suchte Veith, der zur Zeit dieser Geschichte oft leidend und bereits betagt war, in dem schön gelegenen Neuberg bei Mürzzuschlag Erholung. Nun wurde damals die Gegend von Wegelagerern unsicher gemacht. Insonderheit that sich als solcher ein fortgejagter holzknecht, der schwarze Peter, wie man ihn nannte, hervor. Blau warnte den Domprediger vor den Räubern, Veith ließ sich jedoch von seinen einsamen Wanderungen durch die Wälder nicht zurückhalten. Jede Begleitung, die man ihm anbot, lehnte er ab. So steigt er eines Tages mutterseelenallein aus einer Schlucht empor. Da steht plötzlich vor ihm der schwarze Peter. Dieser verlangt ungestüm das Geld des Dompredigers. Veith giebt deni Räuber alles, was er bei sich hat. Als aber jener sich schnell entfernen will, ruft er ihn zurück. Er knüpft mit dem frechen und gefährlichen Menschen ein Gespräch an. Er fragt ihn sanft nach seinem bisherigen Leben. Der schwarze Peter ist von der Freundlichkeit des von ihn: beraubten alten Mannes ganz betroffen und fängt an zu beichten. Veith hört schweigend zu, bis der Räuber fertig ist. hierauf beginnt er selbst zu erzählen. Er erzählt seinem unheimlichen Zuhörer zuerst ein indisches Märchen, sodann zwei neutestanientliche Gleichnisse, darunter das vom verlorenen Sohn (Luk. (5). Inzwischen sind die beiden nicht stehen geblieben, sondern auf Neuberg zu gewandert. Jetzt liegt die Stadt vor ihnen. Gerade sinkt die Sonne im Westen, die Berggipfel vergoldend. Von der Rirche herüber ertönt das Abendgeläute. Der geistliche Herr entblößt das Haupt und spricht ein Gebet, und der Räuber an seiner Seite thut dasselbe. Als aber nun der Priester dem Räuber einen Abschiedsgruß zuwinkt, da stürzt dieser vor ihm auf die Rniee, bittet ihn mit aufgehobenen Händen um Verzeihung, beschwört ihn, das geraubte Geld zurückzunehmen und ruft endlich: „Segnen Sie mich, hochwürdiger Herr, daß ich ein anderer Mensch werde!" Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß Veith mit Freuden die Hände auf das Haupt des reumütigen Sünders legte. Auch versprach er ihm seine Fürbitte bei den Gerichten. Dies Versprechen wurde treulich erfüllt, und der schwarze Peter wurde gerettet. Die Stadt Hamburg als Missions;iredigenn. Aus einer am ^5. August in Winterhude gehaltenen Rede über Jakobi 5,4 u. 511. Hamburg hat für das deutsche Volk ungefähr die gleiche Bedeutung, die Ezeongeber zur Zeit Salomos für Israel besaß. Wie von der Hafenstadt am älanitischen Meerbusen stolze Schiffe nach dem Goldland Ophir fuhren, so zieht von der alten Hansastadt an der Elbe eine stattliche Handelsflotte durch weite Wasser zu fernen Ländern. Wer von uns hätte nicht Freude an dem geschäftigen Treiben des Hamburger Seeverkehrs? Wie sehr erweitert die Schifffahrt unfern Gesichtskreis! Wie mächtig regt sie nicht nur unsere Einbildungs-, sondern auch unsere Thatkraft an! heute sind wir auf hamburgischem Gebiet zu einer Missionsfeier vereint. Da kann uns die Stadt der Schiffe als eine Missionspredigerin öicucu.