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Dibre Emeth · 1902-01-01 · 1 (1902) · page 7

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Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
1 (1902)
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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das Gebet, welches der, Heiland uns gelehrt hat. Der Arzt ließ den Äther zur Betäubung des Aranken erst wirken, nachdem er die Worte vernommen hatte: „Denn Dein ist das Reich und die Araft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen." Nach der Operation versicherte ein anderer Arzt dem Präsidenten: „Ob es nun der Geschicklichkeit von Dr. Wann, oder Ihrer starken Aonstitution, oder den vereinigten Gebeten des mit Sie tief bekümmerten Volkes zu verdanken ist, — jedenfalls steht es gut mit Ihnen." Da erwiderte ZHc. Ainley: „Ich glaube, daß ich es zumeist den Fürbitten des gläubigen Volkes verdanke, wenn ich noch lebe." Freilich war ihm doch nur eine kurze Verlängerung seines irdischen Lebens vergönnt. Daß er als echter Lhrist starb, ist nicht zu bezweifeln. In gesunden Tagen schätzte er bas Lied von Newman: „Load, kindly Light!“ sehrhoch. Angesichts des Todes konnte er in, demselben herrlichen Trost finden. Eine deutsche Übersetzung dieses Lieblingsliedes des Verstorbenen veröffentlichte kürzlich der „Schles. Familienbote". Sie rührt von Elfriede Gärtner her und bezieht sich auf vier Verse, während sowohl im anglikanischen als auch iin freischottischen Airchenliederbuch nur drei Verse enthalten sind. Diese drei Verse giebt die deutsche Übertragung, die wir nur wenig ändern, folgendermaßen wieder: „Du ew'ges Licht mit Deinem sel'gen Strahl, Leucht' mir voran! Tief ist die Nacht und fern mein l^eimatsthal: Leucht' mir voran! 0, fülle meine arme Seele ganz Mit Deinem reinen, hehren Lsimmelsglanz! Beihörten Sinns Hab' einst ich nicht gesteht: Sei Du mit mir! Mein Herz war stolz. Nun sucht es im Gebet Den Weg zu Dir. Jm Kampf ums Gluck, berauscht von Menschenhuld, vergaß ich Dein. 0, tilge meine Schuld! Du fuhrst die Deinen durch die Finsternis, Allzeit getreu. 0, führ' auch mich durch Sturm und wogen, bis Die Nacht vorbei, Bis ich erschau', von: Morgenglanz umsäumt, Der Engel Schar, wie's einst mein Herz erträumt!" Der Kampf um die Gewissensfreiheit in Rußland fordert immer wieder neue Opfer. Im Oktober lYOl erhob der Adelsmarschall Stachowitsch bei einer staatskirchlichen Versammlung in Drei seine Stimme zu Gunsten der Freigebung des religiösen Bekenntnisses. „Laß ab, Täsar!" rief der kühne Wann. „Das ist nicht das Deine: das ist Gottes in Ewigkeit. Ihm allein ist die Gewalt gegeben, zu binden und zu lösen." Die Versammlung nahm seine Rede mit Erstaunen und Entrüstung auf. Auch ein Teil der Presse fiel sofort mit Beschimpfungen über Stachowitsch her. Dagegen verteidigten ihn mehrere Petersburger Zeitungen, auch diejenige, deren Herausgeber Fürst! Uchtontski ist. Die letztere begleitete den Abdruck der Rede des Adelsmarschalls mit der Bemerkung, daß die Gewissensfreiheit als ein elementares Recht und eine elementare Pflicht des wahren Ehristen schon lange gebieterisch auf Verwirklichung dringe. In derselben Zeitung erschien dann ein Artikel von Tscherkaßki, einem Geistlichen der russischen Airche, der ebenfalls mit großer Wärme für die Gewissensfreiheit eintritt. Er sagte u. a.: „Ist es nicht für unser ganzes russisches Land und unsere Orthodoxie etwas Niederdrückendes, daß wir, die wir die ungeheuren Errungenschaften der Wissenschaft genießen, an dem Kulturleben der Welt teilnehmen und mit den Völkern Europas eine Familie bilden, bis jetzt noch nicht der Gewohnheit entsagt haben, diejenigen Leute zu verfolgen, die nicht ebenso denken, glauben und ihren Glauben bekennen wie wir? Die körperliche Sklaverei ist bei uns aufgehoben: kann man aber die geistige Anechtung wirklich ruhig ansehen? Stintmt das mit dem großen Vermächtnis Ehristi und mit dem Grundprinzip des Thristentums: „Freiheit ist da, wo der Geist des HErrn ist"? . . Welcher Glaube besser ist, hat jeder für sich zu entscheiden." Fürst Uchtomski wurde bereits gemaßregelt. Auch Tscherkaßki wird wohl für sein Auftreten zu büßen haben. Endlich aber wird in Rußland ein neuer Tag anbrechen: der Tag, der allen Gewissenszwang aufhebt und die Gewissensfreiheit auf den Thron fetzt. Da wird dann auch die Mission unter Israel zu schöner Blüte gelangen. Gott ist getreu. 1. Kor. 10,13. Wie ein allbekanntes geistliches Lied von Liebich, so beginnt auch ein weniger bekanntes von Wuthmann mit diesem Schriftwort. Iohannes,Wuthmann, ein evangelischer Pfarrer zu Teschen in Osterreichisch- Schlesien, erfuhr in einer Mainacht des Jahres NN die Treue seines Gottes in besonderer Weise. Er kehrte von dem Besuch kranker Glieder seiner meilenweit zerstreuten Gemeinde zurück, als er beiin Durchreiten eines hochangeschwollenen Baches in Lebensgefahr geriet. Schon waren Wann und Roß nahe daran, von den Wellen verschlungen zu werden. Da, im Augenblick des Versinkens, rief er seinen HEiland um an, und sein Flehen fand Erhörung. Das Pferd raffte seine letzten Aräfte zusammen und arbeitete sich glücklich ans Ufer. Inzwischen wurde der Pfarrer zu Hause von der durch schlimme Ahnungen geängstigten Gattin erwartet. Als diese nach der Wanduhr blickte, sah sie, daß dieselbe bereits Y Uhr 25 Minuten zeigte. Da warf sie sich auf die Aniee und flehte inbrünstig zu Gott, daß Er ihren Wann beschütze. Als dieser endlich mit nassen Aleidern, aber als ein dem Tode Entronnener ins Haus getreten war, brachten die Gatten ihrem Gott vereinte Freuden- und Dankopfer dar. Jetzt stellte es sich heraus, daß Wuthmanns Taschenuhr durch das ein-

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