Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 58 (1902)
- Issue
- 1 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nur ein kleines Plätzchen am Saum deiner Herrlichkeit erlangenI" Ich las ihr oft die Botschaft der Gnade vor, wie sie besonders in Ioh. 3, \6 und {. Ioh. 2, \ enthalten ist, und suchte sie ihr nahe zu bringen. Ich sagte ihr, daß sie sich an das Lamm Gottes zu halten habe, welches der Welt Sünden trägt. Ich ermahnte sie, zu dem zu kommen, welcher spricht: „Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen *fetbl" Ich weinte und betete mit ihr. Durch solchen Zuspruch bekam sie allmählich wieder Licht. Endlich brach sie in Freudenthränen aus und sagte: „Nun kann ich glauben, daß er mich nicht verdammen wird." Seit einem Monat geht es ihr, dem HLrrn sei Dank, etwas besser, aber sie ist immer noch sehr schwach. Die Brüder in Asseso sind gesund. Die Frau von Wandemhuning Negusie war einige Wochen sehr krank, befindet sich aber, dem HErrn sei Dank, jetzt wieder besser. Aus der Station Asseso geht es auch in der Missionsarbeit so ziemlich gut, wie Sie wohl in den Briefen der Brüder lesen werden. Die Brüder Wandenhuning Negusie und Beleta predigen Christum, den Gekreuzigten, den in der Umgegend wohnenden Falascha. Alle Sonntage halten sie Gottesdienste ab mit den dort wohnenden proselyten. Auch halten sie mit den Kindern der letzteren Schule. Unser Bote, der Träger dieser Briefe, ist ein treuer Mann. Er brachte uns im Februar Geld und Ihre Briefe. Im Namen aller meiner Mitbrüder sage ich meinen herzlichen Dank. Ich kann heute nicht weiter schreiben, weil unser Bote sehr eilt. Wir haben früher nicht gewußt, daß er vor der Regenzeit nach Asmara gehen wollte. Er ist in Debra Tabor wohnhaft. Vor zwei Tagen kam er zu uns, und schon morgen will er wieder abreisen. Er kommt nach der Regenzeit wieder hierher. Bitte, senden Sie uns durch ihn Briefe! Unser Bote Gabru ist von Asmara noch nicht zurückgekommen. Der HErr wolle ihn auf seiner Rückreise behüten und bewahren. Zum Schluß empfehle ich mich samt der Arbeit des HErrn Ihrer Fürbitte vor dem HErrn. Viele Grüße an die liebe Frau Fladl Besonders seien Sie selbst in der Liebe ILsu gegrüßt von Ihrem dankbaren M. Argawi. Dschenda, den 26. Mai $0J. Paul -Z'alomon Ooldenberg. Am Nachmittage des $. Juni \885 hielt ich mich während einer Missionsreise in Beuthen in Oberschlesien auf. Bei einem Gang durch die Stadt sprach ich einen Juden an, der auf der Straße vor mir her ging. Der Alaun war aus dem russischen Bessarabien, wo er als Tabakspflanzer gearbeitet hatte, nach Deutschland gekommen. Er hatte in Kischinew zweimal den Gottesdienst von Joseph Rabinowitsch besucht und besonders von einer Weihnachtspredigt dieses Advokaten und Reformators einen guten Eindruck empfangen. Aus Furcht vor dem Fanatismus seiner Glaubensgenossen hatte er aber bis dahin nicht gewagt, sich ein Neues Testament zu verschaffen. Als ich ihm nun einen Teil desselben versprach, folgte er mir in den Gasthof, in dem ich eingekehrt war. Ich händigte ihm hier das im Jargon gedruckte Evangelium des Markus ein, und er fing sofort an, dies Buch zu lesen» Bei Mark. 2, \7 konnte er einen Ausdruck des Wohlgefallens nicht unterdrücken. Und der himmlische Arzt, auf den der Vers hinweist, nahm jetzt diese Seele in seine pflege. Goldenberg, so hieß mein neuer Bekannter, besuchte mich bald darauf in Breslau, meinem damaligen Wohnort, nachdem er von Beuthen aus in acht Tagen zu Fuß dorthin gewandert war. Er reiste aber schon Ende Juni nach Leipzig weiter, und zwar, wie ich später erfuhr, ebenfalls zu Fuß. Nach zehntägiger Wanderung erreichte er fein Ziel. Von Leipzig aus fand er eine lohnende Beschäftigung bei einem Eisenbahnbau. Aber die harte Arbeit ging über seine Kräfte, so daß er zusammenbrach. Seine Leipziger Freunde, zu denen Professor Delitzsch ilnd Missionar Faber gehörten, sorgten liebevoll für ihn. Der Kranke fand dank ihrer Vermittlung im Diakonissenhause zu Dresden freundliche Aufnahme und Wartung. Nachdem er sich einigermaßen erholt hatte, begab er sich nach Galizien, um sich von seiner Frau, der Tochter eines Rabbiners, mit der er eine unglückliche Ehe geführt hatte, scheiden zu lassen. Hierauf fand er sich wieder in Breslau ein. Es war am 26. April \887, als ich die in Beuthen angeknüpfte Bekanntschaft erneuern konnte. Jetzt blieb es aber nicht bei einer kurzen Begegnung, sondern es kam zu einem längern Verkehr. Der Fremdling, der am \2. Januar 1^855 zu Dulche an der Donau bei Rustschuk geboren war, der ^863 in Ismail, einer ehedem rumänischen, jetzt russischen Stadt, seinen Vater, den jüdischen Lehrer Baruch Goldenberg, }88H auch seine Mutter durch den Tod verloren und der seit \876 meistens in Kischinew gelebt hatte, wünschte nunmehr der Kirche Christi beizutreten. Nachdem ich ihm den auf die Taufe vorbereitenden Unterricht erteilt und ihn hierbei immer mehr als einen aufrichtigen Taufbewerber kennen gelernt hatte, wurde am 2% Juli \887 in der Breslauer Brüderkirche die heilige Handlung vollzogen. Von den vier Taufnamen Christian, Johannes, Paul, Wilhelm bediente der Getaufte sich fortan in der Regel des dritten. Einer feiner Paten war der schottische Prediger Ewing, der damals in Leipzig studierte und sich anschickte, ein Missionsamt in Tiberias zu übernehmen. Auf Ewings Vorschlag entschloß sich Goldenberg, als Gehilfe des Missionars gleichfalls nach Tiberias zu ziehen. Er folgte dieser Aufforderung um so lieber, da er hoffte, daß der Aufenthalt in Palästina sein noch nicht ganz gehobenes