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Dibre Emeth · 1902-01-01 · 1 (1902) · page 6

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Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
1 (1902)
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 er gleicherweise wie dort für den Staat so für die preußische Landeskirche in dem Streit lutherischen Bekennertumes gegen den protestantenvereinlichen Unionismus jener Tage in der Berliner paftoral- Konferenz s8^8 die Parole ausgab, die er bald darauf auch an dem ersten Kirchentage zu Wittenberg wiederholte: Konföderation, nicht Union' Konnte dieses Wort auch nicht sofort eine durchgreifende praktische Wirkung üben, so wirkte es doch klärend, ermutigend, versöhnend weiter." Die „Kons. Korrespondenz" gedachte Stahls mit folgenden Worten: „Was Stahl in den schweren Stürmen des Jahres ^8 für unser Vaterland und die Monarchie gethan, ist unvergessen. Die konservative Partei aber hat besondere Veranlassung, das Andenken des hochbedeutenden Mannes zu ehren, denn er war der eigentliche Begründer der konservativen Partei, die er als einstußreiches Mitglied des Herrenhauses im Jahre \8^9 als „Fraktion Stahl" ins parlamentarische Leben ries. Noch heute sind die meisten der von ihrem Begründer aufgestellten Grundsätze für die konservative Partei maßgebend; darum wird in ihr der Name Stahl zu allen Zeiten in Ehren gehalten und seiner namentlich an der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages mit Dankbarkeit und mit dem Gelöbnis, feine Lehren auch ferner hochzuhalten, gedacht werden." Aus dem Festartikel des „Reichsboten" heben wir namentlich die biographischen Angaben hervor. „Heute, am \6. Januar, sind es J(00 Jahre, daß der berühmte Rechtsphilofoph und Staatsrechtslehrer Stahl in München als Sohn jüdischer Eltern das Licht der Welt erblickte. Seine große geistige Begabung veranlaßte den Vater, der Kaufmann war, den Sohn auf das Gymnasium-Lyceum zu schicken. Schon mit \7 Jahren hatte er diese Schule und das mit ihr verbundene philologische Seminar absolviert, so daß er die Erlaubnis zur Annahme einer Lehrerstelle an einem Gymnasium erhielt. Das gab ihm den Antrieb, sich auf der Universität noch weiter in der Philologie auszubilden; er ging nach Erlangen, sattelte aber bald um, um Jurisprudenz„ zu studieren. Er selbst war schon \8\9 aus Überzeugung zur lutherischen Kirche übergetreten; \826 folgten ihm seine Eltern und Geschwister nach. Zn diesem Zahre in Würzburg zum Dr. Juris promoviert, wurde er Privatdozent in München, dann außerordentlicher Professor in Erlangen, bald darauf ordentlicher Professor des römischen Rechts in Würzburg, doch kehrte er schon nach zwei Zähren nach Erlangen zurück als Professor für Staats- und Kirchenrecht. Zetzt wurde er als Vertreter der Universität in die Ständeversammlung nach München berufen. Er kam aber dort in Konflikt mit dem Ministerium über die Finanzverwaltuug und die Rechte der Stände, wurde deshalb der Professur des Staatsrechts enthoben und mit der des Tivilrechts betraut. Dies kränkte ihn bei seiner konservativen und königstreuen Gesinnung doppelt, und deshalb nahm er einen Ruf nach Berlin an. Hier entfaltete er nun eine große Wirksamkeit sowohl in der Wissenschaft, als auch als Mitglied des Herrenhauses im Staate und als Ober-Konsistorialrat und Mitglied des Oberkirchenrats in der Kirche. Vor allem trat er in seinem berühmten Werke, der Rechtsphilosophie, der Hegelschen Philosophie entgegen, die sich zum nackten Pantheismus entwickelt hatte. Schon als Privatdozent in München hatte er den ersten Band dieses Werkes erscheinen lassen. Zn den Zähren der Revolution erhob er die Fahne der Autorität. „Nicht Majorität, sondern Autorität!" rief er in Erfurt, wo der Landtag damals tagte. Er machte selbst bei den Gegnern einen Liefen Eindruck. Während man hier nichts Festes, sondern nur noch ein wild bewegtes Meer der wechselnden Majoritäten sah, zeigte er der Obrigkeit als göttlicher Ordnung einen festen Boden und eine sichere Grundlage für ihre Autorität. Einen scharfen Kampf führte er auf kirchlichem Gebiete gegen den protestantenvereinlichen Unionismus. Von großer Bedeutung wurden seine Bücher: „Die lutherische Kirche und die Union", „Die Kirchenverfassung nach Lehre und Recht der Protestanten" und „Die Parteien in Staat und Kirche." Zm Parlament bildete sich unter dem Namen „Fraktion Stahl" die konservative Partei, welche im Herrenhause unter diesem Namen noch bis in die letzten Zahre fortbestand und in Herrn v. Kleist-Retzow ihren bedeutenden Führer hatte. Durch die Gründung der konservativen Partei als eines rochcr de broncc in den politischen Stürmen der Revolutionszeit hat sich Stahl ein großes Verdienst erworben. Aber auch bei Stahl gilt, was bei andern Männern zutrifft: Was seine Stärke, war auch die Quelle seiner Schwäche. Seine Stärke war die logisch scharfe Begründung seiner Lehre, insbesondere seiner Betonung der göttlichen Weltordnung, als deren Träger er den Staat bekannte. Hierin lag seine Bedeutung in jener Zeit der Verwirrung und Unklarheit infolge der Angriffe des Zung- Hegelianismus auf die christliche Weltanschauung. Zn diesen seinen philosophischen Ausführungen geriet er aber mehrfach in das Gebiet des abstrakten Doktrinarismus und der Konsequenzmacherei, welche den Thatsachen und ihrer naturgeinäßen Entwicklung nicht die geilügende Würdigung zuteil werden ließ. Hier war auch der Punkt, wo Bismarck sich von Stahl trennte." Jur Erinnerung an William Mc Kinler). Als der im vorigen Zahre ermordete Präsident Mc Kinley nach dein Attentat auf den Operierlisch gelegt worden war, beiilerkte der Ehirug, welcher die Operation vollziehen wollte, Dr. Mann, daß sich die Lippen des Schwerverwundeteii bewegten. Mc Kiiiley betete

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