Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- 1 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Lungenleiden heilen könnte. Eine Kräftigung seiner Gesundheit bot ihm aber noch vor seinen! Abgang in das Land seiner Väter ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in Iohannisbad, den ihn: die Liebe seiner neuen Glaubensgenossen ermöglichte, wie sie ihm früher den Gebrauch einer Milchkur in Domslau bei Breslau gewährt hatte. Von Leipzig aus, wo Goldenberg noch eine Zeitlang bei den alten Freunden geweilt hatte, wurde die große Reise angetreten. An: November $87 verließ das Schiff, welches er benutzte, Triest. An: \3. traf er in Jaffa, am \8. in Tiberias ein. Was er dort erlebt hat, wissen die Leser der D. E. aus manchen Mitteilungen dieser Zeitschrift, besonders aber aus den hier abgedruckten Briefen des Missionsgehilfen. Mir selber war es J8SU bei Gelegenheit meiner Orientreise vergönnt, den Mann, den ich ein Liege! meines Missionsamtes (\. Kor. 9, 2) nennen durfte, in seinem Missionsamt wirken zu sehen. Wie freute ich mich, als ihn: von allen Beteiligten ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde! Und gute Eindrücke hinterließ er auch in der syrischen Stadt Aleppo, wohin er $95 in der gleichen Eigenschaft berufen wurde. Leine Sparsamkeit machte es ihm möglich, $97 eine größere Summe zurückzuzahlen, deren er $87 als einer Beisteuer zum Reisegeld bedurft hatte. Im Jahr $00 aber erlaubten ihm seine Ersparnisse sogar die Ausführung des langgehegten Wunsches, eine Besuchsreise nach Europa zu unternehmen. Vom bis zum \2. September war er mein Gast. Er schien sich damals einer guten Gesundheit zu erfreuen, hatte er sich doch auch vorher sowohl in Iohannisbad, als auch in Salzbrunn einige Wochen lang von den besonderen Anstrengungen, welche der Missionsberuf im Morgenland seinem Träger auferlegt, erholen dürfen. Dennoch sollte auf unfern Abschied kein Wiedersehen auf Erden mehr folgen. Nur noch ein kurzes Arbeitsjahr wurde dem wackern Zeugen der Wahrheit verstattet. Am 23. September $0J schrieb mir sein Vorgesetzter, Prediger Ehristie in Aleppo: „Unser lieber Goldenberg starb an: Morgen des $. Er zog sich am Freitag zuvor eine Erkältung zu und hatte während der letzten Woche einen starken husten. An einigen Tagen ging es ihm besser, an andern schlechter. Ich war bis zuletzt bei ihm. Er blieb bis zum letzten Augenblick bei Bewußtsein. Ungefähr fünf Minuten vor 6 Uhr früh legte er sein Haupt aufs Kiffen, wobei er sich an meinen Arm anlehnte, und that ruhig seinen letzten Atemzug. Er war durchaus stark im Glauben. Er sehnte sich nicht sowohl nach einer Verlängerung seines Lebens, sondern schien vielmehr Gott dafür dankbar zu sein, daß Er seinem Leben so viele Jahre hinzugelegt hatte. Wir begruben ihn auf" denn Gottesacker der europäischen Protestanten. Juden, Muhammedaner und Lhristen umgaben das Grab. Ich habe hier nie eine Leichenfeier gesehen, bei welcher größere Ordnung herrschte und größere Achtung bezeugt wurde. Er wird sehr vermißt werden, und zwar, wie wir überzeugt sind, von allen. . . Ich habe in ihrn einen vertrauten Freund verloren, der auch im Kleinen treu war. Aber die Erinnerung an seine Hilfe und Freundschaft wird mich erfreuen, so lange ich lebe." Eliphas von Theman, der eine von den drei Freunden Hiobs, bekennt von dem letzteren (Hiob ^,3 f.): „Siehe, du hast viele unterwiesen und lasse Hände gestärkt. Deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet, und die bebenden Kniee hast du bekräftigt." Das gilt auch von dem entschlafenen judenchristlichen Missionsarbeiter. Und von ihm muß man gottlob nicht sagen, was Eliphas mit Recht von Hiob sagte, daß er unter dem Druck des eigenen Leidens erlegen sei und gezittert habe. Wie er schon in Tiberias bei einer schweren Erkrankung gelassen, ja, fröhlich dem Tode ins Auge sah, so hat er in Aleppo, als nun wirklich seine letzte Stunde schlug, einen auch die Schrecken des Todes überwindenden, echten Ehristenglauben bekundet. Gott sei für alle Gnade gepriesen, die Er an dem Dahingeschiedenen und durch ihn auch an andern, insonderheit an Israeliten, geoffenbart hat! Der Herr laste auch das Gedächtnis dieses treuen Mannes einen Segen für manche Seele werden! Der hundertste Geburtstag von Dr. Julius Stahl wurde am \6. Januar d. I. sowohl am Grabe dieses hervorragenden profelyten, als auch sonst gefeiert. Ein Teil der deutschen Presse widmete dem $6\ Verstorbenen ehrenvolle Nachrufe. In der „Ev. Kirchenzeitung" schrieb Sup. Tauscher: „Es ist pfilcht dankbarer Pietät, daß wir an seinem $0. Geburtstage eines Mannes gedenken, der in schwerer Zeit im Bereich der Wissenschaft, des Staates und der Kirche ein Vorkämpfer war für Wahrheit und Recht, für Glauben und Wissen; der in jenen Tagen unserer preußischen Geschichte, deren wir uns schämen, als bei dem Ansturm gegen Thron und Altar auch den Mächtigen in der allgemeinen Ratlosigkeit das Herz entfiel, mit unerschrockenem Mute als ein Zeuge für die göttliche Ordnung auf dem Felsengrunde der ewigen Wahrheit unerschütterlich feftstand. Es soll ihn: doch unvergessen sein, wie seine Worte gleich als geflügelte Pfeile in den wirren Haufen seiner Gegner einschlugen und sie bis ins Gewissen trafen, wie seine lichtvolle Darlegung der tiefsten Gründe des Rnheils jener Zeit des Umsturzes in den Widerstreit unklarer Meinungen und epidemischer Verirrung der Gedanken und Sinne der vom Freiheitstraume berauschten Menge blitzartig wie mit einem Schlage Klarheit brachte, wenn er nicht nur in die Augustinerkirche zu Erfurt, sondern in das ganze Land die Losung hineinrief: Autorität, nicht Majorität; wenn