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Dibre Emeth · 1902-01-01 · 1 (1902) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
58 (1902)
Issue
1 (1902)
Date
1902-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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besuchte ich einen kranken Mann in Dembea, im Dorfe Then:boheie. Ich redete mit ihn: über das Heil seiner Seele. Der Kranke hörte meiner Rede andächtig zu, aber als ich zu Ende war, sagte er, daß er in seiner Jugend ein Soldat des Königs Theodorus gewesen sei und viele Leute getötet habe, deshalb habe er keine Hoffnung mehr, daß ihm Gott seine Sünden vergeben werde. Ich las ihm hierauf einige Stellen aus der heil. Schrift vor, z. B. Matth. \\, 28, und redete noch viel mit ihm. Erfreute sich sehr, als ich ihn: sagte, daß der HEiland ihm seine Sünden vergeben und ihn von der Macht derselben erretten wolle. Der Kranke sagte zuletzt weinend, daß er sich bekehren und wegen seiner vielen Sünden wahrhaft Buße thun werde. Einige proselytenfamilien, welche in verschiedenen Gegenden von Dembea wohnten, kamen hierher und bauten unweit von uns ihre Hütten. Sie besuchen regelmäßig unfern Sonntagsgottesdienst. Von den hiesigen proselyten hören die meisten gerne das Wort Gottes, aber es sind auch einige da, welche nur darnach streben, reich zu werden und viele Kühe zu sammeln. Obgleich die Zahl der proselyten, die regelmäßig alle Sonntage das Wort Gottes hören, nur gering ist, so freuen wir uns doch sehr, daß wir eine kleine Gemeinde gesammelt haben, und wir sehen alle Tage, daß unsere Arbeit nicht vergeblich ist. Dies giebt uns Mut und Kraft, weiter zu arbeiten und zu kämpfen. In unserer Schule sind \0 jDroselytenkinder und einige Ehristenkinder. Sie werden täglich „regelmäßig im Worte Gottes unterrichtet und lernen Äthiopisch und Amharisch lesen und schreiben. Wir verwenden viele Zeit darauf, die Falascha und die jDroselyten in ihren Hütten zu besuchen. Aber auch auf den Märkten und auf den Straßen verkündigen wir Ehristum, den Gekreuzigten. Wir benutzen jede Gelegenheit, Seelen für den HErrn zu gewinnen. Wir danken auch allezeit dem HErrn, daß er durch uns schon viel gethan und uns gewürdiget hat, sein Evangelium den armen, verlorenen Falascha in Habesch zu verkündigen. In: Sommer machte ich mit meinen Mitarbeitern Hiob Negusie und Debtera Ain Alan: eine gesegnete Missionsreise. Hiob Negusies Sohn Iaschanau ging mit uns, um Bücher zu tragen und uns auf der Reise zu bedienen. Von hier führte uns der Weg zuerst nach Sakalt. Wir besuchten einige proselytenfamilien in Hog, blieben einen Tag bei ihnen und predigten ihnen den Gekreuzigten. Als wir weiter zogen, begegnete uns ein blinder Mann, welcher sich von seinen: Sohne führen ließ. Wir erzählten ihn: die Geschichte von dem blinden Bartimäus (Mark. (o, ^6) und sagten ihm, er möchte wie Bartimäus aus den: Grunde seines Herzens den HEiland bitten, daß seine Augen sehend würden und daß er Vergebung seiner Sünden erlangte. Wir kamen mit Sonnenuntergang in das Falaschadorf Guraba, in welchen! einige Falaschapriester wohnen. Am folgenden Morgen gingen wir zu diesen Falascbapriestern. Zuerst wollten sie das Wort Gottes nicht hären. Endlich brachten sie ihr äthiopisches Altes Testament. Wir lasen ihnen aus der Schrift vor und zeigten ihnen, daß unser HEiland gekommen ist. urn uns durch sein teures Blut von der Macht des Satans und der Sünde frei zu machen. Aber die jDriester wollten uns nicht anhören, denn sie lieben die Finsternis mehr denn das Licht. Nachdem wir viel mit ihnen gesprochen halten, gingen wir weiter nach Tschelga. Spät am Abend kamen wir in das Dorf Anguaba, in welchen: sowohl Komanten (Heiden) als auch Falascha und proselyten wohnen. Wir wurden von den proselyten sehr freundlich ausgenommen. Wir predigten den drei verschiedenen Arten von Menschen das Evangelium. Leider waren die Heiden sehr verstockt und wollten uns nicht hören. Am folgenden Morgen zogen wir weiter Am Nachmittag kamen wir in das Dorf Amsafetsch. Hier fanden wir vier Falaschafamilien. Wir verweilten zwei Stunden bei ihnen und redeten viel mit ihnen, gaben ihnen Bibeln und Traktate und nahmen dann Abschied. Sie begleiteten uns eine weite Strecke und sagten uns, daß sie zu uns nach Dschenda kommen würden, um die Weberei zu treiben und weiter mit uns über den Glauben der Thristen zu reden. Wir zogen weiter und kamen abends in das große Dorf Dilamgie, wo vieleFalascha undproselyten versammelt waren, denn es war in diesen: Dorf eine Hochzeit. Wir benutzten diese Gelegenheit, um Ehristum, den Gekreuzigten, zu predigen, verweilten einen Tag bei ihnen und verteilten Bibeln und Traktate. Von hier aus traten wir unsere Rückreise an, mit Lob und Dank gegen den HErrn, der uns Gnade gegeben und uns arme Sünder gewürdigt hatte, sein teures Wort den Kindern des Hanfes Israel zu bringen. Ich darf Ihnen zur Ehre Gottes mitteilen, daß in diesem Jahr, in den Monaten März und April, Falascha getauft worden sind: in Sakalt fünf, in Tschelga drei, in Abora zwei, in Tschanker sechs. Es sind noch einige Falaschafamilien da, welche die heilige Taufe empfangen wollen, aber wir sagten ihnen, daß sie mit der Taufe warten sollten, damit sie zuerst in den: Worte Gottes gegründet werden und sich aus dem Grunde ihres Herzens bekehren. Wie Sie aus meinen: Bericht ersehen, hat der HErr in diesen: Jahre unsere Missionsarbeit gesegnet und uns in vieler Beziehung geholfen. Wir haben sehr viele Feinde und müssen viel dulden, aber unser HEiland IEsus Ehristus ist bei uns und hilft uns. In: vergangenen Sommer war n:eine Frau drei Monate lang sehr krank: sie litt an Fieber und Kopfweh. Sie weinte oft bitterlich über ihre Sünden und konnte kaun: glauben, daß der HErr aus lauter Gnade sie annehmen werde. Sie rang un: Vergebung ihrer Sünden und rief: „O mein HEiland, ich bin eben eine große Sünderin, aber laß nach aus Erbarmen

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