Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- 2 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dibre 6metb. ein Uierteliaf>rsblatt für Israeliten und freunde Israels. 1902. 58. gct^rgcmg. Wo. 2. Inhcitt: Opfer der Liebe. — wessen Sohn ist IEsus?- Aus dem Leben des Proselyten Dr. L. veith. — Die Stadt Hamburg als Misstonsprediqerin. — Der Zionismus ein Zeichen der Zeit. — Erlebnisse in einer Großstadt am ersten Sonntag nach Neujahr. — Zu Psalm \25. — Tötender Schatten. Joh. *2,53. — Die Liebe hört nimmer auf. Kor. *3,8. — Betet ohne Unterlaß! *. Thess. 5, *7. — Ein Netter. — Dichterworte über den Segen des Leides.Mittel gegen trübe Gedanken. — Zum Nachdenken. — Kleine Missionszeitung. —- Antworten. Opfer der Liebe. Tin Seeschiff kehrte von einer langen Reise zurück. Schon glaubten die Insassen alle Gefahren Überstunden zu haben. Da erhob sich ein mächtiger Sturm, Hochauf schwollen die Wogen. Sie brandeten und rauschten und warfen das stolze Schiff wie eine Nußschale hin und her. Ob auch jeder an Bord seine Pflicht that: alle Mühe war vergeblich. Gott ließ es zu, daß Sturm und Meereswogen das Schiff mit allem, was es in sich barg, in das dunkle Wellengrab Hinabrissen. Nur zwei von den Reisenden wurden wieder von den Mögen emporgetneben. Beide ergriffen eine Planke des untergegangenen Schiffes, die in ihrer Nähe schwamm, mit der Kraft der Verzweiflung und mit der Hoffnung, durch sie noch gerettet zu werden. Doch die Planke war zu schwach, um beide durch die hochgehenden, schäumenden Wogen des Meeres zu tragen. Da sagte der eine der beiden Männer: „Freund! Nur einen von uns will Gott der HGrr die Heimat schauen lassen. Sag' an, wer hofft und harrt auf Deine Rückkehr?" „Gin treues, liebendes Weib", sprach der andere, „wartet auf mich, und fünf unversorgte Kindlein schauen bangenden, sehnenden Herzens nach dem Vater und Ernährer aus." Da wurde das Gesicht des ersten ernst. Gr hob die Augen zum Himmel auf. Im stillen Gebet bewegten sich seine Lippen. Seliger Friede lag auf seinem Antlitz, als er jetzt die Worte sprach: „Auf mich warten nur zwei erwachsene Söhne. Sie brauchen mich nicht. Der Vater im Fimmel wird mit ihnen sein." hierauf lösten seine Hände sich langsam von der Planke. Gr warf noch einen Blick treuer Liebe auf den Freund und sank dann in die Tiefe. Die'Sonne, die gerade durch die Wolkenmasse hindurchbrach, sandte ihm einen leuchtenden Strahl in sein Wellengrab nach. Den andern aber trug die Planke in den Hafen, ans Heimatufer. Erst als er wieder auf festem Boden stand und von seiner Frau und seinen Rindern umringt wurde, begriff er, wie groß die Liebe und das Opfer des Freundes gewesen waren, und heißer Dank erfüllte seine Seele. Groß und bewundernswert ist eine solche, das eigene Leben opfernde Freundesliebe. Aber das Buch der Bücher kennt eine Liebe, die jene noch überragt. Der in unferm Fleisch erschienene Messias IGsus hat nicht nur für Freunde, sondern für Feinde sein Leben in den Tod gegeben. „Wir sind als Feinde mit Gott versöhnt worden durch den Tod seines Sohnes", lehrt Paulus Röm. 5, JO (vgl. Kol. J, 2\ f.). Für eine Welt von Frevlern hat sich der eine Reine geopfert; der Gerechte ist für die Ungerechten, der Heilige für die Sünder in den Tod gegangen. Und noch immer hat dies Opfer der Feindesliebe Geltung für alle Übertreter des göttlichen Gesetzes, für alle Kinder des göttlichen Zorns, falls sie es nur bußfertig und gläubig annehmen. Gs kann auch Euch zu gute kommen, Ihr Glieder des Hauses Israels. O, laßt Guch endlich an das Joch dieser Liebe binden, von ihrer Glut überwinden, zu dankbarer Gegenliebe entzünden! Betet mit uns die Liebe IGsu an, die sich auf Golgatha zu Tode geliebt hat! Gelobet mit uns: „Liebe, Dir ergeb' ich mich, Dein zu bleiben ewiglich!" Wessen Sohn ist JEsus? Das ist die Frage, die jeden angeht. Dieser Frage ausweichen, heißt sich selbst betrügen. Wie zu IGsu Zeilen, so werden auch heute noch verschiedene Antworten auf jene Frage gegeben. Wie IGsus selbst sie beantwortet, lesen wir Mat. 26, 65 f. Wie sindet man die rechte Antwort? Gs giebt zwei Wege. Entweder löst man jene Frage rein praktisch: das ist die einfachste Art. Wage kühn den Sprung ins Dunkle und wirf dich diesem dir innerlich noch unbekannten IGsus in die^Arme, vertrau' auf ihn